03.11.2014 14:45 |

"SpaceShipTwo"-Crash

Betätigte Kopilot Entriegelungshebel zu früh?

Nach dem Absturz des Raumschiffs "SpaceShipTwo" am Freitag haben Ermittler nun erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gefunden. Einer der Piloten habe einen Entriegelungshebel für einen Mechanismus im Heck zu früh betätigt, sagte der Leiter der US-Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB), Christopher Hart.

Er könne jedoch nicht sagen, ob dies die Ursache für das Unglück sei, schränkte Hart ein: "Uns stehen noch Monate und Monate der Ursachenforschung bevor." Telemetrie-Daten hätten aber gezeigt, dass das Triebwerk gestartet worden sei und fehlerfrei funktioniert habe. Neun Sekunden danach - bei einer Geschwindigkeit von einem Mach (Schallgeschwindigkeit) - seien plötzlich die beiden sogenannten Federn am Heck, eine Bremsvorrichtung, von "SpaceShipTwo" entriegelt worden. Die Federn bewegten sich dabei in die Bremsposition.

Das sollte eigentlich erst bei Mach 1,4 (rund 1.715 km/h) geschehen. Ein zweiter Hebel zum Aufstellen der Federn wurde zwar nicht bedient, diese stellen sich offenbar trotzdem binnen zwei Sekunden auf. Das dürfte, so Hart, zum Auseinanderbrechen des Raumfahrzeugs geführt haben. Darauf weise auch der Umstand hin, dass die Übertragung der Telemetrie-Daten genau zu diesem Zeitpunkt abgerissen sei.

Tanks und Raketentriebwerk intakt
Kameraaufnahmen aus dem Cockpit hätten gezeigt, dass der Kopilot den Entriegelungshebel betätigt habe, als das Raumschiff eine Geschwindigkeit von etwa einem Mach erreicht habe, sagte Hart. Allerdings hätte der Hebel erst bei 1,4 Mach umgelegt werden dürfen. Nach Harts Angaben wurden inzwischen fast alle wichtigen Teile der Raumfähre gefunden. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Tanks und das Raketentriebwerk intakt gewesen seien.

"SpaceShipTwo" war am Freitag bei einem Testflug über der kalifornischen Mojave-Wüste auseinandergebrochen und zu Boden gestürzt. Der Pilot konnte sich retten, sein Kopilot aber kam ums Leben. Das Unternehmen Virgin Galactic des britischen Milliardärs Richard Branson wollte das Raumschiff für den Weltraum-Tourismus einsetzen, Hunderte Interessierte hatten bereits eine Reise reserviert.

Die Raketenexpertin Carolynne Campbell von der Internationalen Vereinigung zur Förderung der Raumfahrtsicherheit warf Virgin Galactic am Sonntag vor, alle Warnungen über die Gefährlichkeit des eingesetzten Brennstoffs in den Wind geschlagen zu haben. Sie habe bereits 2009 und später nochmals telefonisch auf die Gefahren hingewiesen, doch leider sei sie nicht gehört worden, sagte Campbell. Ob tatsächlich der Brennstoff bzw. der Raketenantrieb das Unglück verursacht hat, ist bisher aber unklar.

Branson  verwehrt sich gegen Kritik an Technik
Bereits im Vorfeld hatte sich Branson gegen derartige Spekulationen verwahrt. Er finde es "ein wenig unverantwortlich", dass sich noch vor den Ermittlern der NTSB "Leute zu Wort melden, die keine Ahnung haben", sagte er. Der Vorstand von Virgin Galactic, George Whitesides, meinte, Meinungsverschiedenheiten zur richtigen Technik seien in der Raumfahrt üblich: Jede Gruppe bevorzuge andere Technologien, sagte er der "Financial Times".

Für den Raketenantrieb soll Distickstoffoxid sowie eine neue Komponente auf Polyamidbasis verwendet worden sein, die am Freitag erstmals für einen Testflug eingesetzt worden war. Das Unglück ist ein enormer Rückschlag für die kommerzielle Raumfahrt. Virgin Galactic war bisher führend im Bereich des Weltraumtourismus. Laut einem Experten wird sich der Start der ersten Touristen nun voraussichtlich um Jahre verzögern.

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