„Krone“-Kommentar

Steiler Aufstieg, weicher Fall für ÖVP-Politiker

Kolumnen
18.08.2026 05:00

Nach dem kläglichen Auftritt des Landwirtschaftsministers in der „ZIB 2“ meinte ein geschätzter Kollege, dass Österreich nicht nur mit der großen Hitze, sondern auch mit einer „intellektuellen Dürre“ zu kämpfen habe. Das ist eine harte Diagnose. Vielleicht sollte man mit Norbert Totschnig Nachsicht üben. Der wirkt nämlich derartig rührend unschuldig, als träfen ihn jetzt die Nachrichten von der Erderhitzung wirklich vollkommen überraschend.

Alle Erkenntnisse über die sich seit Langem abzeichnende Katastrophe konnte Totschnig in der klimatisierten Isolation seines Ministerbüros heiter ignorieren. Zurufe aus den seriösen Medienhäusern und der Bevölkerung verdampften auf dem politischen Brachland wie der gestrige Regen auf den Feldern.

Nun könnte allerdings alles anders werden. Und das hat mit der „Raiffeisen Zeitung“ zu tun. Das für die ÖVP-Führungskader maßgebliche Zentralorgan hat eine unmissverständliche Botschaft an den Landwirtschaftsminister gerichtet: Auf dem Titelblatt und auf vier weiteren Seiten wird vor vertrocknenden Feldern und immer häufigeren Wetterextremen gewarnt und ein düsteres Bild von auf sich alleine gestellten Bauern gezeichnet.

Das ist fast wie früher, wenn aus dem Kreml über die „Prawda“ ein Erlass an einen treuen Genossen aus dem Politbüro erging. Und genauso haben heute ÖVP-Politiker zu liefern. Sie wissen: Wer unter dem Giebelkreuz aufsteigt, fällt auch unter dem Giebelkreuz. Das dafür meistens weich.

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