Sully Prudhomme ist ein Name, der eher nicht in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Sogar in seiner Heimat Frankreich ist er heute weitgehend unbekannt. Dabei war er es, der 1901 mit dem allerersten Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, Leo Tolstoi hingegen ging leer aus.
Es blieb nicht die einzige Fehlentscheidung in der 125-jährigen Geschichte der Nobelpreise. Die Auszeichnung des Chemikers Fritz Haber zum Beispiel war so eine – als „Vater des Gaskriegs“ war er für abertausende Tote im Ersten Weltkrieg mitverantwortlich. Immerhin bekam er nicht den Friedensnobelpreis wie Jassir Arafat 1994. Sogar einer der (zurückgetretenen) Juroren meinte dazu: „Der Träger des Friedenspreises legt heute die Friedenstaube auf die Schlachtbank und schwingt die Axt.“
Als Winston Churchill von seiner Ehrung erfuhr, war er selbst ziemlich skeptisch. „Wofür?“ soll seine erste Frage gewesen sein. Dass er für seine Redekunst den Literaturnobelpreis ernten könnte, kam ihm nicht in den Sinn.
Auch dass Louise Meitner, die Otto Hahn die physikalische Erklärung der Kernspaltung lieferte, im Gegensatz zu ihm nicht geehrt wurde, war wenig ruhmreich. So wie die Tatsache, dass bislang unter rund 1000 Preisträgern nur 67 Frauen sind.
Diese Woche beginnt also die 125. Vergabesaison der Nobelpreise. Mal sehen, ob das Komitee, das über die klügsten Köpfe der Welt entscheidet, in dieser Sache selbst klüger geworden ist.
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