143 Meter über Boden

Eine Öko-Expedition in stürmische Windrad-Höhen

Niederösterreich
18.08.2026 11:00

143 Meter über dem Boden – und eine 30 Meter Leiter vor mir! Krone-Umweltredakteur wagte den Blick in die Tiefe. Einmal ganz nach oben, bitte! Doch bevor mein Blick von der Plattform über das Land schweifen konnte, wartete ganz besondere Herausforderungen: eine schier endlose Leiter!

Der Blick nach oben verheißt nichts Gutes. Eine schier endlose Leiter verschwindet im Inneren des Windradturms. 30 Meter gilt es zu überwinden – Sprosse für Sprosse, Schritt für Schritt. Der Puls steigt. Die Hände greifen fester zu. Und irgendwo im Hinterkopf stellt sich die Frage: Warum wollte ich das eigentlich unbedingt selbst ausprobieren?

Doch umkehren gilt nicht. Also hinein in den Turm und hinauf!

Sprosse für Sprosse Richtung Himmel
Die Aufstiegshilfe ist wahrlich kein Spaziergang. Während man sich - bestens gesichert – nach oben arbeitet, wird einem bewusst, wie weit die eigenen Beine und Arme eigentlich tragen müssen. Danach geht es weiter durch das gewaltige Innenleben der Anlage – bis schließlich die Plattform auf 143 Metern erreicht ist.

Und dann: durchatmen.

Was von unten wie ein riesiger Stahlkoloss aussieht, wird hier oben zum Aussichtspunkt der besonderen Art. Die Landschaft liegt weit unter den Füßen, die Rotorblätter ziehen ihre Kreise und der Wind pfeift um die Plattform. 143 Meter über dem Boden ist die Welt plötzlich eine andere.

3,2 Megawatt – mitten im Wind
3,2 Megawatt Leistung bringt die Anlage. Eine Zahl, die auf einem Datenblatt unspektakulär klingt. Hier oben bekommt sie plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Denn unmittelbar vor Augen entsteht aus Wind erneuerbarer Strom. Markus Winter, Vorstand Technik der Windkraft Simonsfeld, sieht gerade angesichts des heurigen Sommers dringenden Handlungsbedarf: „In diesem Sommer erleben wir, wovor Meteorolog*innen seit Jahrzehnten warnen: Hitze, Dürre, Wasserknappheit und immer häufigere Extremwetterereignisse als Folge des Klimawandels.“ Die Gegenmittel seien längst vorhanden. „Die Technologien sind da, Unternehmen wie wir stehen bereit, die Projekte liegen am Tisch – trotzdem kommt der Ausbau noch immer zu langsam voran“, sagt Winter. Sein Appell: schnellere Verfahren, politische Entscheidungen und mehr Tempo beim Ausbau.

Strom für mehr als 163.000 Haushalte
Die Windkraft Simonsfeld feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Seit der Gründung 1996 in Simonsfeld ist das Unternehmen kräftig gewachsen: Mehr als 150 Mitarbeiter kümmern sich mittlerweile um 97 Wind- und Sonnenenergieanlagen. 2025 wurden 652,9 Millionen Kilowattstunden erneuerbarer Strom erzeugt – genug für den Jahresbedarf von mehr als 163.000 Haushalten. Bis 2030 soll die Produktion auf rund zwei Milliarden Kilowattstunden steigen. Dafür sind Investitionen von rund einer Milliarde Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien geplant.

Windkraft trifft Naturschutz
Dabei soll die Energiewende mit der Natur funktionieren. In den March-Thaya-Auen sichert die Windkraft Simonsfeld einen zehn Hektar großen Altholzwald und damit wichtige Brutplätze, unter anderem für Uhu, Schwarzstorch sowie Rot- und Schwarzmilan. Auch der Schutz des Wachtelkönigs wird gemeinsam mit Partnern unterstützt. Beim Sonnenkraftwerk Klement entstehen auf einer ehemaligen Erdaushubdeponie neue Lebensräume: Mehr als 700 Sträucher und Bäume, eine Benjeshecke und Steinhaufen bieten künftig Vögeln, Reptilien, Wildbienen und anderen Arten Platz.

Und dann geht es wieder nach unten
Oben auf 143 Metern ist die Aussicht atemberaubend. Doch irgendwann muss man wieder hinunter. Also zurück zur Leiter. Noch einmal 30 Meter Sprosse für Sprosse. Was bleibt? Ein Abenteuer, ordentlich Respekt vor der Höhe – und die Erkenntnis, dass Energiewende manchmal auch bedeutet, selbst den ersten Schritt nach oben zu wagen. 143 Meter Höhe, 30 Meter Leiter und 3,2 Megawatt Windkraft: So hautnah erlebt man erneuerbare Energie nicht alle Tage.

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