„Krone“-Kolumne

Wer jetzt mich sieht, wird weinen“

Kolumnen
13.08.2026 06:45

„Wer einst mich sah, der hat geweint. Wer jetzt mich sieht, wird weinen.“ Wie ein böses Omen klingt diese Inschrift aus dem Jahr 1874. Sie ist auf einen sogenannten Hungerstein in der Elbe bei Tichlowitz gemeißelt – und sorgte bei der Bevölkerung tatsächlich für Angst und Schrecken. Denn die Hungersteine galten als Vorboten einer Katastrophe. Wenn die Flüsse sie bei niedrigsten Wasserständen preisgaben, drohten infolge der Dürre verheerende Hungersnöte.

Jetzt sind sie wieder sichtbar, in der Elbe und im Rhein. Europas meistgenutzte Wasserstraße ist mancherorts sogar auf historische Tiefstwerte im einstelligen Zentimeterbereich geschrumpft.

Auch die Donau, die erst vor zwei Jahren bewies, welche Naturgewalt sie sein kann, hat sich in das Gegenteil verkehrt: Aus dem stolzen Strom ist ein träges Flüsschen geworden, das seine Schiffe immer weniger zu tragen vermag – und auch Zeugen seiner bewegten Geschichte ans Tageslicht bringt. Mammutknochen, Nazi-Schiffswracks, tote Wehrmachtssoldaten mit ihrem Motorrad, Minen . . .

Der Rhein gab übrigens noch etwas frei, wie die „Welt“ berichtete: einen alten Text in einer Plastikbox – die Schlussdeklaration der ersten Weltklimakonferenz von 1979 in Genf. Sie enthält die Warnung vor den Folgen eines sich drastisch ändernden Klimas und den Aufruf, dass die Menschheit dringend etwas unternehmen müsse. Ein Fund, der wie ein drohender Hungerstein unserer Zeit wirkt. „Wer mich jetzt sieht, wird weinen“ . . .

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