„Krone“-Kolumne

Kleiner Weltuntergang zum Gruseln

Kolumnen
12.08.2026 06:45

Im alten China glaubte man, ein Drache verschlinge die Sonne. In südamerikanischen Kulturen war es ein gefräßiger Puma, und die nordische Mythologie erzählt von einem Wolf, der die Sonne jagt (und später Inspiration für Rotkäppchens bösen Wolf gewesen sein soll).

Seit Jahrtausenden deuteten die Menschen Sonnenfinsternisse als ein göttliches Zeichen, eines, das von Kriegen, Seuchen, Hungersnöten und viel Unheilvollem mehr kündete. Kein Wunder, dass die Dunkelheit am Tage für Angst und Schrecken sorgte. 

Kaiser Ludwig der Fromme soll von ihr gar so erschüttert gewesen sein, dass er kurz darauf starb. Er litt, ehrlich gesagt, bereits an einer schweren Erkrankung. Das hielt seine Zeitgenossen jedoch nicht ab, dem düsteren Naturphänomen die Schuld zuzuschieben. 

Auch heute noch, wenn über Europa die erste totale Sonnenfinsternis (und bei uns immerhin stärkste partielle) seit 1999 sichtbar sein wird, beflügelt dies nach wie vor die Fantasie von Esoterikern, Verschwörungsanhängern und Apokalypse-Propheten. Zugegebenermaßen haben die es zurzeit zwar ohnehin nicht schwer, die Gemüter ihrer Anhänger zu erhitzen. Und doch ist es faszinierend, wie diesem machtvollen Himmelsschauspiel immer noch ein „kleiner Weltuntergang zum Gruseln“ innewohnt, wie es ein deutscher Psychologe dieser Tage treffend formulierte.

Aber wenn man schon ein Omen in dieser Sonnenfinsternis sehen will, dann sollte man sich an eine ihrer berühmtesten Vorgängerinnen halten: Als sich am 28. Mai 585 während einer Schlacht zwischen den Lydern und Medern der Tag plötzlich verdunkelte, da erschraken die Soldaten so sehr, dass sie ihre Waffen niederlegten – und Frieden schlossen.

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