Was sich ändern wird

Pig schließt höhere ORF-Haushaltsabgabe nicht aus

Innenpolitik
12.08.2026 11:26

Der Österreichische Rundfunk (ORF) wird im kommenden Jahr ein neues Führungsteam haben. Dieses steht unter anderem vor der Herausforderung, ungefähr 93 Millionen Euro pro Jahr einsparen zu müssen. Denkbar seien eine höhere Haushaltsabgabe und Kündigungen, sagte Generaldirektor Clemens Pig am Dienstagabend in der ZiB 2.

Seit März habe es permanente Veränderungen und Skandale beim ORF gegeben, blickte er zurück. Das sei Teil des Imageproblems, dem man nun mit „sauberer und nachvollziehbarer“ Arbeit entgegentreten wolle. Der Prozess der Bestellung der Direktorinnen und Direktoren sei „noch nie so transparent und objektiv“ gewesen wie diesmal, sagte Pig. Er habe unabhängige Beraterinnen und Berater an Bord geholt, die gemeinsam mit ihm die Bewerbungen gesichtet und Gespräche geführt hätten. Wie berichtet, werden Michael Krön (Programm/Brands), Angelika Simma-Wallinger (Audience/Plattformen), Silvia Lieb (Finanzen/Verwaltung) und Harald Kräuter (Technik/Innovation) ab dem kommenden Jahr im ORF-Direktorium tätig sein. Zudem wurden neun Leiterinnen und Leiter der Landesdirektionen in den Bundesländern bestellt.

Gemeinsam werde man den ORF von der Politik emanzipieren und von Skandalen befreien, kündigte der Generaldirektor am Dienstagabend an. So trat sein Vorgänger Roland Weißmann beispielsweise nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung zurück. Im ZiB 2-Interview wurden die Vorwürfe der Nötigung gegen den Vorsitzenden des Stiftungsrats, Heinz Lederer, angesprochen. Zwischen einem „begründeten Anfangsverdacht“ und einem „eigentlichen Gerichtsverfahren“ würden „aber noch einige Kilometer Autobahn“ liegen, gab Pig zu bedenken. Was den Stiftungsrat im Engeren betrifft, sei gar nicht seine Einflusssphäre. Es sei aber auf das Schärfste abzulehnen, sich etwas für den persönlichen Vorteil herauszunehmen.

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Zwischen einem begründeten Anfangsverdacht und einem eigentlichen Gerichtsverfahren liegen noch einige Kilometer Autobahn.

ORF-Generaldirektor Clemenes Pig

„Politisches Geschäft der FPÖ, auf Organisationen hinzuhauen“
Der Kritik von ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler, der ihn mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un verglichen hatte, entgegnete Pig, dass es zum politischen Geschäft der FPÖ gehöre, auf bestimmte Organisationen wie den ORF oft hinzuhauen.

Eine Herausforderung für das neue Direktorium werden die Einsparungen von etwa 93 Millionen Euro jährlich sein. Im kommenden Jahr werde es sich noch ausgehen, aber „ab 2028 ist Feuer am Dach“. Der Gürtel könne immer etwas enger gestellt werden, aber das Medienunternehmen habe auch einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, der unter anderem viele verschiedene Programminhalte beinhalte. Pig schloss auf Nachfrage weder betriebsbedingte Kündigungen noch eine höhere Haushaltsabgabe aus. Auf eine konkrete Zahl wollte er sich bei beidem nicht festlegen. Aktuell beträgt die Haushaltsabgabe, die die bisherige GIS-Gebühr ersetzt, mindestens 15,30 Euro pro Monat und Haushalt. Je nach dem Bundesland kommt noch eine Länderabgabe hinzu.

Mehr Coolnessfaktor nötig
Man müsse zu den Einsparungen Rückfragen an die Politik und den Verfassungsgerichtshof stellen. Ingrid Thurnher, die den ORF interimistisch leitete, hat bereits eine Verfassungsbeschwerde angekündigt.

Zu der Frage, was sich inhaltlich unter seiner Führung ändern soll, hielt Pig fest, dass man Aufholbedarf bei der Verjüngung des Publikums habe, und sozusagen „mehr Coolnessfaktor“ brauche, um mehr junge Menschen zu erreichen.

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