Amstetten

Nach Schweinedrama wächst Kritik an Kontrollen

Tierecke
12.08.2026 11:14

Nach dem schockierenden Fall von hunderten toten Schweinen in Niederösterreich, über den die „Krone“ vergangene Woche exklusiv berichtete, sind seitens der Behörden weitere Details veröffentlicht worden.

Dass in einem Mastbetrieb im Bezirk Amstetten 400 tote Schweine gefunden wurden, war bereits bekannt. 88 Tiere konnten lebend geborgen werden. Das Erschütternde an den aktuellen Behördenangaben ist der Fehlbestand! Die Auswertung der Betriebslisten ergab, dass rund 1000 weitere Schweine fehlen. Kannibalismus unter den Schweinen wird von der Polizei nicht ausgeschlossen.

Bereits im Vorjahr waren auf dem Hof rund 150 Schweine nach einem Lüftungsausfall erstickt, bestätigte Niederösterreichs Landesveterinärdirektorin Christina Riedl. Nach dem aktuellen Fund der 400 verendeten Borstentiere Ende Juli wird der überforderte Landwirt, der den Hof allein geführt hatte, wegen Tierquälerei angezeigt. Der Betrieb wurde geschlossen.

Reaktionen auf schockierende Details
Niederösterreichs Tierschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz fordert mit Nachdruck eine gesetzliche Änderung, damit künftig bei solchen Fällen sofort ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden kann, ohne ein Gerichtsverfahren abzuwarten. Der Grüne Tierschutzsprecher Dominic Hörlezeder sieht zudem Bedarf an einem engmaschigeren Frühwarnsystem sowie an niederschwelligen Anlaufstellen für Landwirte in psychischen Krisen.

Mahnwache und Kundgebung
Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) übt scharfe Kritik an dem Fall und hält am Donnerstag, 13. August, eine Trauerkundgebung ab. Anschließend folgt eine Demonstration vor der Bezirkshauptmannschaft Amstetten. Informationen dazu finden Sie hier.

Kritik am Kontrollsystem
Die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe Lochen sieht die eigentliche Ursache des Falls im behördlichen Kontrollsystem selbst. Sprecher der Pfotenhilfe, Jürgen Stadler, verweist darauf, dass Behörden bei Verdacht auf Tierquälerei laut Bundestierschutzgesetz auch ohne richterlichen Beschluss Zutritt zu einem Betrieb verschaffen dürften, dieses Recht aber selten genutzt werde.

Zudem zeige ein Rechnungshofbericht aus 2024, dass selbst die vorgeschriebene Kontrollquote von zwei Prozent der Betriebe nicht erreicht wird. Rechnerisch bedeute das, ein Betrieb werde im Schnitt nur etwa alle 63 Jahre kontrolliert. Die Pfotenhilfe fordert ein grundlegend neues Haltungs- und Kontrollsystem.

Der Landwirt des Schweinemastbetriebs in Niederösterreich gilt immer noch als nicht vernehmungsfähig. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft St. Pölten laufen weiter. Ob die geforderte Gesetzesänderung tatsächlich kommt, ist offen. Der Fall dürfte die Debatte um die Kontrolldichte in der Schweinehaltung aber weiter befeuern.

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