Nach einem Legionellen-Ausbruch mit über 40 Erkrankten im Raum Bregenz im Winter 2024/25 müssen sich kommende Woche drei Personen vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten.
Den Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie für die mangelnde Wartung eines Kühlturms in einem Unternehmen in Wolfurt verantwortlich waren. Genau dieser Kühlturm war nach wochenlanger Suche als Quelle für einen der größten Legionellenausbrüche in der Geschichte Österreichs ausgemacht worden, am Ende wurde über 40 erkrankte Personen gezählt. Die Angeklagten hätten durch ihre Fahrlässigkeit eine Gefahr für Leib und Leben einer größeren Zahl von Menschen herbeigeführt, heißt es im Strafantrag.
Kaum Kontrollen, lasche Anordnungen
Vor Gericht stehen der für den Betrieb und die Wartung der Verdunstungsrückkühlanlage zuständige Geschäftsführer und ein für die Reinigung und Wartung verantwortlicher Mitarbeiter. Ihnen wird vorgeworfen, von 2022 bis Anfang 2025 „keine ausreichende laufende Biozid-Dosierung und keine regelmäßige Legionellen-Beprobung des Wassers des Kühlturms“ durchgeführt zu haben. Ebenfalls verantworten muss sich der Mitarbeiter eines Monitoring-Unternehmens, weil er „nicht ausreichend auf die Notwendigkeit einer laufenden Biozid-Dosierung des Wassers des Kühlturms und regelmäßige Testungen auf Legionellen“ hingewiesen haben soll. Weiters heißt es in der Anklageschrift: „Massive Verunreinigungen in Form von Verschlammungen“ seien nicht in ausreichendem Maße dokumentiert und moniert worden.
Staatsanwaltschaft will Verbandsgeldbuße
Die Anklage sieht außerdem eine vorsätzliche Beeinträchtigung der Umwelt. Gegen das Betreiberunternehmen beantragte die Staatsanwaltschaft folglich eine saftige Verbandsgeldbuße. Die Urteile könnten durchaus happig ausfallen: Im Strafgesetzbuch ist für den Tatbestand der fahrlässigen Gemeingefährdung eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen möglich. Hat die Tat – wie in diesem Fall angeklagt – „schwere Körperverletzungen einer größeren Zahl von Menschen“ zur Folge, reicht der Rahmen bis zu drei Jahren Haft. Die Verhandlung am LG Feldkirch ist von 9 Uhr bis 18 Uhr angesetzt.

Einer der größten Legionellen-Ausbrüche
Der damalige Legionellenausbruch gilt als einer der größten in Österreich überhaupt. Die Behörden hatten zum Jahreswechsel 2024/2025 infolge der ungewöhnlichen Häufung von Erkrankungen wochenlang nach der Ursache gesucht. Über 300 Tests wurden durchgeführt, Wetterdaten analysiert, Erkrankte nach ihren Aufenthaltsorten befragt. Betroffene entwickelten teils schwere Lungenentzündungen, 42 Personen mussten im Spital behandelt werden, zehn davon auf einer Intensivstation, wie dem Bericht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zu entnehmen ist.
Infektion mit Legionellen ist potenziell tödlich
Als wahrscheinlichste Ursache stellte sich am Ende der Kühlturm des Wolfurter Unternehmens heraus, weil in dessen Windkegel die meisten Fälle aufgetreten waren. Nach seiner Stilllegung kam es zu keinen Infektionen mehr. Legionellen sind per Tröpfchen übertragbare Bakterien, die beim Menschen unter anderem schwere Lungenentzündungen hervorrufen können. Sie sind grundsätzlich mit Antibiotika behandelbar, für geschwächte Personen kann eine Infektion aber tödlich enden. Die Inkubationszeit der Legionärskrankheit beträgt zwei bis zehn Tage.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.