Bus und Bahn im Ländle

Ärger über neue Tarife: Verantwortliche beruhigen

Vorarlberg
10.08.2026 19:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Zu kompliziert, zu teuer – die Kritik an den neuen Öffi-Tarifen in Vorarlberg reißt nicht ab. Beim Vorarlberger Verkehrsverbund gibt man sich derweil gelassen: Es sei ganz normal, dass eine Umstellung nicht von einem Tag auf den anderen angenommen werde.

Gerd Probst kann man sicher nicht nachsagen, dass er von dem, was er tut, keine Ahnung hätte. Der Mann gilt als einer der führenden Tarifexperten für den Öffentlichen Verkehr in Europa, mit seinem Unternehmen „Probst & Consorten“ war er maßgeblich bei der Einführung neuer Tarifstrukturen unter anderem in München, Zürich, Berlin und Westfalen beteiligt. Oder anders formuliert: Er hat sie gemeinsam mit seinem Team ersonnen.

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Die wenigen, die jetzt mehr bezahlen müssen, schreien laut auf. Die vielen anderen, die zufrieden sind, schweigen.

Gerd Probst, Tarifexperte

Auch der Vorarlberger Verkehrsverbund hat auf seine Expertise gebaut – und muss sich jetzt so einiges anhören. Kunden schimpfen über exorbitante Preiserhöhungen bei einzelnen Routen und geißeln das neue System als viel zu kompliziert, Busfahrer klagen über eine Beschwerdeflut, ehemalige Verkehrsplaner orten eine regelrechte Steilvorlage fürs Schwarzfahren – und Teile der Opposition fordern sogar schon ein „Zurück zum Start“.

„Es gibt immer Gewinner und Verlierer“
Ist die neue Tarifwelt also ein Schuss in den Ofen, haben sich der VVV und Probst „verplant“? Letzterer kann darüber nur milde lächeln. Bei einem Videocall gemeinsam mit VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand nahm er sich am Montagvormittag gut eine Stunde Zeit, um den eingeladenen Journalisten seine Sicht der Dinge und die Hintergründe der neuen Tarifstruktur darzulegen. Zunächst einmal sei es völlig normal, dass ein neues System Kritik hervorrufe: „Das macht man ja nur alle zehn Jahren. Es braucht seine Zeit, bis sich die Fahrgäste daran gewöhnt haben – dann werden sie auch erkennen, dass es einfacher geworden ist. Und natürlich gibt es bei einer Umstellung immer Gewinner und Verlierer.“

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Wenn wir die vom Land vorgegebenen Mobilitätsziele erreichen wollen, müssen wir aus Gelegenheitsfahrern Stammkunden machen.

Christian Hillbrand, VVV-Geschäftsführer

Vorgabe: Kein zusätzliches Steuergeld
Zudem sei die öffentliche Wahrnehmung verzehrt: „Die wenigen, die jetzt mehr bezahlen müssen, schreien laut auf. Die vielen anderen, die zufrieden sind, schweigen.“ Probst betont, dass man mit dem Modell zwei Ziele verfolgt habe – das System zu vereinfachen und für Gelegenheitsfahrer Anreize zu setzen, damit diese die Öffis öfter nutzen. Eine Grundbedingung war, dass der Steuerzahler nicht noch stärker zur Kasse gebeten wird: „Der Steuerzahler finanziert ohnehin schon mehr als die Hälfte – in Zeiten leerer öffentlicher Kassen ist einfach nicht mehr drin.“ Auf Basis der vom VVV zur Verfügung gestellten Zahlen und Fakten – „Wir hatten selten ein Projekt, bei welchem die Datengrundlage derart gut wahr“ – habe man das bestmögliche Modell entwickelt.

Ziel: 17 Prozent aller Wege sollen auf Öffis entfallen
VVV-Geschäftsführer Hillbrand verwies zudem auf Notwendigkeit, noch mehr Menschen in die Öffis zu lotsen: „Das Land Vorarlberg hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 weniger als die Hälfte aller Wege mit dem Auto zurückgelegt werden. Zieht man die Alltagsstrecken, die mit dem Rad oder zu Fuß bewältigt werden, ab, muss der Öffentliche Verkehr 17 Prozent aller Wege abdecken, um dieses Ziel zu erreichen. Derzeit sind es 15 Prozent.“

Preis-Leistungs-Verhältnis ist top
Hillbrand und Probst sind jedenfalls zuversichtlich, dass die Geburtsschmerzen bald abklingen und die Vorteile des neuen Systems sichtbar werden. Im Grunde ist es ja ganz einfach: Vorarlberg hat das nach Wien dichteste Öffi-Netz aller Bundesländer. Dazu gibt es mit Jahresticket ein Produkt, das in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis keinen Vergleich in Mitteleuropa scheuen muss. Wer wirklich Geld sparen will, sollte sich einfach ein „KlimaTicket VMOBIL maximo“ zulegen und so oft wie möglich mit Bus und Bahn fahren. Über 92.000 Vorarlberger und Vorarlbergerinnen machen das bereits – und von denen klagt niemand über das neue Tarifsystem.

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