Schwelgen in Orchesterklängen war am Montagabend beim dritten Orchesterkonzert der Bregenzer Festspiele angesagt. Es gab Neues, aber auch viel Vertrautes zu hören.
Die französische Musik ist oft eigene Wege gegangen. Besonders die „Instrumentationslehre“ von Hector Berlioz von 1844 übt bei den französischen Komponisten – und nicht nur bei diesen – bis heute einen großen Einfluss aus. Eine große Besetzung des Orchesters und farbenreiche, oft überraschende Kombinationen der Instrumente sind charakteristisch.
Einer der Vertreter dieser großen Kunst ist Maurice Ravel, der im Mittelpunkt des Orchesterkonzertes stand, das die Wiener Symphoniker – das Festspielorchester in Bregenz seit Anbeginn – unter ihrem Chefdirigenten Petr Popelka am Montagabend im ausverkauften Festspielhaus gaben. Das Orchester zeigte sich in Hochform, und Dirigent Petr Popelka beeindruckte mit eleganten, lebhaften und dabei nie übertriebenen, klaren Gesten. Die Konzertsuite „Daphnis et Chloé“, die Suite Nr. 2 nach der gleichnamigen Ballettmusik, eröffnete das Programm. Vom „Lever du jour“, einem Sonnenaufgang also, über das Glück verheißende Flötensolo des Mittelteils bis zur abschließenden orgiastischen Festmusik gelang dem Orchester und seinem Dirigenten ein mitreißendes Klangbild der antiken Liebesgeschichte.
Österreichische Erstaufführung
Nicht sehr viel weniger Orchesterinstrumente fordert der 1977 geborene Bernd Richard Deutsch für sein Stück „Intensity“. Die Musik des Niederösterreichers wird international aufgeführt, so hatte „Intensity“ seine Uraufführung 2019 mit dem Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst. Bei der österreichischen Erstaufführung in Bregenz konnte das Publikum auch bei diesem Werk eine farbenreiche Instrumentation genießen. Schöne Soli, etwa für die Pauke oder die Konzertmeisterin boten Haltepunkte im Klangrausch, und ziemlich keck klangen die Einwürfe des Xylophons. Hatte Bernd Richard Deutsch seinem Werk einen Akkord aus Modest Mussorgski „Bilder einer Ausstellung“ zugrunde gelegt, so ist dieses bekannte Stück auch verbunden mit Maurice Ravel. Dieser nämlich hat das ursprünglich nur für Klavier gesetzte Stück instrumentiert, und das selbstverständlich meisterhaft.
Ebenso spielten es die Wiener Symphoniker, und auch hier bewunderte man das Dirigat Petr Popelkas. Dem Orchester sorgsam zugewandt, drückte sein ganzer Körper die Musik aus. Und bei feinen Passagen wie der mit den spielenden Kindern in den Tuilerien tanzten seine Fingerspitzen. Die Bayerische Staatsoper München, wo Popelka ab 1929 Musikchef wird, darf sich auf ihn freuen.
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