Leistungsdruck steigt

Industrie würde gerne zwei Feiertage streichen

Innenpolitik
14.08.2026 19:55

Mit 13 gesetzlichen Feiertagen liegt Österreich im Spitzenfeld. Nur Spanien und Portugal sind mit 14 Tagen vor uns. In Deutschland gibt es bundesweit überhaupt nur neun Feiertage. Der Präsident der IV-Niederösterreich, Kari Ochsner, sieht darin einen klaren Wettbewerbsnachteil für Österreich und spricht sich – just zum Feiertag am Samstag – für eine Reduktion aus. Aus der Wirtschaft kam zuletzt auch die Forderung nach Sonntagsöffnungen.

„Krone“: Es gibt immer wieder Diskussionen, dass es in Österreich zu viele Feiertage gibt. Wie sehen Sie das? 
Kari Ochsner: Österreich ist eine Exportnation. Wenn wir am internationalen Markt erfolgreich sein wollen, dann müssen wir konkurrenzfähig produzieren können. Dabei fallen mir mehrere Dinge ein: die Lohnnebenkosten, die Energiekosten, die Bürokratie und die Jahresarbeitstage. Wenn man die Jahresarbeitstage in Österreich international vergleicht, sind wir sehr weit hinten. Eine Möglichkeit, das zu ändern, wäre es, die Wochenarbeitszeit zu erhöhen. Ich habe das schon einmal vorgeschlagen. Wenn wir eine 41-Stunden-Woche hätten, würde das den meisten Leuten nicht einmal auffallen. Wir könnten auch den ein oder anderen Feiertag einfach streichen.

Kari Ochsner wird mit seinen Aussagen einige in Aufregung versetzen.
Kari Ochsner wird mit seinen Aussagen einige in Aufregung versetzen.(Bild: IV NÖ/Marius Hoefinger)
Wirtschaft macht Druck
Neue WKW-Chefin pocht auf Sonntagsöffnung

Die neue Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Margarete Kriz-Zwittkovits, formulierte als erst Forderung in ihrem neuen Amt, dass Geschäfte in Tourismuszonen auch am Sonntag aufsperren dürfen.

„Also, ich werde mich sicherlich weiter für die Tourismuszonen einsetzen.“ Offene Geschäfte am Sonntag oder am Feiertag würden wohl dazu beitragen, dass mehr Wertschöpfung lukriert werde. Wo diese Zonen liegen könnten, dafür seien in der Kammer schon Kriterien erarbeitet worden – etwa mit Berücksichtigung von Sehenswürdigkeiten und Tourismusströmen. Immer wieder im Gespräch ist hier der 1. Wiener Gemeindebezirk.

Die Konsequenz einer Zonierung wäre, dass Geschäfte, die außerhalb der Grenze liegen, nicht aufsperren dürfen. „Das wird so sein, aber es wäre der erste Schritt, bevor wir über weitere Liberalisierung sprechen“, sagt die Kammerchefin – die selbst aus dem Handel kommt. Die Kritik an der Gewerkschaft versteht sie hier nicht. „Die ist mir schon unverständlich, weil es ja bereits Reglements gibt für Sonntagsarbeit. Es ist ja nicht so, dass das jetzt neu erfunden werden muss.“

Wie schwierig ist die Wehrpflichtverlängerung für die Industrie?
Nachdem das Bundesheer über Jahrzehnte an die Wand gespart wurde, braucht es jetzt Investitionen und wir brauchen auch eine funktionierende Miliz. Verpflichtende Milizübungen sind natürlich eine Belastung für die Unternehmen, auch für meines. Aber als Staatsbürger bin ich der Meinung, dass es übergeordnete Interessen gibt. Sicherheit und die Verteidigung des eigenen Landes und der Neutralität haben für mich eine sehr hohe Priorität, wenn nicht die höchste. Europa muss endlich aufwachen und verstehen, dass wir für unsere Verteidigung selbst sorgen müssen. Wir dürfen uns nicht abhängig machen von anderen und glauben, dass sie unsere Verteidigung übernehmen. Wir müssen als Österreich in der Lage sein, unsere Neutralität auch im Ernstfall zu schützen.

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Wenn ich heute am Wochenende in ein Krankenhaus gehe, sitzen dort viele wegen einer Kopfwehtablette oder wegen eines Pflasters.

Kari Ochsner

Wie sind Sie bis jetzt mit der Regierung zufrieden?
Man muss hier einen realistischen Zugang haben. Diese Regierung war alternativlos, weil die FPÖ gar nicht regieren wollte. Es ist in einer Dreierkonstellation mit sehr unterschiedlichen Interessen alles andere als einfach. Das muss man zum Schutz der Politiker sagen.

Gibt es ein großes „Aber“?
Ja, das gibt es. Ich vermisse die echten Reformen. Beispiel Pensionssystem: Jeder weiß, dass sich das nicht ausgehen kann. Wenn wir alle gesund älter werden, Gott sei Dank, können wir nicht glauben, dass wir nicht auch etwas länger im Erwerbsleben bleiben müssen. Zweites Thema Sozialreform: Natürlich müssen wir den Schwachen helfen. Das ist keine Frage. Aber wer nicht will, kann auch deutlich weniger bekommen. Das Dritte ist das Thema Gesundheit. Hier muss man aufpassen, dass das System nicht ausgenützt wird. Wenn ich heute am Wochenende in ein Krankenhaus gehe, sitzen dort viele wegen einer Kopfwehtablette oder wegen eines Pflasters. Das ist jetzt natürlich plakativ gesagt, aber ein Selbstbehalt von etwa 25 Euro würde Sinn machen. Auch hier kann man die Schwache ausnehmen, aber ich muss beginnen, gewisse Dinge auch zu steuern.

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