Am Küniglberg ist es zu einem Paukenschlag gekommen: Peter Schöber ist nicht mehr Chef von ORF 3. Er wurde am Mittwoch von seinem Posten abberufen und beurlaubt. Als Grund werden Compliance-Vorwürfe genannt.
Wie ORF-Chefin Ingrid Thurnher den Stiftungsräten mitteilte, sei man in einer Untersuchung zum Ergebnis gekommen, dass Schöber in vielerlei Hinsicht Verhaltensweisen gezeigt habe, die mit der Funktion einer Führungskraft im ORF nicht vereinbar seien.
Weitere Details der Compliance-Untersuchung könne der ORF aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht kommentieren.
Die Prüfung kommt zum Ergebnis, dass in vielfacher Hinsicht Verhaltensweisen gezeigt wurden, die mit einer Führungskraftfunktion im ORF nicht vereinbar sind.
Aus dem Bericht der ORF-Compliance-Stelle
In dem Schreiben von Thurnher heißt es weiter, sie habe Schöber „mit dem heutigen Tag von seiner Funktion als Co-Geschäftsführer von ORF 3 abberufen und beurlaubt“. Die alleinige Geschäftsführung obliegt nun bis auf Weiteres Kathrin Zierhut-Kunz. In einem nächsten Schritt soll geklärt werden, wie Schöbers Dienstverhältnis mit dem Österreichischen Rundfunk aufgelöst werden soll.
Schöber seit Jänner auf „Bewährung“
Schöber war bereits seit Jänner aufgrund teilweise „problematischen Führungsverhaltens“ de facto entmachtet und quasi auf Bewährung gewesen, nachdem bei der im Sommer 2025 eingerichteten Whistleblower-Stelle für anonyme Hinweise Beschwerden eingegangen und Ermittlungen aufgenommen worden waren.
Dutzende Mitarbeiter hatten damals als Zeugen zum System Schober ausgesagt und von teils schockierenden Aussagen in internen Sitzungen berichtet. Es sei ein Klima der Angst entstanden, das dazu geführt hatte, dass zahlreiche Mitarbeiter ORF 3 verlassen hätten.
Schöber mit Antrag im Frühjahr abgeblitzt
Schöber, dem verbale Entgleisungen, Mobbing und Interventionen vorgeworfen wurden, hatte im Frühjahr mittels Antrag auf eine einstweilige Verfügung beim Arbeits- und Sozialgericht Wien zu verhindern versucht, dass der Stiftungsrat den Compliance-Bericht einsieht, womit er keinen Erfolg hatte. Die Gefahr allein, dass Verschwiegenheitspflichten verletzt werden könnten, würde keinen Anspruch auf Unterlassung der Offenlegung begründen.
Auch Böhm und Strobl über Compliance-Vorwürfe gestolpert
Wegen Compliance-Vorwürfen waren zuvor auch schon Manager Pius Strobl sowie Oliver Böhm als ORF-Enterprise-Chef freigestellt worden. Auch der damalige ORF-Chef Roland Weißmann trat Anfang März 2026 von seinem Posten zurück. Gegen ihn waren Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegenüber einer Mitarbeiterin erhoben worden.
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