Teilzeitarbeit & Co.:

Darum erhalten Männer viel mehr Pension als Frauen

Wirtschaft
05.08.2026 10:39

Der „Equal Pension Day“ fällt heuer auf den 9. August. Was dramatisch klingt, ist einfache Statistik: Ab diesem Tag haben Männer in Österreich bereits jene Pensionssumme erreicht, die Frauen im ganzen Jahr erhalten - rechnerisch bekommen Pensionistinnen also bis Jahresende keine Pension mehr. Der Grund: die geschlechtsspezifische Pensionslücke von 39,4 Prozent.

Österreich ist damit im EU-Vergleich trauriger Spitzenreiter - nur Malta weist mit 40,3 Prozent eine noch größere Lücke auf. Die durchschnittliche Alterspension von Frauen beträgt 1614 Euro brutto monatlich, jene von Männern liegt bei 2664 Euro. Das sind mehr als 1000 Euro Unterschied pro Monat.

Die Hauptgründe: Teilzeit, Branchenwahl und Unterbrechungen
Die Pensionslücke ist kein Phänomen, das erst im Alter entsteht – sie zieht sich durch das gesamte Erwerbsleben. Die zentralen Ursachen:

Teilzeit-Falle: Österreich hat eine der höchsten Teilzeitquoten Europas. Mehr als 70 Prozent der berufstätigen Mütter mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten nur Teilzeit, bei den Vätern sind es nur rund sieben Prozent. Wer ein Arbeitsleben lang halbtags arbeitet, erwirbt nur die Hälfte der Pensionsgutschriften. Jedes Jahr Halbtagsarbeit kostet rund ein Prozent der späteren Pension, jedes Jahr Erwerbspause verringert sie sogar um zwei Prozent.

Laut Eurostat (rechnet etwas anders) liegt die Pensionslücke bei 35 Prozent. Österreich ist ...
Laut Eurostat (rechnet etwas anders) liegt die Pensionslücke bei 35 Prozent. Österreich ist damit trauriger Vize-Europameister.(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Lohnlücke: Der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen erwerbstätigen Frauen und Männern, lag zuletzt bei 17,6 Prozent – Frauen verdienen pro Stunde also um knapp 18 Prozent weniger als Männer. Diese Differenz zieht sich eins zu eins durch bis zur Pensionshöhe.

Branchenwahl: Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in schlechter zahlenden Branchen wie Handel, Gastronomie oder Pflege. Männer sind dagegen im Vergleich häufiger in technischen Berufen tätig, die besser bezahlt werden.

Erwerbsunterbrechungen: Frauen haben durchschnittlich 8,4 Jahre Erwerbslücken, Männer nur 5,6 Jahre. Zwölf Jahre nach der Geburt eines Kindes liegt das Einkommen von Frauen noch immer zehn Prozent unter dem Niveau vor der Geburt – während Männer im selben Zeitraum ein Plus von 16 Prozent verzeichnen.

AK-Präsidentin Renate Anderl fordert die bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten auf die ...
AK-Präsidentin Renate Anderl fordert die bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten auf die Pension.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Altersarmut ist weiblich
Die finanziellen Folgen sind dramatisch: Die durchschnittliche Frauenpension liegt knapp 70 Euro unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1827 Euro für Ein-Personen-Haushalte. Männer hingegen liegen rund 743 Euro darüber. 28 Prozent der alleinstehenden Pensionistinnen sind armutsgefährdet, bei Männern sind es nur 14 Prozent.

Die Ungleichheit zeigt sich auch im Alltag: Pensionistinnen müssen neun Prozent mehr ausgeben, als ihr Einkommen hergibt – sie müssen auf Ersparnisse zurückgreifen oder Ausgaben aufschieben. Besonders hart trifft es alleinlebende Mieterinnen: Sie geben 30 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus, männliche Mieter nur 23 Prozent.

Was gefordert wird
Arbeiterkammer und Momentum Institut fordern unter anderem bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten (acht statt vier Jahre), flächendeckende Kinderbetreuung, echte Lohntransparenz sowie ein Bonus-Malus-System gegen Altersdiskriminierung in Betrieben. Die AK lehnt eine weitere Anhebung des Pensionsantrittsalters ab – mit Verweis auf die hohe Arbeitslosigkeit älterer Frauen. Wer mit über 60 den Job verliert, findet kaum wieder eine Anstellung, warnt die AK.

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