„¡Marruecos no! (Nicht nach Marokko!)“, fleht ein zwölfjähriger Junge in einem Video am Strand von Ceuta die spanischen Sicherheitskräfte an – immer noch zitternd von der lebensgefährlichen Überfahrt. Ein Kind, das alleine sein viel zu junges Leben riskiert, weil sogar eine ungewisse Zukunft besser erscheint als die in der Heimat.
Für Einzelschicksale wie dieses war in der allgemeinen Berichterstattung wenig Platz, zu schockierend war das große Ganze, diese Bilder der „Migrantenflut“, die Europa wohl nachhaltig erschüttern werden. Weil seit 2015 klar ist, dass wir es eben nicht schaffen, schon gar nicht so unkontrolliert, und weil kaum ein Thema die Gesellschaft mehr spaltet.
Erschütternd ist aber auch, wie die Sprache in dieser Debatte alles Menschliche verliert. Da ist die Rede von Invasion, Angriff oder von Migranten, die als Waffe eingesetzt werden. Tote, Verletzte und Hoffnungslose werden so pauschal zu „Tätern“ gemacht, deren Schicksal kaum noch zählt – auch nicht das eines verzweifelten Kinds am Strand. Sie werden zum Feind erklärt, zu einer „historischen Bedrohung“ für unsere Demokratie und Werte.
Diese gilt es zweifelsohne zu verteidigen. Sie gründen auf humanistischen Idealen, auf Menschenrechten, Würde und Freiheit. Werte, die selbstverständlich jeder, der bei uns lebt und leben will, achten muss. Die man allerdings auch vor jenen schützen muss, die mit einer Politik der Angst, mit Feindbildern und Entmenschlichung ihre Wahlkampfmaschinerie schmieren.
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