Falsche Hoffnungen. Er war sicher spektakulärer, der Festakt zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2025 als jener gestern. Damals, vor einem Jahr, hatten pro-palästinensische Aktivisten lauthals gestört. Diesmal verlief der Akt störungsfrei, die weißrussische Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava berührte mit ihrer Festrede, der Bundespräsident sprach einmal mehr über die Bedeutung der Kompromissfähigkeit – und mahnte auch mehr Klimaschutz ein. Mit nachvollziehbarer Begründung – nachdem er zuvor über die Bedeutung von Heimat referiert, hatte: „Die schönste Heimat wird unbewohnbar ab 40 Grad Celsius.“ Zum aktuellen Geschehen, zum nicht zuletzt durch die aufgedeckte Causa Ruck aufbrechenden Filz blieb der Präsident stumm. Es waren falsche Hoffnungen, er würde sich zu Korruption und Filz wie einst Rudolf Kirchschläger, einer seiner Vorgänger, mit einem griffigen Appell wie dessen „saure Wiesen trockenlegen“ zu Wort melden, blieben unerfüllt.
Wer hat das Sagen? Gedanken zur österreichischen Politik macht sich nach den Festspielreden auch Claus Pándi in seinem Kommentar in der heutigen „Krone“. Er bezieht sich dabei auf die Rede der Salzburger ÖVP-Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, die, wie er findet, „klug austariert und mit viel Feingefühl über Putins bestialischen Feldzug gegen die Ukraine sprach“. Völlig anders habe dagegen Claudia Bauer, Parteikollegin Edtstadlers, tags zuvor geklungen. Pándi schreibt: „In ihrer Funktion, man will es kaum glauben, als Europaministerin, beklagte sie in einem bereits dem Tausendsassa Sebastian Kurz gewogenen deutschen Blatt einen angeblichen, Turbobeitritt´ der Ukraine zur EU.“ Dabei sei in Wirklichkeit davon nirgendwo die Rede. „Als Drachentöterin ohne Drachen weit und breit wird man so zur siegreichen Heldin“, meint unser Autor, der auch darauf verweist, die Ministerin sei „auf dem besten Weg zu einer großen Nummer in Russland“. Denn Putins Propagandasender „Russia Today“ nahm die Wortmeldung der Europaministerin Claudia Bauer mit Handkuss. Wessen Stimme gilt nun in der ÖVP? Edstadler mit ihrer klaren Haltung zur Ukraine oder Bauer mit ihrer „Drachen-Absage“? Pándi findet, bei der ÖVP wisse man ja nie, wer am Ende das Sagen hat. Ja, das fragt man sich wirklich.
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