„Piwis“ in aller Munde

Warum diese neuen Reben Weinbau verändern könnten

Steiermark
26.07.2026 11:30

So genannte Piwi-Rebsorten gelten als Hoffnungsträger für einen nachhaltigeren Weinbau. Wolfgang Renner von der Versuchsstation Haidegg erklärt, warum die widerstandsfähigen Weine trotzdem noch um Akzeptanz kämpfen.

„Krone“: Herr Renner, der Klimawandel setzt den Weinbau zunehmend unter Druck. Sie haben an der Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg in Graz Pionierarbeit bei pilzwiderstandsfähigen Rebsorten geleistet. Welche Rolle können diese neuen Weine nun spielen?
Wolfgang Renner: „Piwi-Sorten sind ein wichtiger Baustein für die Zukunft. Durch ihre Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten brauchen sie deutlich weniger Pflanzenschutz. Das spart Spritzmittel- und Maschinenkosten- und schont die Umwelt. Gerade weil Extremwetterereignisse mehr werden, gewinnt ein nachhaltiger und ressourcenschonender Weinbau immer mehr an Bedeutung. Ideal ist natürlich die Kombination aus Bio und Piwi.“

Wolfgang Renner mit den Gewinnerweinen des kürzlich stattgefundenen, bundesweiten Wettbewerbs, ...
Wolfgang Renner mit den Gewinnerweinen des kürzlich stattgefundenen, bundesweiten Wettbewerbs, der jedes Jahr ausgetragen wird.(Bild: Jürgen Fuchs)

Piwi-Weine gelten trotzdem noch als Nischenprodukt. Warum?
„Leider gibt es nach wie vor viele Vorurteile - sowohl bei Konsumenten als auch in Teilen der Weinbranche. Dabei zeigen Blindverkostungen seit Jahren, dass Piwi-Weine genauso gut bewertet werden wie klassische. Man darf sie nur nicht mit bekannten Sorten vergleichen, sondern sollte sich auf ein neues Geschmackserlebnis einlassen.“

Sie forschen schon seit 30 Jahren an Piwis, damals war der Klimwandel noch kein großes Thema. Wie hat überhaupt alles begonnen?
„Am Anfang stand ein ganz anderer Gedanke: In den 1980er-Jahren kamen Bauern mit dem Wunsch auf die Versuchsstation zu, ihren Kunden ungespritzte Trauben als Gastgeschenk mitgeben zu wollen. Damals gab es dafür kaum geeignete Sorten. Später kamen die ersten Biobetriebe mit Anfragen – heute geht es vor allem darum, Lösungen für einen ressourcenschonenden Weinbau zu finden, der Klimawandel ist sicher ein Treiber.“

Welche Piw-Sorten spielen bislang eine wichtige Rolle – und warum heißen sie nicht wie ihre bekannten „Vorbilder“?
„Zu den wichtigsten Piwi-Sorten zählen etwa Souvignier gris, Muscaris oder der Donauriesling. Sie wurden gezielt gezüchtet, um die Vorteile bekannter Sorten mit einer höheren Widerstandskraft zu verbinden. Sie dürfen aber nicht einfach Sauvignon Blanc oder Muskateller heißen, weil es sich rechtlich um eigenständige Sorten handelt. Genau darin liegt auch eine Herausforderung: Die Konsumenten müssen erst Vertrauen zu den neuen Namen aufbauen.“

Was könnte helfen?
„Dass nun auch immer mehr renommierte Betriebe, wie etwa Winkler-Hermaden oder der Kollerhof, auf Piwi-Sorten setzen, hilft natürlich. Trotzdem kommen in Österreich pro Jahr nur rund 100 Hektar dazu. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht – jetzt bräuchte es mehr Offenheit und gutes Marketing.“

Nähere Infos unter https://piwi-austria.at sowie unter https://piwi-international.org

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