Anruf kein Irrläufer!

Pizza-Bestellung rief die Polizei auf den Plan

Ausland
24.07.2026 17:46
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine vermeintliche Pizzabestellung bei der Polizei sorgte in Deutschland für einen außergewöhnlichen Einsatz. Was zunächst wie ein Irrläufer wirkte, entpuppte sich als stiller Hilferuf einer jungen Frau, die nach eigenen Angaben nicht offen auf ihre brisante Situation hinweisen konnte.

Der ungewöhnliche Vorfall ereignete sich am frühen Samstagmorgen in Gelsenkirchen. Gegen 4.40 Uhr ging bei der Polizeileitstelle ein Anruf ein. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine weibliche Stimme – und bestellte bei der Beamtin eine Pizza.

Die Polizistin legte jedoch nicht auf. Sie erkannte nach Angaben der Polizei, dass sich die Anruferin offenbar in einer Notsituation befand und nicht frei sprechen konnte. Daraufhin entsandte sie umgehend einen Streifenwagen zur Adresse der Frau.

In der Öffentlichkeit kann auch das internationale Hilfszeichen für Gewaltbetroffene Leben ...
In der Öffentlichkeit kann auch das internationale Hilfszeichen für Gewaltbetroffene Leben retten: Heben einer Hand, sodass das Gegenüber die Handfläche sehen kann, den Daumen knicken, bis er an der Handinnenfläche liegt. Die restlichen Finger der Hand langsam über den Daumen legen, sodass eine Faust entsteht.(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

Frau schildert sexuelle Belästigung im Taxi
Vor Ort trafen die Einsatzkräfte auf eine 18-jährige Frau aus Gelsenkirchen sowie einen 35-jährigen Mann aus Düsseldorf. Die junge Frau gab an, zuvor mit einem Taxi von Bochum nach Hause gefahren zu sein.

Während der Fahrt soll der Taxifahrer sie sexuell belästigt und berührt haben. Da sie nach ihren Angaben nicht offen den Polizeinotruf wählen konnte, tarnte sie ihren Hilferuf als Pizzabestellung. Gegen den 35-Jährigen wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Polizei: Nicht jeder kann offen um Hilfe bitten
Der Fall zeigt nach Angaben der Polizei, dass Betroffene in bedrohlichen Situationen oft nicht in der Lage sind, einen Notfall offen zu schildern – etwa wenn sich die mutmaßlich bedrohliche Person in unmittelbarer Nähe befindet.

Was Betroffene in einer solchen Situation tun können

Wenn Sie sich in einer akuten Gefahrensituation befinden:

  • Den Polizeinotruf wählen und offen sprechen, sofern dies gefahrlos möglich ist.
  • Können Sie nicht frei sprechen, können unauffällige Alltagsaussagen oder bekannte stille Hilfesignale genutzt werden, um auf eine Notlage hinzuweisen.
  • In der Leitung bleiben, damit die Polizei gezielte Fragen stellen und die Situation besser einschätzen kann.
  • Fragen der Einsatzkräfte möglichst beantworten, soweit dies ohne zusätzliche Gefahr möglich ist.
  • Keine auffälligen Formulierungen wählen, die eine bedrohliche Person misstrauisch machen könnten.
  • Auch Zeugen sollten handeln: Wer den Eindruck hat, dass sich eine Person in Gefahr befindet, sollte nicht zögern, die Polizei zu verständigen.

In solchen Fällen können unauffällige Alltagsaussagen oder scheinbar unpassende Formulierungen die Einsatzkräfte auf eine mögliche Gefahr aufmerksam machen. Polizeibedienstete seien für derartige auffällige Gesprächsverläufe sensibilisiert.

Als bekannte stille Hilfesignale nennt die Polizei unter anderem eine vermeintliche Pizzabestellung, die Frage „Wo ist Luisa?“ oder das internationale Handzeichen für einen stillen Hilferuf, bei dem zunächst die Handfläche gezeigt, anschließend der Daumen eingeklappt und schließlich mit den übrigen Fingern umschlossen wird.

Entscheidend sei jedoch nicht, einen bestimmten Satz oder ein festgelegtes Handzeichen zu verwenden. Auch widersprüchliche, abstrakte oder ungewöhnliche Aussagen könnten Einsatzkräfte auf eine mögliche Gefahrenlage aufmerksam machen.

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