Großer Handlungsbedarf

Gesundheitsversorgung: Ländle hinkt hinterher

Vorarlberg
24.07.2026 17:00

ÖGK-Obmann Andreas Huss und Arbeiterkammer-Vizepräsidentin Manuela Auer sehen dringenden Handlungsbedarf beim Ausbau der wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Vorarlberg, zudem fehle es an Allgemeinmedizinern.

Während andere Bundesländer den Ausbau der wohnortnahen Gesundheitsversorgung vorantreiben, fehlt in Vorarlberg dafür ein konkreter Fahrplan. Im „Regionalen Strukturplan“ des Landes gebe es – im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern – keine verbindliche Zielvorgabe für neue Primärversorgungseinheiten (PVE), kritisierten ÖGK-Obmann Andreas Huss und AK-Vizepräsidentin Manuela Auer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag in Bregenz. Im benachbarten Tirol etwa sollen bis 2030 13 neue Primärversorgungszentren entstehen. Für Huss und Auer ist daher klar: „Hier besteht in Vorarlberg dringender Handlungsbedarf.“

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Wenn die Primärversorgung das Herzstück der Gesundheitsreform sein soll, braucht Vorarlberg endlich einen verbindlichen Ausbauplan.

Manuela Auer, AK-Vizepräsidentin

Herzstück der geplanten Gesundheitsreform
Primärversorgungseinheiten gelten als Herzstück der in Planung befindlichen Gesundheitsreform. In ihnen arbeiten Hausärzte gemeinsam mit Pflegekräften sowie Therapeuten unter einem Dach. Das verkürzt Wartezeiten, erleichtert den Zugang zur medizinischen Versorgung und entlastet gleichzeitig die Spitalsambulanzen. „Die Primärversorgung ist das Fundament unseres Gesundheitssystems. Wenn wir sie stärken, profitieren Patienten ebenso wie die Beschäftigten im Gesundheitswesen“, betonte Huss. Für Auer ist es deshalb völlig unverständlich, warum Vorarlberg hierbei dermaßen im Rückstand ist: „Wenn die Primärversorgung das Herzstück der Gesundheitsreform sein soll, braucht Vorarlberg endlich einen verbindlichen Ausbauplan. Es kann nicht sein, dass ausgerechnet unser Bundesland ohne konkrete Zielvorgaben auskommt.“

Hausärztemangel verschärft die Lage
Erschwerend kommt hinzu, dass Vorarlberg österreichweit die geringste Dichte an Allgemeinmedizinern aufweist. Laut Berechnungen des WIFO auf Grundlage von Daten der Ärztekammer kommen auf 100.000 Einwohner lediglich 53 Hausärzte, österreichweit liegt der Durchschnitt bei rund 81. Zudem ist Vorarlberg das Bundesland, in dem die Zahl der Allgemeinmediziner in den vergangenen fünf Jahren am stärksten zurückgegangen ist – und zwar um 15,8 Prozent. Auch bei den Medizinern insgesamt ist Vorarlberg mit knapp 180 pro 100.000 Einwohner Schlusslicht (Bundesschnitt 245,5). Anstatt diese Lücke zu schließen, ist die Ärztedichte zuletzt um 2,2 Prozent zurückgegangen – auch das ist ein negatives Alleinstellungsmerkmal Vorarlbergs. „Neue Primärversorgungszentren allein reichen nicht aus. Wir brauchen auch mehr Ärzte, die dort arbeiten“, sagt Auer. Deshalb fordert sie neben dem Ausbau der Primärversorgung auch attraktivere Rahmenbedingungen für Kassenärzte und zusätzliche Ausbildungsplätze speziell im Bereich der Allgemeinmedizin.

Community Nurses sollen Spitäler entlasten
Ein weiterer Baustein einer zukunftsfitten Gesundheitsversorgung seien laut Huss und Auer sogenannte Acute Community Nurses. Diese speziell ausgebildeten Pflegekräfte begleiten Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause, übernehmen medizinische Tätigkeiten und können so unnötige Wiedereinweisungen verhindern. „Damit entlasten wir nicht nur die Krankenhäuser, sondern auch Hausärzte und Patienten gleichermaßen“, so Auer. Andere Bundesländer würden dieses Modell bereits erfolgreich einsetzen. Vorarlberg müsse diesem Beispiel nun möglichst rasch folgen.

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