Abschüsse erlaubt

Den Bibern in Vorarlberg geht es nun an den Pelz

Vorarlberg
24.07.2026 18:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Künftig sollen in Vorarlberg pro Jahr bis zu 23 Biber getötet werden können. Das geht aus der neuen Bibermanagementverordnung (BMVO) hervor, die am Freitag von Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (ÖVP) präsentiert wurde.

Der Europäische Biber galt in Vorarlberg für rund 350 Jahre als ausgestorben, seit 2006 haben sich wieder Tiere angesiedelt. Und sie haben sich prächtig vermehrt: Aktuell leben rund 400 Biber im Land, die Tendenz ist nach wie vor steigend.

Die großen Nager haben sich insbesondere im Rheintal, im Leiblachtal und Teilen des Bregenzerwalds ausgebreitet, auch im Walgau liegen erste Nachweise vor. Für die von ihm besiedelten Ökosysteme ist der Biber ein wahrer Lebensspender: Durch das Bauen von Dämmen und Fällen von Bäumen fördert der große Nager eine hohe Artenvielfalt und gestaltet abwechslungsreiche Gewässerlebensräume.

Immer wieder Konflikte mit dem Menschen
Dammbau, Grabungsaktivitäten, Nagen und Fällen von Gehölzen sowie das Fressen von Feldfrüchten oder Gartenpflanzen führen aber auch immer wieder zu Konflikten mit dem Menschen. Bisher mussten derartige Konfliktfälle einzeln bewilligt und gelöst werden. Das führte zu großen Unsicherheiten, langen Verfahren und einem enormen Verwaltungsaufwand. Mit der neuen Bibermanagementverordnung soll sich das ändern.

Das prioritäre Ziel sei der Schutz der öffentlichen Sicherheit und die Verhütung ernster Schäden unter Berücksichtigung des günstigen Erhaltungszustands der Population des Europäischen Bibers, betont der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP). „Das Fangen und Töten von Bibern“ sei nur als „letztes Mittel“ vorgesehen und erst nach vorheriger fachlicher Beurteilung durch ein Jagdorgan erlaubt.

Neun weitere Entnahmen „für dringliche Gefahrenlagen“
Die Entnahme ist darüber hinaus auf maximal 23 Biber pro Jahr begrenzt und muss dokumentiert und gemeldet werden. Ein zusätzliches Kontingent von maximal neun Tieren gibt es „für besonders dringliche Gefahrenlagen“. Ebenfalls wichtig: „In den besonders geschützten Natura-2000-Gebieten sind ausschließlich Präventionsmaßnahmen zulässig, Tötungen sind hingegen nicht gestattet.“

Der Biber ist ein wahrer Baumeister – allerdings nicht immer zur Freude des Menschen.
Der Biber ist ein wahrer Baumeister – allerdings nicht immer zur Freude des Menschen.(Bild: Die Grünen Saalfelden)

„Nicht willkürlich, sondern ausgewogen“
„Die Regelungen sind nicht willkürlich, sondern ausgewogen und fachlich fundiert. Wir halten das Gleichgewicht zwischen Artenschutz und dem Schutz des Siedlungsraums“, stellt Gantner klar. Die BMVO verfolge keinen allgemeinen Regulierungszweck, sondern schaffe einzig „einen rechtlichen Rahmen für bestimmte, fachlich begründete Maßnahmen in Konfliktfällen“. Ganzjährig zulässige Maßnahmen sind etwa der Schutz von Gehölzen durch Verbissschutz oder Zäune, die Sicherung von Ufern und Böschungen oder die Lenkung des Bibers beim Dammbau.

Eingriffe in den Lebensraum der Biber dürfen nur erfolgen, wenn Präventionsmaßnahmen nachweislich nicht möglich, zielführend oder zumutbar waren bzw. erfolglos geblieben sind. So ist etwa das Entfernen von Dämmen, die in Verbindung mit einem Biberbau oder einer Biberburg stehen, nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Zitat Icon

Die Regelungen sind nicht willkürlich, sondern ausgewogen und fachlich fundiert. 

Landesrat Christian Gantner

Scharfe Kritik vom WWF
Die Bibermanagementverordnung geht nun für sechs Wochen in Begutachtung, nach der Sommerpause könnte sie bereits im Herbst vom Landtag ratifiziert werden. Harsche Kritik am „Vorarlberger Weg“ gibt es von der Naturschutzorganisation WWF: „Jährliche Tötungskontingente für eine streng geschützte Art sind der völlig falsche Weg. Der Biber ist ein wichtiger Verbündeter für lebendige Gewässer“, ließ WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre in einer ersten Reaktion per Aussendung wissen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

10° / 24°
Symbol wolkenlos
12° / 28°
Symbol wolkenlos
12° / 26°
Symbol wolkenlos
11° / 26°
Symbol wolkenlos
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung