„So bin ich nicht!“ – Dieser Satz allein reiche nicht, um sich gegen Männergewalt zu positionieren, sagt Aktivist und Organisator Manfred Zeisberger. Er organisiert die erste Männerdemo gegen Gewalt an Frauen, die Samstagmittag vor dem Parlament in Wien startete. Hunderte Männer versammelten sich auf der Straße, um ein deutliches Zeichen zu setzen.
Sind Sie ein Mann? Und wenn ja, was tun Sie aktiv gegen Gewalt an Frauen? Unter diesem Leitgedanken steht die Kundgebung „Männer gegen Gewalt an Frauen“ seit 13 Uhr vor dem Parlament, die heuer erstmals stattfindet. Von Männerberatung und Gewaltprävention bis hin zu einer Gedenkminute für Femizidopfer: Expertinnen und Experten berichten in einem bedeutungsvollen Programm aus ihrem beruflichen Alltag.
„Männer gegen Frauenmorde“
Der Anlass dürfte nicht überraschen: Österreich hat seit Jahren eine erschreckend hohe Femizidrate. Im Vorjahr wurden laut dem AÖF 16 Frauen mutmaßlich getötet, heuer sollen bereits drei Frauen durch ihre Partner ermordet worden sein. „Wir wollen auf die Straße gehen, um gegen Gewalt an Frauen, insbesondere Frauenmorde, aufzutreten. Seit Jahren werden Frauen von Männern getötet. Weil sie Frauen sind“, heißt es auf der Webseite des Initiators Zeisberger gegengewalt.at.
Ein Femizid ist die vorsätzliche Tötung einer Frau durch einen Mann aufgrund ihres Geschlechts bzw. aufgrund von „Verstößen“ gegen die traditionellen, sozialen und patriarchalen Rollenvorstellungen, die Frauen zugeschrieben werden. Femizide gehören daher zu den Hassverbrechen.
Die Definition geht auf die südafrikanische Soziologin und Autorin Diana Russell zurück, die 1976 eine der Ersten war, die den Begriff verwendete. Im Jahr 2025 waren es 16 Morde an Frauen, davon 16 Femizide.
Quelle: Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF)
Häusliche Gewalt sei oft ein Vorbote, der in einem Frauenmord enden könne, so Zeisberger, der laut eigenen Angaben als Kind selbst Opfer von Gewalt war. Der 55-jährige Aktivist und Künstler sagt selbst über sich, er sei „nicht wichtig“. Sondern er sei nur derjenige, dem es reiche und der beschlossen habe, etwas zu tun.
Täterarbeit ist Opferschutz
Zeisberger wünsche sich von der Politik, dass Psychotherapie künftig entstigmatisiert werde, um Gefährdern Hilfe anzubieten. Männerberatungsstellen in allen Bundesländern müssten ausreichend finanziert werden. Vorbeugende Täterarbeit sei „der beste Opferschutz“. Männern, die gefährdet seien, zu Tätern zu werden, solle der Zugang zu Antigewalttraining und passender Therapie ermöglicht werden. „Sich Hilfe zu holen, ist ein Zeichen von Intelligenz und Stärke“, so Zeisberger. Zudem solle die derzeitige österreichweite Rufnummer durch eine eingängige, leicht zu merkende Nummer ersetzt werden.
VdB: „Verantwortung übernehmen“
Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen setzte im Vorfeld des Internationalen Frauentags am 8. März bei einer Veranstaltung in der Wiener Hofburg ein wichtiges Zeichen und appellierte an alle Männer, in Sachen Gleichberechtigung „lauter“ zu werden, „um etwas zu bewegen“. Laut Van der Bellen heiße das: Wenn eine Frau in der Straßenbahn bedrängt werde, wenn in der Kantine ein sexistischer Witz gemacht werde oder wenn KI Vorurteile und Stereotype ausdrücke, „müssen wir uns einmischen“.
In den sozialen Medien erhielt der Bundespräsident für seinen Aufruf viel Zuspruch, um Gewalt gegen Frauen als „männliches Problem“ anzuerkennen. Im Hinblick auf das häufige Argument vieler, es seien ja nicht alle Männer gewalttätig, sagt Van der Bellen: „Liebe Männer, verstecken wir uns nicht hinter dem Satz ,Not all men‘“, appellierte das Staatsoberhaupt und ruft dazu auf, das Problem klar zu benennen. Die Aktivisten der heutigen Demo setzen im Hinblick auf Gewalttaten nach: „Es ist aber immer ein Mann.“
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