In der Debatte um eine Reform der Wehrpflicht drängt Burgenlands Militärkommandant Gernot Gasser auf „richtige und rasche Entscheidungen“, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.
Bereits Anfang des Jahres hat Brigadier Gernot Gasser klar Stellung bezogen. Im „Krone“-Interview erklärte er, warum eine Reform der Armeen in ganz Europa und ein zeitgemäßes Milizsystem dringend nötig sind. Die politische Lage hat sich spätestens seit dem Ukraine-Krieg drastisch verändert. Früher wurde in die Stabilität vertraut. Dieses Sicherheitsgefühl, das vor dem Konflikt mit Russland große Bedeutung hatte, brach laut „Global Risks Report“ weg. Aus militärischer Sicht führt an der Verlängerung der Wehrpflicht kein Weg vorbei. Die Reform lässt jedoch auf sich warten.
Einsatzbereitschaft im Fokus
Gernot Gasser bekräftigt jetzt seine Forderung nach einem klaren Bekenntnis zur Einsatzbereitschaft, kurzum acht Monate Grundwehrdienst und zwei Monate verpflichtende Milizübungen, so wie es die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission empfiehlt. „Während in Europa seit vier Jahren der Krieg tobt, befindet sich unser Wehrsystem noch im tiefsten Frieden“, gibt der Militärkommandant zu bedenken. Der Brigadier drängt auf „richtige und rasche Entscheidungen“. Darüber hinaus warnt er vor gezielt initiierten Anschlägen in hybrider Form, die weite Kreise ziehen: Desinformation, Cyber-Angriffe, Sabotage, Spionage, Drohnenattacken und mehr.
Frieden und Freiheit als höchste Güter
„Europa muss sich auf die Verteidigung der Demokratie, des Friedens, unserer Freiheit und Werte vorbereiten“, betont der Brigadier: „Waffen und Ausrüstung allein machen nicht verteidigungsfähig! Am Ende kommt es immer noch auf die Anzahl und Professionalität der Soldaten an, um den Einsatzauftrag zu erfüllen.“ Dauer und Qualität der Ausbildung sind maßgebliche Faktoren. Während die einst neutralen Schweden und Finnen der NATO beigetreten sind und andere Nationen den Grundwehrdienst mehrheitlich auf acht bis 12 Monate verlängert haben, steht Österreich mit sechs Monaten Grundwehrdienst und keiner Übungsverpflichtung weltweit ziemlich allein da. Die Milizsoldaten, die rund 60 Prozent der Einsatzstärke unseres Bundesheeres ausmachen, können seit 20 Jahren nicht mehr geschlossen üben. Einsatzbereitschaft, Motivation und Nachwuchs nehmen bedrohlich ab.
Gernot Gassers kritische Anmerkung: „Wer erklärt der schutz- und hilfesuchenden Bevölkerung im Ernstfall, dass große Teile von Österreichs Bundesheer erst in zwei Monaten einsatzbereit sein werden?“
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