„Gotteslästerung“

Freisprüche nach Mord an einem Ehepaar in Pakistan

Ausland
20.07.2026 13:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

In Pakistan hat das Oberste Gericht drei Todesurteile rund um die Ermordung eines christlichen Ehepaars 2014 aufgehoben. Den drei Männern wurde vorgeworfen, das Ehepaar gewaltsam misshandelt und anschließend in dem Ofen einer Ziegelei verbrannt zu haben. Sie begründeten das mit der angeblichen Gotteslästerung des Paars.

Der Fall hatte sich am 4. November 2014 im Osten Pakistans ereignet. Das christliche Ehepaar Shahzad Masih und die Shama Bibi, die zu dem Zeitpunkt schwanger war, arbeitete dort in einer Ziegelei. Sie wurden beschuldigt, Seiten des Korans verbrannt zu haben, was aber nie nachgewiesen werden konnte. Am besagten Novembertag wurden sie deshalb von einer aufgebrachten Menschenmenge angegriffen. Die Menge verprügelte sie und verbannte die beiden in einem Brennofen.

Nach der Tat wurden Hunderte Personen angeklagt. Mehrere Beteiligte, darunter fünf Männer, wurden zum Tod verurteilt. Das Oberste Gericht sprach später aber 102 Angeklagte wieder frei und bestätigte nur die Urteile gegen drei Männer. Nun wurden diese ebenfalls begnadigt.

Die Tat löste damals international Entsetzen aus. Religion könne niemals eine Rechtfertigung für die Tötung von Menschen sein, teilte der Vatikan mit. Menschenrechtsorganisationen verwiesen auf die Gefahren des pakistanischen Blasphemiegesetzes sowie auf die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Ziegelindustrie, in der viele Menschen in Abhängigkeit von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern leben. Religiöse Minderheiten seien in dem Land gefährdet.

Immer wieder Krawalle wegen Blasphemie
Blasphemie ist nach wie vor ein schwerwiegender Vorwurf in Pakistan, das mehrheitlich von Musliminnen und Muslimen bevölkert ist. Selbst unbestätigte Gerüchte über angebliche Schädigungen religiöser Symbole lösen oft Krawalle aus. Immer wieder gibt es Todesopfer wegen Selbstjustiz.

„Shahzad und seine schwangere Frau Shama wurden lebend ins Feuer geworfen. Was ist am Ende das Ergebnis all dieser Bemühungen um Gerechtigkeit? Die Menschen haben das Gefühl, keine Stimme zu haben und dass niemand ihnen zuhört“, kritisierte der Vorsitzende der katholischen pakistanischen Kommission „Gerechtigkeit und Frieden“, Bischof Samson Shukardin. Die Regierung Pakistans müsse den Schutz von Zeuginnen und Zeugen verbessern und sicherstellen, dass Gewalt gegen religiöse Minderheiten künftig konsequent verfolgt werde. Es kommt immer wieder vor, dass Anklagen zurückgezogen oder Urteile aufgehoben werden.

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