Zu viele Probleme

Putins Beliebtheit bei Russen fällt im Rekordtempo

Außenpolitik
17.07.2026 12:55

Kremlchef Wladimir Putin hat aktuell mit dem größten Rückgang seiner Unterstützer im Land seit Beginn der Invasion in der Ukraine zu kämpfen. Dennoch spielt die Regierung weiterhin die Missstände herunter.

Seit dem Frühling 2026 brodelt es zunehmend in der russischen Gesellschaft, entsprechend schlägt sich die schlechte Stimmung der Bürger in den Umfragen nieder. Wut erzeugen unter anderem die Internetbeschränkungen, die Sperre des beliebten Messengerdienstes Telegram sowie die im ganzen Land herrschende Benzin-Krise.

Innerhalb nur einer Woche sackte laut dem Meinungsforschungsinstitut FOM die Zustimmung zu Putin in Russland um ganze fünf Prozentpunkte ab und liegt damit nur mehr bei 66 Prozent. Auch das Vertrauen in den Staatschef fiel von 69 auf 67 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass die Akzeptanz des russischen Machthabers bei seinem Volk deutlich niedriger ist. Aufgrund der schlimmen Repressalien und drohenden langen Haftstrafen verschweigen viele ihre wahre Meinung.

Auch der immer weiter zunehmende Kostendruck schlägt den Russen auf das Gemüt.
Auch der immer weiter zunehmende Kostendruck schlägt den Russen auf das Gemüt.(Bild: EPA/MAXIM SHIPENKOV)

Wenn man sich mit Russland beschäftigt, muss man daher immer zwischen den Zeilen lesen. Etwa verzeichnen sogar die kremlfreundlichen Soziologen des staatlich kontrollierten Meinungsforschungsinstituts WZIOM eine rekordhafte Abnahme von dem Vertrauen in Putin, das um 1,3 Prozent auf 71 Prozent fiel. Die Zustimmung nahm demnach um 0,9 Prozentpunkte innerhalb einer Woche ab und erreicht derzeit 65,1 Prozent.

Stimmung der Unternehmen trübt sich ein
Zwar hat die russische Regierung im fünften Jahr des Krieges gegen die Ukraine wirtschaftliche Probleme eingeräumt, diese jedoch gleichzeitig bagatellisiert. „Diese Schwierigkeiten sind nicht kritisch“, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Regierung und Präsident Wladimir Putin wüssten, was zur Steuerung und Verbesserung der Lage zu tun sei. „Die makroökonomische Stabilität ist vollständig gewährleistet“, fügte er hinzu.

Es war Peskows Reaktion auf eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Zentralbank, die eine deutliche Verschlechterung der Stimmung in den Unternehmen zeigte. Der Geschäftsklimaindex der Zentralbank fiel im Juli um 4,5 Punkte auf minus 3,6 Zähler. Dies ist der niedrigste Stand seit Mitte 2022. Gleichzeitig stiegen die Preiserwartungen der Unternehmen deutlich.

An den Patriarchenteichen in Moskau: Viele suchen nach Ablenkung.
An den Patriarchenteichen in Moskau: Viele suchen nach Ablenkung.(Bild: AP/Pavel Bednyakov)

Treibstoffkrise zeigt Wirkung
Der Investmentbanker und Wirtschaftsprofessor Jewgeni Kogan wies darauf hin, dass es seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 nur fünf Monate gegeben habe, in denen sich der Indikator schneller verschlechtert habe. Ein Abrutschen in den negativen Bereich sei in der Vergangenheit mit Wirtschaftskrisen verbunden gewesen, erklärte der Professor an der Moskauer Higher School of Economics. Die steigenden Inflationserwartungen deuteten zudem auf einen starken Kostenanstieg hin. Dieser sei eine Folge der Treibstoffknappheit, die durch die zunehmenden ukrainischen Gegenangriffe auf russische Ölraffinerien verursacht werde. Damit will die Ukraine eine wichtige Einnahmequelle Russlands zur Finanzierung seines Angriffskriegs lahmlegen.

„Im Ergebnis könnte die Kraftstoffkrise sowohl den Preisauftrieb beschleunigen als auch die Wirtschaft in eine Rezession stürzen“, schrieb Kogan auf seinem Telegram-Kanal. Eine solche Situation werde als Stagflation bezeichnet. Dies bringe die Zentralbank in ein Dilemma. Werde der Leitzins zur Bekämpfung der Inflation erhöht, könne dies die Wirtschaft abwürgen. Werde der Zins zur Stützung der Konjunktur gesenkt, werde sich die Inflation weiter beschleunigen. „Es muss etwas geopfert werden“, warnte der Experte.

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