Das Kulturfestival „Bühne der Macht“ feierte mit der Bühnenadaption des Romans „Radetzkymarsch“ in St. Daniel im Gailtal umjubelte Premiere – bis Sonntag wird gespielt!
Auf einer langen Tafel präsentiert das Ensemble einen Abend, der von unverblümter Blauäugigkeit über einen erkenntnisreichen Höhepunkt bis hin zu einem beklemmenden Schluss wahre Delikatessen für alle Sinne bereithält. Joseph Roths Roman Radetzkymarsch wurde von Cornelia Rainer (Regie und künstlerische Leiterin) gemeinsam mit Stephan Lack für die Bühne adaptiert.
Nach Vorjahreserfolg auch dieses Jahr wieder fesselnd
Bereits im Vorjahr brachte das Kulturfestival Bühne der Macht mit „Glaube, Liebe, Hoffnung“ große Schauspielkunst nach St. Daniel. In der zweiten Ausgabe knüpfen die Verantwortlichen an diesen Erfolg an und entführen das Publikum mit der Bühnenfassung des „Radetzkymarsch“ im eigens errichteten, bestens ausgestatteten Theaterzelt in die Zeit der Monarchie.
Carl Joseph von Trotta wächst im Schatten seines Großvaters auf, der dem Kaiser auf dem Schlachtfeld von Solferino das Leben rettete. Nun soll er dessen Weg im Militär fortsetzen – doch ist es auch sein eigener Wunsch?
Was ist ein richtiger Mann?
Über dem mit zahlreichen Tischen ausgestatteten Bühnenbild schwebt ein prunkvoller goldener Rahmen, in dem ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht. Bilder des heldenhaften Großvaters oder das Konterfei Kaiser Franz Josephs werden mit Videoeinspielungen kombiniert, in denen Menschen aus der Region ehrlich und unverblümt über Macht, Freiheit und Herkunft nachdenken. Denn was ist eigentlich ein richtiger Mann?
Auf der Bühne entsteht ein Spiel – eindringlich und vielschichtig zugleich. Matthias Mamedof (Carl Joseph von Trotta) und Eduard Wildner (Franz von Trotta) tragen den Abend mit großer Präsenz und feinem Gespür für ihre Figuren, umgeben von einem grandiosen Ensemble (Elisabeth Engstler, Alina Fritsch und Nikolaus Barton), das auf Knopfdruck in unterschiedlichste Rollen schlüpft.
Eindringliche Bilder mit untermalendem Akkordeonspiel
Rainer webt auch die Theatergruppe Dellach stimmig in das Geschichtskonstrukt ein und holt aus ihren Mitgliedern eindrucksvolle Momente heraus. Eindringliche Bilder entstehen, wenn Schuldscheine durch die Luft fliegen, Duelle ausgetragen werden oder ein Schauspieler mit sich selbst als Kaiser in den Dialog tritt.
Staccatoartig wechseln die Szenen präzise, konzentriert auf die zentralen Figuren, Konflikte und Motive. Einen wirkungsvollen Gegenpol bildet das eindringliche, den Abend hervorragend untermalende Akkordeonspiel von Miloš Todorovski.
Was in dem beschaulichen, kaum 300 Einwohner zählenden Dorf auf die Beine gestellt wird, davon könnte sich so mancher Theatermacher und so manche Theatermacherin aus dem „urbanen“ Klagenfurt eine Scheibe abschneiden. Wenn das Bühnenlicht erlischt, öffnet sich der Raum für ein vielfältiges Programm für alle Generationen – von Workshops und Filmformaten bis hin zum Forum für Machtkompetenz und offenen Gesprächsrunden. Alle Infos unter: festival.buehne-der-macht.com.
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