Ein Prozent des BIP:

Drogen für Dealer so lukrativ wie selten zuvor

Österreich
16.07.2026 13:06

Der jährliche Suchtmittelkriminalitätsbericht des Bundeskriminalamtes zeigt: Der Handel mit Drogen ist ein höchst lukratives Geschäft. Fünf Milliarden, und damit rund ein Prozent des BIP Österreichs, werden pro Jahr umgesetzt. Cannabis bleibt – wenig überraschend – klare Nummer eins, die Sicherstellungen bei synthetischen Giften und Heroin schnellten in die Höhe. 

Schon Ende 2024 begannen bei der Polizei die Ermittlungen zu einer Drogenbande, die von einer riesigen Produktionshalle mitten in Wien aus den Markt mit Cannabis schwemmte. Knapp eine Tonne an „Gras“ wurde Anfang September 2025 im Rahmen der „Operation Psycho“ sichergestellt – es kam zu mehreren Festnahmen. Ein beträchtlicher Anteil der insgesamt 2,84 Tonnen, die 2025 den Ermittlern ins Netz gingen. Im Suchtmittelkriminalitätsbericht zeigt sich: Cannabis bleibt, mit einem Plus von 11,6 Prozent gegenüber 2024, weiter die Nummer eins der Österreicher, gefolgt von Kokain (274,6 Kilo, plus 6,1 Prozent), Heroin (37,8 Kilo, plus 38,8%) und Metamphetamin (37,2 Kilo, plus 209,5 Prozent). 

Sicherstellung von Kokain im Innviertel (OÖ).
Sicherstellung von Kokain im Innviertel (OÖ).(Bild: Polizei OÖ)

„Operation Psycho“ sorgte für Rekord-Sicherstellung
Freilich sagen die Sicherstellungen alleine nur wenig über die tatsächlich konsumierten Mengen, also die berühmte Dunkelziffer, aus. Erstens, weil große Erfolge (wie etwa bei oben genannter „Operation Psycho“) die Statistik verzerren. Zweitens, weil niemand die genaue Größe des Drogenmarktes kennt. Eine Kombination aus Polizeistatistik, Abwasseranalysen und gesundheitlichen Befragungen ergibt jedoch: Der Drogenmarkt dürfte Jahr für Jahr in Österreich rund fünf Milliarden Euro Umsatz bringen. Und damit wahrscheinlich bis zu einem Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts. Der Handel mit illegalen Substanzen ist demnach ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Faktor. 

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Drogenhandel wird international immer vernetzter, es ist ein hochprofitables Geschäft.

Daniel Lichtenegger, Leiter des Büros zur Suchtmittelbekämpfung im Bundeskriminalamt

In Wien sind 60,6 Prozent der Verdächtigen Ausländer
Angezeigt wurden 2025 mit 36.801 Personen ein bisschen weniger als im Jahr 2024, die Zahl der Verbrechen, die mit mehr als drei Jahren Haft zu ahnden sind, stieg dagegen leicht auf 3.262 an. Es kam zu 2.293 Festnahmen, 64 Prozent davon waren übrigens keine Österreicher. Bei den Anzeigen beträgt der Anteil an Ausländern 42,3 Prozent, in Wien sogar 60,6 Prozent. Mit 2093 Anzeigen führt bei ausländischen Angezeigten übrigens Syrien, das mit einem Plus von 43,1 Prozent im Vergleich zu 2024 heraussticht. Gefolgt von Deutschen mit 1101 und Afghanen mit 929 und Serben mit 911 Anzeigen. 

Ungustiöse Überbleibsel zeigen, dass regelmäßig Drogen konsumiert werden.
Ungustiöse Überbleibsel zeigen, dass regelmäßig Drogen konsumiert werden.(Bild: Christof Birbaumer)

Weniger Junge, dafür mehr ältere Tatverdächtige
Erfreulich ist laut Daniel Lichtenegger, Leiter des Büros zur Suchtmittelbekämpfung im Bundeskriminalamt, der Rückgang bei jungen Tatverdächtigen. Jene Zahl ging bei den 14- bis 17-Jährigen um 13,4 Prozent zurück, bei 18- bis 20-Jährigen um 9,1 Prozent. Der Großteil der Verdächtigen (14.794) ist 25 bis 39 Jahre alt, die größte Steigerung ist bei über 40-Jährigen (plus 8,7 Prozent) zu verzeichnen. Und das, obwohl Tatverdächtige immer häufiger Kryptomessengerdienste oder verschlüsselte Chatgruppen für ihre illegalen Umtriebe verwenden. 

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Wir brauchen mehr technische Befugnisse und wünschen uns höhere Strafen, etwa bei synthetischen Drogen.

Daniel Lichtenegger

Polizei wünscht sich mehr technische Befugnisse
Ein Punkt, der den Ermittlern weiterhin Sorgen bereitet. Während die Drogenhändler munter geheim miteinander kommunizieren, sind der Exekutive weiter rechtlich die Hände gebunden. „Wir wünschen uns mehr Befugnisse, vor allem in technischer Hinsicht“, wiederholt auch Lichtenegger das Mantra der Exekutive, die Politik möge doch endlich eine vernünftige Messengerüberwachung von Tatverdächtigen erlauben. 

Bei der „Operation Psycho“ wurde knapp eine Tonne Cannabis sichergestellt.
Bei der „Operation Psycho“ wurde knapp eine Tonne Cannabis sichergestellt.(Bild: LPD Wien)

Drogentote erreichten einen neuen Höchststand
Traurig ist der Höchststand an Drogentoten. Mit 257 Todesfällen, die nach Obduktionen und toxikologischen Berichten eindeutig auf den Drogenkonsum zurückzuführen sind, bewegen wir uns auf einem Rekordniveau. Noch vor Jahren lag jener Wert jährlich bei etwa 200. Um mehr Drogentote und Verurteilungen in Zukunft zu verhindern, wird Jahr für Jahr mehr für die Prävention getan. 941 Maßnahmen wurden 2025 gesetzt, um 20.756 Personen zu erreichen. 

Drogenabhängiger suchte „Gift“ vor Bundeskriminalamt
Wie präsent und akut die Problematik des Suchtgifthandels ist, zeigte sich übrigens ausgerechnet am Weg der „Krone“ zur Präsentation des Suchtmittelberichtes im Wiener Bundeskriminalamt. Direkt vor dem Amt, an der U-Bahn-Station Spittelau, durchsuchte ein mutmaßlicher Drogenabhängiger die Sträucher einer Grünfläche nach verstecktem Suchtgift. Auf die Frage von Wiener Linien-Angestellten, was er hier tue, antwortete er: Er suche sein Handy, das ihm geraubt worden ist. Die Mitarbeiter glaubten ihm nicht und schickten ihn weg. Die Polizei wurde, zumindest in diesem Fall, nicht alarmiert...

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