KV-Streit im Tourismus

Weniger ungarische Arbeitskräfte: Sorge wächst

Burgenland
14.07.2026 19:00

Nach Abbruch der Kollektivvertragsverhandlungen, warnt die Gewerkschaft „vida“ vor sinkenden Beschäftigungszahlen. Im Burgenland wächst vor allem die Sorge um ungarische Arbeitskräfte.

Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie stocken. Seit Anfang Juni hat sich am Verhandlungstisch nichts mehr bewegt. Während die Gewerkschaft vida auf einen Ausgleich des Reallohnverlustes pocht, warnt sie im Burgenland vor den Folgen: Der Personalmangel verschärft sich und künftig könnten auch viele ungarische Arbeitskräfte der Branche den Rücken kehren. „Die Beschäftigten fordern keine Sonderbehandlung, sondern faire Bedingungen und Respekt für ihre Arbeit“, sagte vida-Landesvorsitzender Berend Tusch.

Wegen vier Euro? KV-Verhandlungen abgebrochen
Das bisherige Angebot der Arbeitgeber liege je nach Lohngruppe zwischen 2,9 und 3,6 Prozent. In der niedrigsten Lohngruppe entspreche die letzte Annäherung letztlich nur vier Euro. Insgesamt gehe es um Lohnerhöhungen zwischen 69 und 73 Euro brutto monatlich. „Jetzt ist die Wirtschaftskammer am Zug.“

Berend Tusch (vida Burgenland) und Thomas Priedl (Sonnentherme Lutzmannsburg) sehen im Tourismus ...
Berend Tusch (vida Burgenland) und Thomas Priedl (Sonnentherme Lutzmannsburg) sehen im Tourismus Handlungsbedarf.(Bild: Carina Fenz)

Dass es der Branche immer schwerer falle, Personal zu finden, sei laut Tusch hausgemacht. Viele würden zwar eine Ausbildung im Tourismus absolvieren, blieben dem Beruf wegen niedriger Löhne, hoher Belastung und der Angst auszubrennen, aber nicht lange treu. „Man kann sich nicht als Aushängeschild Österreichs präsentieren und am Ende die Rechnung von den Beschäftigten bezahlen lassen“, kritisierte Tusch.

Viele Ungarn könnten in ihre Heimat zurückkehren
Besonders angespannt ist die Lage im Burgenland. Im Mai waren in Hotellerie und Gastronomie 7649 Menschen beschäftigt – 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig ist die Branche stark auf Arbeitskräfte aus dem Nachbarland angewiesen. Laut vida stammen rund 5.000 Beschäftigte aus Ungarn. „Wir fürchten, dass uns in Zukunft rund 1000 Arbeitskräfte abhandenkommen könnten“, sagte Tusch. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Ungarn und steigenden Einkommen werde eine Rückkehr für viele attraktiver. „Bei uns werden immer nur Symptome bekämpft, aber nie die Ursachen.“

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Bei uns werden immer nur Symptome bekämpft, aber nie die Ursachen.

Berend Tusch, vida Burgenland

„Wollen wieder an den Verhandlungstisch“
Auch Thomas Priedl, Betriebsratsvorsitzender der Sonnentherme Lutzmannsburg und Mitglied des KV-Verhandlungsteams, zeigte wenig Verständnis für den Stillstand. „Es ist unverständlich, dass die Arbeitgeber die Verhandlungen abgebrochen haben. Die Mitarbeiter warten, aber auch die Betriebe brauchen Planungssicherheit.“ Gerade der Tourismus sei eine Branche, deren Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlagert werden könnten. Umso wichtiger sei es, Beschäftigte im Land zu halten. „Wir wollen wieder an den Verhandlungstisch und einen Abschluss, der den Reallohnverlust ausgleicht.“

Wenig Lehrlinge, wenig Attraktivität
Neben höheren Löhnen fordert die Gewerkschaft auch bessere Arbeitsbedingungen, um die Branche langfristig attraktiver zu machen. Aktuell gibt es im Burgenland laut vida rund 160 Lehrlinge in 50 Lehrbetrieben. Auch das sei ein Zeichen dafür, dass der Tourismus dringend an Attraktivität gewinnen müsse. 

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