Die Vitrea-Gruppe, einer der größten Reha-Anbieter Europas, hat ehrgeizige Ziele: Mit einem Investitionsvolumen von heuer über 100 Millionen Euro und tausenden neuen Jobs plant der Gesundheitskonzern den Ausbau seiner Top-Marktposition in Deutschland, in der Schweiz – und insbesondere auch in Österreich.
Das Unternehmen, das aus der ehemaligen Vamed-Reha-Sparte hervorging und seinen Hauptsitz in Wien hat, zählt mittlerweile rund 14.000 Mitarbeiter und betreibt 80 Einrichtungen im DACH-Raum. Hierzulande sind es 20 Reha-Zentren mit 2800 Betten, in denen knapp 3000 Menschen arbeiten. Die Gruppe behandelt jährlich etwa 220.000 Patienten (in Österreich rund 50.000) – und profitiert von der wachsenden Bedeutung der Rehabilitation im Gesundheitssystem. Chef Klaus Schuster: „Es ist ein echter Boom-Markt.“
„Wir investieren deutlich mehr als 100 Millionen“
Schuster, selbst Facharzt für Innere Medizin, gibt die Linie vor. Seit der Übernahme durch den französischen Investor PAI Partners im Herbst 2024 fließen enorme Summen in den Ausbau. „Wir investieren seit 2024 bis inklusive 2026 deutlich mehr als 100 Millionen Euro in unsere Einrichtungen und die Digitalisierung.“ Davon fließen rund 70 Prozent in Modernisierung und Erweiterungen, 30 Prozent in die IT-Infrastruktur.
Für Österreich stehen dabei konkrete Projekte im Fokus. In Schruns im Montafon werden die Bettenkapazitäten erweitert, in Oberndorf bei Salzburg entsteht ein Ausbau für psychosomatische und orthopädische Rehabilitation. Und in Wien wurde am Anton-Proksch-Institut, dem Zentrum für Suchterkrankungen, ein Neubau realisiert. „Das sind alles Vorzeigeprojekte“, betont Schuster.
Ambulante Reha ist das große Zukunftsthema
Ein zentraler Punkt der Strategie ist der Ausbau ambulanter Angebote. „Nicht jeder braucht eine stationäre Reha“, so der Vitrea-Chef. Die Gruppe setzt auf flexible Modelle: stationär, ambulant, hybrid oder telemedizinisch begleitet.
Der Herbst bringt zudem die neue Ausschreibung des Reha-Plans in Österreich, bei der zusätzliche ambulante Kapazitäten vergeben werden. Vitrea wird sich an mehreren Standorten bewerben. „Wir hoffen, hierzulande bis 2030 deutlich mehr Patienten behandeln zu dürfen“, so Schuster. Sein Ziel: ein Plus von rund zehn Prozent oder etwa 5000 zusätzliche Patienten in Österreich.
Die Nachfrage ist da. Weil die Menschen immer älter werden, erwartet Schuster einen jährlichen Anstieg des Reha-Bedarfs von vier bis sieben Prozent. Besonders stark wachsen die Indikationen Neurologie, Psychosomatik und Onkologie. Und die Rehabilitation wirke, so der Gesundheits-Manager: Eine Studie der Deutschen Rentenversicherung belege, dass jeder investierte Euro innerhalb von zwei Jahren das Fünffache an volkswirtschaftlichem Nutzen bringt.
Personalbedarf in Österreich: Bis zu 2000 neue Mitarbeiter bis 2030
Der boomende Markt bedeutet auch einen riesigen Personalbedarf. Allein in Österreich will Vitrea bis 2030 bis zu 2000 neue Mitarbeiter einstellen – von Therapeuten über Pflegekräfte bis zu Ärzten. „Wir sind ein bedeutender Arbeitgeber“, sagt Schuster, der selbst die ärztliche Karriere im öffentlichen System startete. Die freiwillige Fluktuation liege mit unter zehn Prozent im Branchenvergleich gut. Besonders gefragt sind Therapeuten, die in den Reha-Kliniken lernen, bevor viele in die Selbstständigkeit gehen. Auch der Frauenanteil ist mit 54 Prozent hoch, die Arbeitsbedingungen gelten als attraktiver als in der Akutmedizin – weniger Nachtdienste, mehr Planbarkeit.
„Rehabilitation ist unterschätzt“
Schuster sieht die Vitrea als unverzichtbaren Teil der Gesundheitsversorgungs-Kette: „Rehabilitation ist kein Ersatz für Akutmedizin, sondern ein wichtiger Baustein, der Kosten vermeiden hilft.“ Das Unternehmen verstehe sich als Partner der öffentlichen Hand, finanziert wird die Reha über die Pensionsversicherung und die Krankenkassen. „Die Kassen sind leer, aber wir müssen das System als Ganzes betrachten“, so Schuster. Mit guter Reha könnten Krankenstände verkürzt, Frühpensionen vermieden und der Pflegebedarf hinausgezögert werden.
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