Österreich-Besieger

Finale! Spanien eliminiert Frankreichs „Les Bleus“

Sieben von acht Hürden hat sie jetzt gemeistert, womit „nur“ noch eine zum zweiten WM-Titel ihrer Historie fehlt, nach jenem von 2010 – Spaniens „Furia Roja“ steht nach einem Halbfinal-Erfolg gegen Frankreich im Finale der Fußball-WM 2026! Die Elf von Trainer Luis de la Fuente, die im Sechzehntelfinale Österreich aus dem Turnier geworfen hatte, erwies sich für die bislang so souverän aufgetretenen Franzosen ausgerechnet an deren Nationalfeiertag als härterer Brocken als erwartet und setzte sich vor rund 71.000 Zuschauern im AT&T Stadium von Dallas/Arlington mit 2:0 durch.

Extreme Lufttemperaturen von über 30 Grad Celsius, die sich nach 39 Grad anfühlten, eine garstige Schwüle im Bereich von rund 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und latente Unwettergefahr – einmal mehr erwies es sich beinahe als lebensrettend, dass eine Partie der 23. Fußball-WM der Geschichte nicht unter freiem Himmel angepfiffen wurde, sondern in der auf wohlig-angenehme 22 Grad herunterklimatisierten Heimstatt der Dallas Cowboys.

Das Team von Frankreich
Das Team von Frankreich(Bild: AP/David J. Phillip)
Das Team von Spanien
Das Team von Spanien(Bild: AP/David J. Phillip)

Schweigeminute noch vor dem Anpfiff
Kurz bevor es dann aber so wirklich losging, bevor Schiedsrichter Ivan Barton den Anpfiff vornahm, hielten noch einmal alle inne, wurde es noch einmal ganz still: Zum Gedenken an die Opfer des barbarisch-islamistischen Terroranschlags von Nizza vor exakt 10 Jahren gab es eine Schweigeminute – mehr Infos dazu gibt’s HIER!  Während die Spanier von ihrem Trainer De la Fuente ohne jede Änderung gegenüber dem Viertelfinale gegen Belgien bei Ballbesitz im gewohnten 4-2-3-1 aufgestellt wurden, gab es bei der Elf von Frankreichs Sélectionneur Didier Deschamps zwei Änderungen gegenüber deren voriger Partie: Aurélien Tchouaméni und Bradley Barcola ersetzten bei der ebenfalls in einem 4-2-3-1 agierenden „Les Bleus“-Elf Manu Koné und Désiré Doué.

„Hochgeschwindigkeits-Belauern“
Große Torchancen, dramatische Offensiv-Aktionen oder Last-Minute-Abwehren? Nein! Damit wusste das Duell von Vizeweltmeister und Europameister zunächst nicht aufzuwarten. Auch wenn sich alle 22 Akteure auf dem Spielfeld in Sachen Ballbehandlung ohne Makel und in Sachen Zweikampf-Führung kompromisslos zeigten: Mehr als eine Art „Hochgeschwindigkeits-Belauern“ zwischen den Strafräumen fand fürs Erste nicht statt. Immerhin auffällig: Während bei den Spaniern vom Anstoß weg ihr übliches und von Rodri perfekt dirigiertes Ballbesitz-Spiel klar erkennbar war, blieb die gerne einmal schnell vertikal nach vorne drängende Offensive der Franzosen nur Stückwerk.

Kuriose Szene um Freistoß-Spray
Apropos Ballbesitz: Selbst Spanien-Goalie Unai Simón ließ sich nicht lumpen und sorgte im eigenen Sechzehner gegenüber dem heranstürmenden Kylian Mbappé mit einem Haken für den ersten Aufreger, zeigte Nervenstärke und großes Selbstbewusstsein (2.). Der zweite Aufreger war dann bald danach ein grobes Foul von Frankreichs Mittelfeld-Mann Adrien Rabiot, der nach einem Foul an der Strafraumgrenze mit Gelb gut bedient war (8.) und den Spaniern eine gute Freistoß-Chance eröffnete. Aufreger Numero drei folgte auf dem Fuße: Denn Schiri Barton hatte Pech mit seinem Freistoß-Spray, musste sich eine neue Dose vom 4. Offiziellen holen, ehe er die Mauer einrichten konnte.

(Bild: AFP/DAVID RAMOS)

Dummes Elfer-Foul, Oyarzabal trifft
Nachdem aus dem Freistoß Álex Baenas nichts geworden (10.) und ein aussichtsreicher Konter der Franzosen daran gescheitert war, dass drei Spanier den auf sich allein gestellten Mbappé gerade noch irgendwie von seinem Weg Richtung Tor abhalten konnten (16.), stellte ausgerechnet „Les Bleus“-Verteidiger Eric Digne kurz vor der Hydration Break die Weichen auf Sieg Spanien: mit einem Elfer-Foul an Lamine Yamal. Marc Cucurella war eine Flanke auf die rechte Seite eigentlich misslungen, Digne hatte den Ball abgefangen und wollte ihn wegschlagen - aber er übersah den nahenden Yamal und traf ihn an der Hüfte, klarer Elfmeter! Und Real-Sociedad-Stürmer Mikel Oyarzabel traf nach ungekünsteltem (!) Anlauf zum 1:0 für die Iberer, mit seinem 5. verwerteten Elfer im 5. Versuch im Spanien-Dress.

Der Turnierbaum:

Frankreich mit Expected-Goals-Wert von 0,04
Dass gegen Spanien in Rückstand zu geraten keine gute Idee ist, musste im Sechzehntelfinale bereits Österreich erfahren – keine Frage: bei einer objektiv gesehen nicht so gut bestückten Mannschaft wie jener von Frankreich. Und doch, es sei bereits an dieser Stelle verraten: „Les Bleus“ kamen bis zur Pause auf einen Expected-Goals-Wert von 0,04. Es gab schlichtweg kein Aufbäumen von Frankreichs Elf, die mit langsamem Umschalten nach Ballgewinnen (Tchouaméni!), fehlender Präzision im Spiel nach vorne, ungekannten Schwierigkeiten in der Ballbehauptung sowie unstrukturiertem und damit ins Leere gehendem Anlaufen kaum Wiedererkennungswert mit den vorangegangenen Partien bieten konnte.

Mehr Gefahr strahlte der regierende Europameister aus, wenngleich die Tor-Annäherungen von Dani Olmo (34.), Álex Baena (35./Abseits), Pedro Porro (37./drüber) oder Fabián (38./Dayot Upamecano rettete vor ihm) letztlich erfolglos blieben.

(Bild: AFP/FRANCK FIFE)

Franzosen mit ganz kurzem Aufflackern
Mit Wiederanpfiff wirkten die Franzosen – von ihrem Trainer Deschamps höher anlaufend aufgestellt – gewillt, gegenüber den Spaniern endlich die Oberhand zu gewinnen. Allein: Der Geist zeigte sich willig, das Fleisch dagegen schwach – wie in Hälfte 1 erwies sich die „Furia Roja“ als zu engmaschig verteidigend und bei Ballbesitz von einer Ballsicherheit beseelt, die „Les Bleus“ schlichtweg in dieser Qualität fehlte.

Nachdem der zarte Hauch eines Versuchs einer französischen Aufholjagd bald wieder erstorben war, versetzte die Elf von Coach De la Fuente dem Gegner auch den endgültigen Gnadenstoß, „guillotinierten“ Oyarzabal und Co. den Gegner endgültig: Der bereits gegen Österreich als Torschütze erfolgreich gewesene Außenverteidiger Porro drängte – vom eingewechselten Doué und von Michael Olise mehr bestaunt als attackiert – nach einem Doppelpass mit Dani Olmo in den gegnerischen Strafraum und schloss dann aus rund sieben Metern unbedrängt ins rechte Eck ab, Goalie Maignan hatte keine Chance, 2:0 für Spanien.

Yamal legt beinahe das 3:0 drauf
Die Vorentscheidung? Das konnte man in diesem Moment durchaus vermuten, hatten die Franzosen bis zu diesem Zeitpunkt doch nicht ansatzweise an das bisher im Laufe des WM-Turniers Gezeigte anknüpfen können. Und beinahe wäre es wenig später sogar 3:0 gestanden, doch der Fußball-Gott hatte ein Einsehen mit den heute ihren Nationalfeiertag begehenden Franzosen: So schön der Schuss des Barcelona-Super-Youngsters mit links gewesen war, zuvor hatte es eine Abseitsstellung von ihm gegeben (61.).

(Bild: AFP/LARS BARON)

Spanien bringt das 2:0 über die Zeit
Tatsächlich wäre ein 3:0 wohl zu viel gewesen, dem Unterschied zwischen Spanien und Frankreich auch an diesem für „Les Bleus“ vermaledeiten Abend nicht ganz entsprechend. Doch am Ende gab es nichts daran zu rütteln, dass die „Furia Roja“ ins WM-Finale einziehen würde:

  • Auch weil Verteidiger Cucurella bei einem Mbappé-Schuss aus 16 Metern gerade noch dazwischengehen konnte (67.),
  • ein „Ausflug“ von Spanien-Goalie Simón samt Fehl-Kopfball auf Doué von diesem nicht zu einem Distanzschuss ins Tor genutzt wurde (81.),
  • erneut Cucurella vor dem einschussbereiten Mbappé klärte (90.) und
  • der regierende Weltfußballer Ousmane Dembélé in der Nachspielzeit mit schwachen Schüssen direkt auf Goalie Simón zweimal scheiterte (95., 97.).

Beinahe unglaublich: Der Expected-Goals-Wert der „Équipe Tricolore“ erhöhte sich von zur Pause noch extrem kümmerlichen 0,04 bis zum Schlusspfiff gerade einmal auf 0,30 – sogar Österreich war im Sechzehntelfinale gegen Spanien auf 0,32 gekommen.

Am Ende blieb es beim 2:0 für den Weltmeister von 2010 – der nun auf einem guten Weg zu sein scheint, 16 Jahre danach erneut den Thron im Weltfußball zu erklimmen. Ob nach dem Vizeweltmeister im sonntägigen Finale der regierende Weltmeister als Gegner wartet, wird sich im zweiten Halbfinale Argentinien gegen England weisen ...

Das Ergebnis:
Frankreich – Spanien 0:2 (0:1)
Dallas/Arlington, AT&T Stadium, 70.176 Zuschauer, Schiedsrichter Ivan Barton (El Salvador)

Tore: 0:1 (22./(Elfer) Oyarzabal, 0:2 (58.) Porro

Gelbe Karten: Rabiot, Mbappe bzw. Cucurella

Frankreich: Maignan – Kounde, Upamecano, Saliba (30. Lacroix), Digne (72. T. Hernandez) – Tchouameni, Rabiot (46. Kone) – Dembele, Olise (72. Cherki), Barcola (57. Doue) – Mbappe
Spanien: Simon – Porro (83. Llorente), Cubarsi, Laporte, Cucurella – Rodri, Ruiz (77. Pedri) – Lamine Yamal, Olmo (77. Merino), Baena (83. N. Williams) – Oyarzabal (74. Torres)

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