Zwei Jahre lang wurde in steirischen Kindergärten Sozialarbeit angeboten. Eine Studie zeigt hohe Wirkung – und vermeidbare Langzeitfolgen an Schulen. Trotzdem fehlt das Geld für einen flächendeckenden Ausbau.
Eltern, die sich eine Wohnung nicht leisten können. Kinder, deren Kindeswohl zuhause gefährdet ist. Familien, in denen kaum Deutsch gesprochen wird. Eltern, die wiederum „zu“ engagiert sind: Die Themen sind vielfältig, die Probleme vorhanden.
Lücke im Kindergarten
Zwei Jahre lang hat die Caritas das Pilotprojekt „Sozialarbeit im Kindergarten“, kurz KISA, in der Steiermark angeboten (in Oberösterreich und Salzburg ebenso). „Es gibt Hilfen vor dem Kindergarten und Hilfen danach in den Schulen. Im Kindergarten selbst haben wir aber drei Jahre eine Lücke“, sagt Sozialforscher Thomas Lederer-Hutsteiner. Er hat das Projekt evaluiert. Die Studie zeigt klar: Das Kindergartenpersonal ist entlasteter, Eltern nahmen die Unterstützung dankbar an – für 81 Prozent war sie „sehr hilfreich“. Drei Viertel der befragten Eltern gaben an, dass die Beratung ihnen geholfen habe, Lösungen zu finden. Wichtig sei der niederschwellige Zugang, meint der Studienautor.
Über 1000 Familien wurde in 18 Grazer Kindergärten (einer der Caritas, vier städtische, der Rest KIB3-Pfarrkindergärten) geholfen. „Sozialarbeit im Kindergarten heißt Vertrauen zu schambehafteten Eltern aufbauen, die ihr Herz ausschütten, und skeptischen Mitarbeiterinnen sowie eine hohe Kompetenz und Qualifikation. Das sind quasi Wunderwuzzis“, so Lederer-Hutsteiner.
Betreuungsschlüssel 1:500
Eine Sozialarbeiterin, eine Sozialpädagogin und eine Frühförderin betreuten die Einrichtungen. Der berechnete Betreuungsschlüssel: 1:500. „Diesen Betreuungsschlüssel haben wir auch in Schulen“, sagt Friedrich Mayer. Er leitet in der Caritas die Schul-Sozialarbeit und betreut auch das KISA-Projekt. Dort wie da würde er sich mehr Unterstützung wünschen. „Wenn wir früher bei den Problemen ansetzen, hat das positive Langzeitfolgen. Dann kommt es später zum Beispiel zu weniger Suspendierungen an Schulen“, so Mayer. In der Steiermark hatte sich die Zahl der suspendierten Schüler heuer ja mehr als verdoppelt: auf insgesamt 226. „Eltern, Kindern und Pädagogen wird geholfen. Es ist eine ganz klare Präventivmaßnahme“, meint auch Thomas Ferk, Vizedirektor der Caritas.
Wenn es diese frühe Unterstützung im Kindergarten flächendeckend gäbe, würde sich das in geringeren Zahlen an Suspendierungen in Schulen zeigen.
Friedrich Mayer
Kampf um Finanzierung trotz klarer Vorteile
„Die Studie zeigt, wie wichtig die Sozialarbeit in der Elementarpädagogik ist, tragisch, dass die Finanzierung so schwerfällt“, sagt Walter Prügger von KIB3. Denn diese endet jetzt im Juli. Zumindest für ein Jahr wird das Projekt vom Bund nun in geringerem Umfang weiter gefördert. Doch von Stadt oder Land fließen keine Gelder. Mayer plädiert für einen flächendeckenden Ausbau. „Jeder sieht die Notwendigkeit, aber die Mittel fehlen“, resümieren die Verantwortlichen.
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