Ein betrunkener Lenker kracht in das Auto einer jungen Familie aus Steyr – doch unmittelbar nach dem Unfall passiert etwas, das den Vater bis heute tief bewegt. Fremde Menschen, ein mutiger Zeuge und Helfer mit Herz machen aus einem Albtraum eine Geschichte voller Hoffnung.
Es gibt Tage, an denen sieht man plötzlich, wie schnell alles vorbei sein kann. Eine junge Familie aus Steyr, auf dem Heimweg aus dem Urlaub in Tirol. Papa Dimitri fährt 50 km/h in einer 70er-Zone in Kremsmünster, als er kurz nach links blickt: „Ich hab’ im Augenwinkel ein Objekt heranrasen gesehen und gar nicht gecheckt, was das ist. Ich hab’ nur gewusst: Jetzt kracht’s.“ Und es kracht. Ein Kleinbus ignoriert eine Stopptafel, fährt viel zu schnell. Später wird sich herausstellen: der Lenker hatte 1,6 Promille Alkohol im Blut.
Der Vater reißt im letzten Moment das Lenkrad herum, um das Schlimmste zu verhindern: „Ich hab’ in diesem Moment nur noch an meine Tochter und meine Frau auf der Rückbank gedacht“, erzählt er. Und weiter: „Ich hab’ ein Piepen im Ohr gehört, Rauch gesehen und meine Tochter hat gesagt: ,Was war das, was war das?‘ Und dann hat sie richtig laut geweint.“ Das Auto ist schwer beschädigt, die Familie unter Schock. Und während der verletzte Papa aussteigt, fährt der Unfallverursacher einfach weiter, will flüchten.
Die andere Geschichte beginnt
Und genau hier beginnt die andere Geschichte. Ein Zeuge nimmt die Verfolgung auf, kann dem Lenker sogar den Schlüssel abziehen: „Das ist für mich der Held des Tages. Das muss man sich erst mal trauen. Man weiß ja nicht, was das für Leute sind“, so der Papa. Währenddessen kommen aus den umliegenden Häusern immer mehr Menschen zu der jungen Familie. Auch eine Krankenschwester ist dabei, alle wollen helfen – noch bevor die Einsatzkräfte da sind.
„Mehr davon“ ist die Serie für Geschichten über alles Positive, das in unserem Land passiert und meist viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Für Ideen, die anstecken. Für Menschen, die zeigen, wie es gehen kann. Sie haben etwas erlebt, gesehen oder gehört, bei dem Sie sich gedacht haben: „Davon brauchen wir mehr!“ Dann schicken Sie uns gerne Text und Fotos an lisa.stockhammer@ kronenzeitung.at
Zweijährige mit positiven Erinnerungen
Die kleine Tochter Helena (2) erinnert sich am Abend nach dem Unfall laut dem Papa nicht an den Aufprall und die Angst. Sondern daran, dass sie im Rettungswagen und im Feuerwehrauto sitzen durfte. So wurde das schreckliche Erlebnis doch noch ein Stück weit positiv – ein mutiger Zeuge, Anrainer, die sofort da sind und Einsatzkräfte, die mit ihrer Routine die Zweijährige perfekt ablenken. Und das sollte die Geschichte dieses Tages sein. Nicht der Unfall, nicht der Alkohol am Steuer. Sondern das, was danach passiert ist.
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