66 Tage sind die Tiroler Schulen nun geschlossen. So mancher Landespolitiker wird da schmunzeln. Die nächste Landtagssitzung ist erst in 89 Tagen. Zeit, auch den Politikern Noten zu vergeben.
Für fast 100.000 Schüler in Tirol begannen am Samstag die wohl vielfach herbei ersehnten Sommerferien. Es sind 66 Tage, ehe es am dann 14. September mehr oder weniger intensiv wieder losgeht.
Über 66 Tage kann eine andere Spezies nur lachen. Die Rede ist von den Politikern. Die 36 Abgeordneten zum Tiroler Landtag und acht Regierungsmitglieder haben – zumindest sitzungstechnisch – 89 Tage Pause. Am 2. Juli endete die jüngste Sitzung, die nächste ist erst für den 30. September anberaumt. Freilich ist der Fairness halber schon zu erwähnen, dass vom 16. bis 18. September bereits Ausschusssitzungen stattfinden. Selbst bis dahin wären es aber noch 75 Tage „Ferien“.
LH Mattle ist in gewisser Art der „Klassenstreber“
Bevor es in die lange Ruhepause geht, hat sich die „Tiroler Krone“ die Regierung im Detail angesehen und „Zeugnisse“ ausgestellt.
Beginnen wir bei Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP). Er steht für Fleiß, ist stets gut vorbereitet, absolviert ein fast unglaubliches Pensum an Terminen, hat ein bisschen etwas von Strebermentalität. Manchmal könnte man sogar meinen, die ÖVP sei nur mehr eine „One-Man-Show“, da sehr viele Bereiche einzig auf ihn zugeschnitten sind. Anzumerken ist bei ihm, dass weniger vielleicht mehr wäre. Gesamtnote: 2.
Eher das Gegenteil verkörpert sein 1. Stellvertreter Philip Wohlgemuth (SPÖ). Er tritt kaum in Erscheinung, (noble) Zurückhaltung prägt sein politisches Dasein. Als Landeshauptmannstellvertreter nimmt man ihn kaum wahr, als SPÖ-Chef ebenso. Er ist eher in die Kategorie „brav“ einzuordnen. Gesamtnote: 4 plus.
Josef Geisler, 2. Landeshauptmannstellvertreter (ÖVP). Er geht den Weg, den er eigentlich immer schon gegangen ist. Unaufgeregt, selten ganz im Vordergrund stehend, lieber in der zweiten Reihe und eher unauffällig Politik machend. Diese Mischung und die Macht des Bauernbundes im Rücken sind sein „Erfolgsgeheimnis“ seit nunmehr 13 Jahren in der Landesregierung. Gesamtnote: 4 plus.
Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (ÖVP). Er gehört jener Kategorie von Politikern an, die überall und doch nirgends sind, zumindest was auffallende Erscheinungen betrifft. Gerber spult viele Termine runter, wenngleich der eine oder andere eher mehr Seitenblicke- als Wirtschaftspolitik-Charakter hat. Er würde sicher gerne mehr und gewichtiger (auch in der Partei) sein, aber das scheint nicht zu gelingen. Dazu ist der Wirtschaftsbund zu schwach. Seine Gesamtnote: 3 minus.
Gegenwind nicht selten aus den eigenen Reihen
Landesrätin Cornelia Hagele (ÖVP): Sie hat mit der Zuständigkeit etwa für die Bereiche Gesundheit, Pflege und Bildung harte Bretter zu bohren. Oftmals gleitet der Bohrer schon ab, ehe er greifen konnte. Hagele spult auch ein enormes Tempo runter, was Termine angeht, nicht selten aber kommt der Gegenwind quasi schon aus der eigenen Klientel, bevor eine Idee richtig geboren wurde. Gesamtnote: 3 plus.
Landesrätin Astrid Mair (ÖVP): Zumeist eher unauffällig, setzt sie kaum echte Akzente, dabei hätte sie mit dem Bereich Sicherheit ein bei den Wählern ganz oben angesiedeltes Thema. Aber auch ihr bleibt unter LH Mattle eher wenig Luft zum Atmen. Gesamtnote: 4 plus.
Landesrätin Eva Pawlata (SPÖ): In ihrem Hauptaufgabengebiet, dem Sozialbereich, wirkt sie engagiert, hat auch immer wieder Erfolge und sicher den Zug zum Tor, wird aber oft schon in der eigenen Hälfte gebremst, wenn nicht sogar zurückgepfiffen. Bei ihr hat man manchmal das Gefühl, dass ihre anfängliche Power und Energie langsam ausgehen, weil sie zu oft gegen den Strom schwimmen und Kirchturmdenker befrieden muss. Gesamtnote: 3 plus.
Beim Thema Verkehr haben andere das Sagen
Landesrat René Zumtobel (SPÖ). Mit dem Verkehr sowie Umwelt- und Naturschutz hat er jene Themen, bei denen man nur schwer punkten kann. Zumtobel ist zweifelsfrei bemüht in der Sache, aber die Entscheidungen – vor allem beim Verkehr – treffen letztlich meist andere, auch von außerhalb Tirols kommend. Gesamtnote für Zumtobel: 3 minus.
Für die Tiroler Landesregierung ergibt das eine Durchschnittsnote von 3,25, sprich ein glattes Befriedigend. Das werden die Oppositionsparteien zwar völlig anders sehen, aber das steht auf einem anderen Blatt. Ständig kritisieren ist allemal leichter als regieren.
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