120.000 Jobs in Gefahr

VW-Sparhammer: „Mitarbeiter müssen verzichten“

Wirtschaft
11.07.2026 14:10

Der Volkswagen-Konzern hat angekündigt, ordentlich an der Kostenschraube zu drehen – vier Werken droht die Schließung, bis zu 120.000 Mitarbeiter müssen um ihre Jobs zittern. Jetzt legt ein Experte noch nach: „Die Mitarbeiter müssen verzichten“ und wieder mehr arbeiten, fordert er.

Die VW-Mitarbeiter müssen ihren Teil dafür tun, dem Riesenkonzern aus der Krise zu helfen – das findet zumindest der Auto- und Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er fordert ein Aus der 35-Stunden-Woche. Die Mitarbeiter sollen wieder 40 Stunden pro Woche arbeiten, allerdings den gleichen Lohn wie bisher bekommen. Damit könne man „das Problem der hohen Produktionskosten“ zumindest teilweise lösen, sagt der Leiter des privaten Instituts Center Automotive Research.

Für „ein paar Jahre“ solle die Tarifautonomie „weggeschmissen“ werden – also das Prinzip, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften die Arbeitsbedingungen ohne staatliche Eingriffe selbst aushandeln. „Die Mitarbeiter müssen verzichten“, fordert Dudenhöffer in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Worum es geht

  • Bei VW könnten laut „Manager Magazin“ bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut „Bild“ könnten es sogar 120.000 sein.
  • Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht den Berichten zufolge die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
  • Genaue Details hat VW aber noch nicht genannt.

Betriebsrat tobt
Dabei wissen die VW-Mitarbeiter von offizieller Seite immer noch nicht einmal von dem massiv ausgeweiteten Stellenabbauziel und den wahrscheinlichen Werkschließungen, wie der Betriebsrat am Samstag kritisiert. Konzernchef Blume habe dem Management am Freitag davon erzählt. Den  „zehntausenden betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements“ enthalte man die Information immer noch vor, wettern die Vertreter der Belegschaft. 

Der Betriebsrat hat Blume ein Ultimatum bis Freitag gestellt, Stellung zu beziehen – das ließ der VW-Boss offenbar verstreichen. Es sei „unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen und so in den Urlaub zu schicken“, kritisiert Betriebsratschefin Daniela Cavallo, wie der „Spiegel“ berichtet.

VW-Konzernchef Oliver Blume soll dem Management am Freitag von den Plänen erzählt haben.
VW-Konzernchef Oliver Blume soll dem Management am Freitag von den Plänen erzählt haben.(Bild: AFP/RONNY HARTMANN)

Blume werde in den Betriebsversammlungen nach der Sommerpause Rede und Antwort stehen müssen, kündigt der Betriebsrat an. Die Belegschaft wolle den Fokus vor allem darauf legen, ob der Vorstand die Krise „gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie.“

Radikale Schritte notwendig
Ob im Sinne der Beschäftigten oder nicht: VW müsse jetzt radikale Schritte setzen, wenn sich der Autoriese nicht selbst abschaffen wolle, sagt Experte Stefan Bratzel zum Sender NDR. Er bezweifelt allerdings, dass der Konzern wirklich vier Werke in Deutschland schließen muss. „Ich meine, dass zwei Standorte durchaus ausreichend wären“, so der Direktor des Center of Automotive Management.

„Geht sicherlich nicht um 120.000 Stellen“
Auch Automobil-Analyst Frank Schwope glaubt nicht, dass alle vier Werke schließen werden. Die Standorte in Zwickau und Emden könnten laut ihm erhalten bleiben, wie der NDR berichtet. Beim Stellenabbau beschwichtigt Schwope ebenfalls: „Es geht sicherlich nicht um 120.000 Stellen“, aber einige Zehntausend Arbeitsplätze werden laut ihm trotzdem abgebaut werden. Er rechnet damit, dass die Jobs aber erst in einigen Jahren wegfallen.

VW hat sich bisher noch nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat geäußert. Noch ist nicht sicher, was auf die VW-Mitarbeiter wirklich zukommt, Sicher ist aber: Der Graben zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung wird aktuell tiefer.

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