Keine Panik vor Homer!

Zyklopen & Götter: Der Crashkurs zu „Die Odyssee“

Society International
10.07.2026 11:24
Porträt von krone.at
Von krone.at

Christopher Nolans „The Odyssey“ wird schon jetzt als DAS Kino-Event des Jahres gehandelt. Ab 16. Juli sticht das bildgewaltige Epos endlich in See – mit Matt Damon, Zendaya, Tom Holland & Co. an Bord. Klingt nach Pflichtprogramm? Ist es auch! Nur blöd, wenn im Freundeskreis plötzlich alle über Odysseus, Zyklopen und griechische Götter fachsimpeln und Sie nur Bahnhof verstehen. 

Keine Panik: Mit unseren fünf Schummelzetteln mogeln Sie sich locker durch jede Diskussion und sind bestens gerüstet für den vermutlich größten Kino-Hit des Jahres!

Schummelzettel Entstehung: Weltliteratur aus mündlicher Tradition
Wie der Regisseur seine Version des Epos gestaltet, ist noch streng geheim. Was hingegen bekannt ist: wie Homer die berühmte Heimkehrer-Geschichte erzählt.

Neben der „Ilias“ gehört die „Odyssee“ zu den bedeutendsten und ältesten Texten der Weltliteratur. Die beiden Homer zugeschriebenen Epen aus dem achten Jahrhundert vor Christus behandeln bis dahin vor allem mündlich überlieferte Stoffe aus der späten Bronzezeit, die noch einmal Jahrhunderte zurückliegt.

Während die „Ilias“ sich mit der Schlacht um Troja auseinandersetzt, steht in der anschließend entstandenen „Odyssee“ ein siegreicher Grieche aus diesem Krieg im Mittelpunkt: König Odysseus, der Erfinder des berühmten Tricks mit dem Holzpferd, will in seine Heimat auf der Insel Ithaka zurückkehren.

Die Schlacht von Troja war der legendäre Endkampf des Trojanischen Krieges, in dem die Griechen ...
Die Schlacht von Troja war der legendäre Endkampf des Trojanischen Krieges, in dem die Griechen die Stadt Troja mithilfe des berühmten Trojanischen Pferdes eroberten und zerstörten.(Bild: Melinda Sue Gordon/Universal Pic)

Manche Geologen sind davon überzeugt, dass die Heimat des Odysseus nicht die heute als Ithaka bekannte ionische Insel ist, sondern die nahegelegene Halbinsel Paliki, wie die französische Dokumentation „Auf den Spuren von Odysseus“ von 2025 (auf Deutsch aktuell in der ZDF-Mediathek) zeigt.

Schummelzettel Personal: Heimkehrer, Wartende, Gegenspieler
Odysseus 
(im Film gespielt von Matt Damon): Der selbstbewusste Titelheld setzt sich mit List und zähem Willen gegen Monster, Götter und Verführungen durch, um nach zehn Jahren sein Haus zurückzuerobern.

Matt Damon schlüpft in Christopher Nolans „The Odyssey“ in die Rolle des legendären Helden ...
Matt Damon schlüpft in Christopher Nolans „The Odyssey“ in die Rolle des legendären Helden Odysseus.(Bild: Melinda Sue Gordon/Universal Pic)

Telemachos (Tom Holland): Schon als junger Mann muss Odysseus‘ Sohn Verantwortung übernehmen. Er verlässt Ithaka auf der Suche nach Nachrichten über den verschwundenen Vater.

Penelope (Anne Hathaway): Odysseus‘ Ehefrau hält daheim mit Klugheit die Freier auf Abstand. Um Zeit zu schinden, trennt sie nachts das Grabtuch für Odysseus‘ Vater Laertes wieder auf, an dem sie tagsüber webt.

Antinoos (Robert Pattinson): Der Rabiateste unter den Buhlern glaubt, durch Dreistigkeit und Besitznahme an die Macht auf Ithaka zu kommen.

Athene (Zendaya): Die Göttin der Weisheit und des Krieges weist immer wieder – etwa in Gestalt des alten Mentor – den richtigen Weg.

Poseidon: Der Meeresgott zürnt Odysseus, weil der sich ihm widersetzte. Er kann mit seinem Dreizack die See aufwühlen und die Erde erschüttern.

Mutter und Sohn auf der Suche nach Odysseus: Anne Hathaway als Penelope und Tom Holland als ...
Mutter und Sohn auf der Suche nach Odysseus: Anne Hathaway als Penelope und Tom Holland als Telemachos.(Bild: Melinda Sue Gordon/Universal Pic)

Schummelzettel Aufbau: verschachtelt statt chronologisch
Bei Homer setzt die Handlung mitten im Geschehen auf der Insel Ithaka ein, wo die Freier am Hof Penelope und ihren Sohn bedrängen. Auf den ersten Auftritt des Titelhelden müssen schon antike Leser eine ganze Zeit warten.

Insgesamt erstrecken sich die 24 Gesänge (ursprünglich Buchrollen) der „Odyssee“ gerade einmal über einen Zeitraum von 40 Tagen, umfassen aber die insgesamt zehn Jahre dauernde Fahrt. Homers genialer Kunstgriff: Die zahlreichen Monsterbegegnungen sind nicht chronologisch erzählt, sondern über Rückblenden eingebaut. Die zeitliche Verschachtelung der Geschehnisse um Penelope auf Ithaka mit den Abenteuerberichten des Odysseus erzeugt eine komplexe, fast moderne Mehrschichtigkeit.

Schummelzettel Abenteuer: Verführung, Gewalt, Verlust
Zyklop Polyphem (Bill Irwin)
: Dem einäugigen Monster und Sohn des Poseidon stellt sich Odysseus als „Niemand“ vor, bevor er ihn betrunken macht und blendet. Einzelne Männer der Schiffsmannschaft hatte dieser zuvor verspeist.

Kirke (Samantha Morton): Die Zauberin verwandelt einen Teil der Schiffsbesatzung in Schweine. Odysseus bietet sie sexuelle Erfüllung.

Sirenen: Die dämonischen Wesen, deren Äußeres Homer nicht beschreibt, locken mit ihrem Gesang vorbeifahrende Schiffe in tödliche Klippen. Odysseus‘ Crew entkommt, weil sie sich die Ohren mit Wachs verstopft.

Skylla und Charybdis: Sechs seiner Männer muss Odysseus der Skylla opfern, damit in der Meerenge gegenüber nicht das gesamte Schiff dem Sog der Charybdis zum Opfer fällt. Traditionell werden die beiden Monster in der Straße von Messina zwischen Sizilien und dem italienischen Festland verortet.

Kalypso (Charlize Theron): Bei der Nymphe lebt Odysseus sieben Jahre lang. Sie verspricht ihm Unsterblichkeit und ewige Jugend. Doch auf Geheiß von Göttervater Zeus muss sie ihm schließlich den Heimweg ebnen.

Mia Goth als Melantho und Anne Hathaway als Penelope in Christopher Nolans „The Odyssey“.
Mia Goth als Melantho und Anne Hathaway als Penelope in Christopher Nolans „The Odyssey“.(Bild: Melinda Sue Gordon/Universal Pic)

Schummelzettel Motiv: Heimkehr ist kein Schlussstrich
Dass Homer den Weg nach Hause so beschwerlich gestaltet, ist kein Zufall. In der „Odyssee“ geht es grundsätzlich darum, was Heimat wirklich bedeutet. Odysseus ist auf seiner Irrfahrt beständig mit dem Fremden konfrontiert und begreift gerade durch diesen Kontrast, was das Eigene ausmacht.

Heimzukehren bedeutet bei Homer weit mehr als das bloße Ankommen. Denn er zeigt Ithaka nicht als sentimentalen, idyllischen Sehnsuchtsort wie damals, als Odysseus die Insel zwanzig Jahre zuvor verlassen hatte. Vielmehr steht ein weiterer Konflikt bevor: der Kampf um die Macht. Heimkehr ist bei Homer nicht mit einem Happy End verbunden, sondern mit abstoßender Grausamkeit.

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