„Los gehts, Nige“

Warum Farage jetzt einen Mistkübel fürchten muss

Außenpolitik
10.07.2026 10:19

Der Chef der britischen Rechtspopulisten, Nigel Farage, könnte sich mit seinem Rücktritt aus dem Parlament und der Nachwahl im Bezirk Clacton ein Eigentor geschossen haben. Denn sein größter Konkurrent dürfte eine Mülltonne werden ...

Eigentlich hätte es ein gefinkelter Schachzug von Farage sein sollen: Mit seinem Rücktritt wollte er einem drohenden Ausschluss aus dem Parlament wegen umstrittener Spenden zuvorkommen. Was als Befreiungsschlag des Vorsitzenden der Partei Reform UK gedacht war, droht jetzt aber zur Blamage zu werden. Denn alle größeren Parteien weigern sich, Kandidaten aufzustellen. Übrig bleibt Count Binface, auf Deutsch „Graf Mistkübelgesicht“.

Tritt regelmäßig bei Wahlen an
Der selbst ernannte „Weltraumpolitiker“ tritt in einem Kostüm auf, das vage an Star-Wars-Bösewicht Darth Vader erinnert, und trägt einen Mistkübel als Helm. Unter der Verkleidung steckt der Komiker Jon Harvey, der seit Jahren ein regulärer Teilnehmer bei britischen Wahlen. Offiziell aufgestellt wurde er noch nicht, die Bewerbungsfrist für die Nachwahl läuft noch.

Count Binface (li.) neben Labour-Politiker Andy Burnham (m.), der Keir Starmer als Premier ...
Count Binface (li.) neben Labour-Politiker Andy Burnham (m.), der Keir Starmer als Premier ablösen will.(Bild: AP/Jon Super)

Warf den Fehdehandschuh
Count Binface warf aber bereits den Fehdehandschuh: „Los geht‘s, Nige“, schrieb er kurz nach der Rücktrittsankündigung von Farage am Dienstag in einem X-Beitrag. Dass er die Wahl tatsächlich gewinnen kann, glaubt der Spaßkandidat allerdings nicht, wie er der BBC verriet. Seine Aufgabe sei es, „die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen“, sagte er.

Dass er derjenige sei, der interviewt werde, weil die großen Parteien keinen Kandidaten bei der Nachwahl aufstellen, „sagt mehr über sie aus als über mich“, so Harvey. Auf die Frage, womit er die Einwohner von Clacton für sich gewinnen wolle, antwortete der Komiker: „Ich bin nicht Nigel Farage.“

Untersuchung droht weiter
Selbst wenn es Brexit-Vorkämpfer Farage wie erwartet gelingen sollte, das Mandat wiederzuerlangen, dürfte es fraglich sein, ob ihm die Wahl die erhoffte Legitimation bringen wird. Auch sein eigentliches Problem, eine Untersuchung zu dem Geldgeschenk von mehr als fünf Millionen Euro, wird dadurch nicht gelöst. Britischen Medienberichten zufolge wird die Untersuchung nur ausgesetzt, solange Farage dem Parlament nicht angehört.

Einen „verzweifelten Ablenkungsversuch“, nannte die britische Finanzministerin Rachel Reeves, die den Rücktritt absegnen musste, das Manöver von Farage. „Aber wenn er den Sommer damit verbringen will, sich mit einem Mülleimer zu streiten, werde ich ihn nicht davon abhalten“, kommentierte sie auf X.

Von Elmo bis Lord Buckethead
Satire-Kandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten. Die 1982 gegründete Official Monster Raving Loony Party tritt regelmäßig mit Quatschkandidaten bei Wahlen an.

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