Vier ÖGK-Außenstellen in Niederösterreich stehen auf der internen Abschussliste. Den Versicherten drohen dadurch in den betroffenen Regionen künftig längere Anfahrtswege. Bekommen die ÖGK-Sparefrohs nach Protesten von allen Seiten jetzt kalte Füße?
Dass die Österreichische Gesundheitskasse nicht allzu gut bei Kasse ist, gilt als hinlänglich bekannt. Kein Wunder also, dass Sparpläne gewälzt werden. Allerdings: Der Rotstift soll wohl wieder einmal bei Leistungen für die Versicherten angesetzt werden – diesmal beim Service.
Standorte bergen Brisanz
Reduziert werden soll die Zahl der Kundenservicestellen. In Niederösterreich, so brachte die „Krone“ in Erfahrung, stehen vier von 24 Büros auf der Abschussliste: Waidhofen an der Thaya, Mödling, Klosterneuburg und Stockerau. Alle vier Standorte bergen eine gewisse Brisanz in sich. Das Aus in Waidhofen wäre ein weiterer Kahlschlag im gerade im weiten Land so hochgehaltenen ländlichen Raum. Mödling wiederum ist Anlaufstelle in einem der am dichtesten besiedelten Ballungsräume. In Stockerau wird das neue Schwerpunktspital des Weinviertels gebaut. Und in Klosterneuburg ist die Landeshauptfrau zu Hause.
ÖGK spricht von „Modernisierung“
In der ÖGK-Zentrale gibt man sich zu diesen Plänen schmallippig: „Das Konzept ist ein Arbeitspapier, jedoch nicht beschlussreif.“ Und man umschreibt die Absicht, Außenstellen zu schließen, euphemistisch als „Überlegungen rund um Modernisierungen im Kundenservice“. Immerhin sollen mit diesen „Modernisierungen“ keine Kündigungen einhergehen, wird versichert.
„Versorgungsabbau inakzeptabel“
Außen vor gelassen wurde bei den ÖGK-Überlegungen die Landespolitik. Dementsprechend fallen die Reaktionen aus. Man sei dafür, wenn die Gesundheitskasse bei sich selbst sparen möchte, sagt ÖVP-Geschäftsführer Matthias Zauner: „Aber das darf nicht auf Kosten der Leistungen für die Niederösterreicher gehen.“ Und für die SPÖ steht fest: „Versorgungsabbau im Land ohne gleichwertigen Ersatz ist inakzeptabel. Das werden wir nicht hinnehmen!“
Ältere werden im Stich gelassen
Die Freiheitlichen orten „ein Sparen auf dem Rücken der Betroffenen in den Regionen“ und ein „Versagen der Kassenstruktur“. Vor allem ältere Menschen würden durch das Zusperren der Servicestellen im Stich gelassen. Die Grünen verweisen aufs Praktische. Wer länger im Krankenstand ist, müsse persönlich zum Kontrollarzt: „Jede Schließung von Servicestellen bedeutet längere Wege für Kranke“, betont Parteisprecherin Helga Krismer. Und die NEOS fordern von der ÖGK Transparenz bei Veränderungen ein.
Beschlüsse aufgeschoben
Die Sparefrohs in der Gesundheitskasse dürften aber vorerst einmal kalte Füße bekommen haben: Denn die beabsichtigten Schließungen der Außenstellen wurden von der Tagesordnung der nächsten Verwaltungsratssitzung gestrichen.
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