Untreue und Beihilfe

Deutsche klagen Ex-Manager von Benkos Signa an

Wirtschaft
07.07.2026 14:58

Die erste Verurteilung René Benkos ist gerade erst rechtskräftig geworden, nun stehen auch seine früheren, mutmaßlichen Mitstreiter im Fokus der Justiz: Die Berliner Staatsanwaltschaft erhob am Dienstag Anklage gegen vier Ex-Manager des zerbröckelten Immobilienkonzerns. 

Dem früheren Signa-CEO, der unter anderem federführend am sich später als Millionengrab entpuppenden „Projekt Elbtower“ beteiligt war, wirft die Berliner Justiz Untreue in vier Fällen vor, wie mitgeteilt wurde. Er war im Juni zwischenzeitlich festgenommen und unter strengen Auflagen wieder freigelassen worden. Den anderen Beschuldigten im Alter von 39, 42 und 45 Jahren wird Beihilfe zur Untreue in zwei oder vier Fällen vorgeworfen.

Millionen an Signa-Firmen transferiert?
Der 50-jährige Timo H. hatte nicht nur als Manager mehrerer Firmen der Signa-Gruppe in Deutschland und Österreich gearbeitet. 2023 soll er schließlich für eine neu gegründete Firma, die eine Immobilie weiterentwickeln sollte, verantwortlich gewesen sein. Diese Firma soll zweckgebundene Darlehen in Höhe von insgesamt 10 Millionen Euro erhalten haben.

Von Jänner bis Mai 2023 soll der Manager mit vier Überweisungen unbefugt und ohne Kenntnis der Darlehensgeber hohe Summen an andere Firmen der Signa-Gruppe transferiert haben. Der 45-jährige Angeschuldigte soll jeweils Hilfe geleistet haben. Die 42 und 39 Jahren alten Angeschuldigten sollen bei zwei Überweisungen Hilfe geleistet haben. Von den 10 Mio. Euro sollen mehr als 8,4 Mio. Euro nicht zurückgezahlt worden sein. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten. 

Millionen E-Mails ausgewertet
Das Landeskriminalamt LKA ermittelte in der Sache umfangreich, befragte zahlreiche Zeugen und wertete mehrere Millionen E-Mails, Bank-, Vertrags- und Buchhaltungsunterlagen aus, wie die Staatsanwaltschaft mitgeteilt hatte.

Benkos Signa-Konzern, zu dem etwa in Wien das „Goldene Quartier“, in Deutschland das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe sowie mehrere Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof gehört hatten, ging Ende 2023 pleite. Im März 2024 stellte Benko auch Antrag auf Privatinsolvenz, auch hier laufen bereits Verfahren.

Anklage in Italien, Ermittlungen in München
Benko selbst steht unter dem Verdacht, Vermögen verheimlicht zu haben, sodass Gläubiger, Insolvenzverwalter und Behörden keinen Zugriff darauf haben. Die Staatsanwaltschaft in Trient, Italien, erhob ebenfalls Anklage gegen Benko, die Münchner Strafverfolger eröffneten kürzlich neue Ermittlungen gegen den Rekord-Pleitier. Dieser bestreitet jedoch die Vorwürfe.

Die Karte zeigt die Standorte der Justiz-Ermittlungen gegen Rene Benko, Gründer der insolventen Signa-Immobiliengruppe, in Mitteleuropa. Ermittlungen laufen in Berlin, München, Wien, Vaduz und Trient. In Wien befand sich Benko in Untersuchungshaft. Der Prozess findet am 14. und 15. Oktober in Innsbruck statt. Quelle: APA.

Die österreichische Staatsanwaltschaft verfolgt rund 17 verschiedene Ermittlungsstränge im Zusammenhang mit der Signa-Pleite und der Privatinsolvenz. Der Oberste Gerichtshof bestätigte zu Monatsbeginn ein erstes Urteil gegen Benko und hob einen Teilfreispruch auf.

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