Landwirtschaftskammer

Jetzt tauchen neue Postenschacher-Vorwürfe auf

Salzburg
03.07.2026 22:00
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Die Landwirtschaftskammer Salzburg kommt nicht zur Ruhe: Die im Vorjahr entlassene Abteilungsleiterin erhebt jetzt laut Nachrichtenmagazin „profil“ schwere Vorwürfe. Ihre Hearing-Ergebnisse sollen manipuliert worden sein. Sie erstattete Anzeige. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück.

Nach der fristlosen Entlassung des langjährigen Direktors und einer Abteilungsleiterin im vergangenen Sommer, Bilanzverlusten im Geschäftsjahr 2025, Schulden in Millionenhöhe und einem aktuellen Streit um einen unvollständig veröffentlichten Rechnungsabschluss besteht nun auch der Verdacht des Postenschachers. Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtet, könnten Hearing-Ergebnisse manipuliert worden sein.

Die Vorwürfe werden von der entlassenen Abteilungsleiterin erhoben. Die 39-Jährige hatte sich im Frühjahr 2025 um die Nachfolge des kurz vor der Pensionierung stehenden Kammeramtsdirektors Nikolaus Lienbacher beworben. Zum Zug kam aber ÖVP-Mann Franz Wieser, ehemaliger Büroleiter zweier Salzburger Agrarlandesräte und zuletzt zehn Jahre lang Leiter des Landesmedienzentrums.

Zweitgereihte Kandidatin erstattete Anzeige
Die Frau zeigte sich überzeugt, dass sie den Posten bekommen hätte, wenn es allein um ihre Qualifikation gegangen wäre. Sie ist Juristin, absolvierte ein Wirtschaftsstudium und leitete in der Landwirtschaftskammer Salzburg zwei zentrale Fachbereiche. Dass sie nach dem Hearing nicht den Job bekam, führt sie auf „patriarchale und misogyne Strukturen“ zurück. Sie sei aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Weltanschauung diskriminiert und übergangen worden.

  Darum erstattete die Frau Anzeige gegen die Mitglieder der Hearing-Kommission – wegen des Verdachts auf Missbrauch der Amtsgewalt, Urkundenfälschung und Untreue. Nicht nur sei Wieser aus parteipolitischen Erwägungen als bestgereihter Bewerber beurteilt worden. Viel schwerer wiegt ein anderer Vorwurf: „Die Bewertungsprotokolle wurden manipuliert“, heißt es in ihrer Anzeige. Im Hearing-Verfahren seien ihr „nachträglich Punkte gestrichen“ worden.

Punkt nach Punktegleichstand abgezogen?
Das bestätigte „profil“ gegenüber auch Ex-Kammerdirektor Lienbacher. Er habe als Protokollführer im Hearing am 9. April 2025 wahrgenommen, dass es zwischen der weiblichen Kandidatin und jenem Kandidaten, der nun die Stelle des Kammeramtsdirektors erhalten hat, einen Punktegleichstand gegeben hat. Daraufhin sei der Kandidatin im Nachhinein ein Punkt gestrichen worden.

  Bei Punktegleichstand hätte laut Bundesgleichbehandlungsgesetz jedoch die Frau zum Zug kommen müssen. Nachdem die Abteilungsleiterin angekündigt hatte, sich bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft zu beschweren, wurde sie im Sommer 2025 entlassen – so behauptet sie jedenfalls. Gemeinsam mit ihr wurde damals auch Lienbacher fristlos entlassen. Grund soll eine von ihm veranlasste Überweisung in der Höhe von 38.000 Euro an die Frau gewesen sein. Beide sprachen von einer „rückwirkenden Gehaltszahlung“, laut Kammer fehlte aber die Zustimmung des Kammerpräsidenten. Die Rechtsstreitigkeiten wegen der beiden Entlassungen laufen noch.

Kammer schließt aus, dass Punkte gestrichen wurden
„Die Landwirtschaftskammer Salzburg kann ausschließen, dass es zu Streichungen von Punkten (...) gekommen ist“, heißt es in einer Stellungnahme der Kammer gegenüber „profil“. Zudem sei die Diskussion um den neuen Direktor Franz Wieser zutiefst diskriminierend. Es werde suggeriert, „dass er ausgewählt wurde, weil er Mitglied einer Partei wäre“. 

Ein Sprecher der Kammer ließ durchklingen, dass die Frau als Leiterin der Finanzabteilung auch für die Budgetierung des Jahres 2025 verantwortlich war – dabei hätten voraussehbar berechenbare Kosten in der Höhe von rund einer Million Euro keinen Niederschlag im Haushalt gefunden. „Ihre Arbeit wäre sonst sicher kritischer hinterfragt worden. Das wäre aber einer allfälligen Bewerbung um den Spitzenposten nicht zuträglich gewesen.“

Die Anzeige der Frau wird derzeit von der Staatsanwaltschaft Salzburg geprüft. Für die Mitglieder der Hearing-Kommission gilt die Unschuldsvermutung.

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