Die Wirtschaftskammer präsentierte am Freitag ein Standortgutachten für die steirische Landeshauptstadt. Graz ist zwar das wirtschaftliche Zentrum, hat aber auch viele Probleme. Mit einen 10-Punkte-Programm will man der neuen Stadtregierung Druck machen.
Die Grazer Gemeinderatswahl ist geschlagen. Die dunkelrot-grünen Stadtregierer werden wohl auch künftig am Steuer sitzen und müssen die Landeshauptstadt durch wirtschaftlich herausfordernde Zeiten lenken. „Graz steht am Scheideweg: wirtschaftliche Lokomotive der Steiermark oder schleichender Substanzverlust“, sagt Bernhard Bauer, Obmann der der WKO Regionalstelle Graz.
Gemeinsam mit dem Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) hat man ein umfassendes Standortgutachten erarbeitet, das ein gespaltenes Bild zeigt. Einerseits erwirtschaftet der Großraum Graz 46 Prozent der steirischen Wertschöpfung, 48 Prozent der Beschäftigten arbeiten hier und mit rund 60.000 Studierenden und innovativen Unternehmen ist man ein wichtiger Forschungsstandort.
Gleichzeitig ist die Arbeitslosenrate hier aber auch deutlich höher als im Rest des Landes, auch Sozialhilfeempfänger gibt es in Graz im Schnitt dreimal so viele als etwa im Murtal und die Pro-Kopf-Verschuldung ist mit 6352 Euro höher als in jeder anderen österreichischen Landeshauptstadt.
„Ohne gezielte Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Stadt-Umland-Kooperation und einen inklusiven Arbeitsmarkt droht die Standortqualität zu leiden.
IWS-Leiter Ewald Verhounig
„Wir brauchen Impulse, die die Stadt lebendig machen. Den Unternehmen, die etwas für die Stadt machen wollen, sollte eigentlich der rote Teppich ausgerollt und nicht Steine in den Weg gelegt werden“, sagt Bernhard Bauer und präsentiert – basierend auf den Erkenntnissen des Gutachtens – ein 10-Punkte-Programm mit Forderungen an die künftige Stadtregierung.
Neben großen Forderungen wie der Konsolidierung des Haushalts, einer stärkeren Kooperation mit dem Umland und einer Verwaltungsreform samt Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, fordert man etwa den Ausbau von Park&Ride-Angeboten, ein digitales Parkleitsystem, eine Neuausrichtung der Altstadtkommission und die Belebung des Murufers: „Um letzteres zu finanzieren, hat man in Maribor etwa EU-Töpfe angezapft. Das müsste man auch in Graz öfter versuchen“, fordert Bauer. Und um den Tourismus anzukurbeln möchte er die Öffnungszeiten der Gastgärten bis 24 Uhr verlängern: „In allen anderen Landeshauptstädten ist das Usus.“
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