Gute Nachrichten für die steirische Wirtschaft: Der Leiterplattenhersteller AT&S hat die Trendwende nach der Krise geschafft. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum am Standort Fehring investiert man 30 Millionen Euro bis 2027 und stellt 50 weitere Mitarbeiter an. „Das ist der erste und nicht der letzte Schritt“, verspricht CEO Michael Mertin.
„Vor einem Jahr wussten wir nicht, wie die Zukunft aussehen wird“, sagt Michael Mertin. Der deutsche Manager übernahm im Mai 2025 den Leiterplattenhersteller AT&S. In den zwölf Monaten danach hat sich der Aktienkurs des Leobener Unternehmens mehr als verzehnfacht, stieg von knapp über 17 Euro im Juli 2025 auf 199 Euro am Freitagnachmittag.
Im Werk in der steirischen „Provinz“ Fehring, wie Mertin sagt, hat man in 50 Jahren viele Aufs und Abs gesehen. Vor einem Jahr arbeiteten hier weniger als 300 Mitarbeiter, jetzt sind es 400 – und 50 weitere kommen bis 2027 dazu. Zwei ganze Reihen an Stellenausschreibungen hängen im neu gestalteten Eingangsbereich des Werks, ein seltener Anblick in der krisengebeutelten Wirtschaft. „Wir stehen am Anfang einer Wachstumsphase“, sagt Mertin. „Das ist der erste und nicht der letzte Schritt.“
Wenn wir die Stärken stärken, haben wir Chancen in Europa. Die Kunden sind froh, so eine Qualität überhaupt zu bekommen.
Michael Mertin, CEO AT&S
Wie ist der Turnaround in so kurzer Zeit gelungen? „In Fehring hatten wir gute Mitarbeiter, aber wenig Investitionen. Wir haben das als Chance und nicht als Problem gesehen.“ Nun hat man mit einer 30-Millionen-Euro-Geldspritze den Standort mit dem Hauptsitz in Leoben-Hinterberg „auf ein Niveau gebracht“.
„Kunden bezahlen das“
Aktuell habe man mehr Kunden und Anfragen, als man bedienen kann. E-Autos, KI-Rechenzentren, die Medizintechnik und nicht zuletzt auch der stark wachsende Defense-Sektor bräuchten mikroelektronische Baukomponenten. Sie werden nicht nur gebaut, sondern mit Kunden gemeinsam entwickelt. „Wir sind über Innovation besser als andere, und das bezahlen die Kunden“, sagt Mertin. Insgesamt investiert man heuer 1,2 Milliarden Euro an sechs Produktionsstandorten weltweit, „bei positivem Cashflow“.
Am Standort in der Südoststeiermark wurde ein neues, 15-köpfiges Forschungsteam etabliert, sagt Standortleiter Christopher Hermann. „Wir haben 20 Lehrlinge und nehmen im Sommer 30 Ferialpraktikanten auf. Innovation hat mit den Menschen zu tun.“ Mit Advantest und Semikron konnte man zwei neue Kunden gewinnen.
Militärischer Bereich gewinnt an Bedeutung
In der neuen Erlebniswelt probierte sich auch Industriellenvereinigungs-Präsident Georg Knill aus. „Fehring ist ein wichtiger Standort, der in die Welt hinausstrahlt“, sagt er. Im Sicherheits- und Verteidigungsbereich habe die österreichische Industrie „viel zu bieten“, um am 800 Milliarden Euro großen Kuchen in Europa mitzunaschen.
Auch die AT&S liefere Komponenten „an europäische und Nato-Länder“, sagt Mertin. „Wir sind im engen Austausch mit dem österreichischen Militär.“ Beim Aktionenkurs sieht der Manager noch weiteres Potenzial: „Das ist keine Eintagsfliege.“ Je enger und technologisch hochwertiger der Markt werde, desto größer die Chancen.
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