Österreichs Medizin-Universitäten wurden auch heuer beim Aufnahmetest gestürmt. In Innsbruck tummeln sich traditionell extrem viele deutsche Bewerber. Doch jetzt ändert sich das. Was diese spannende Entwicklung wohl bedeuten mag.
Die Messehallen in Innsbruck waren am Freitag wieder Schauplatz des Aufnahmetests für das Medizin-Studium. Insgesamt 3532 Bewerber waren für Human- und Zahnmedizin angemeldet. Nach Innsbruck kamen schließlich 2630 Willige, die sich dem schweren Test stellten. Nur 430 Testteilnehmer werden am Ende einen der begehrten Studienplätze in Innsbruck ergattern. Davon sind 75 Prozent für Bewerber mit österreichischem Reifezeugnis (inkl. Südtiroler und Liechtensteiner) reserviert.
Erstmals deutlich mehr Österreicher
In Österreich scheint der Arztberuf für junge Menschen weiter an Strahlkraft zu gewinnen. „Schon im Vorjahr hatten wir einen leichten Überhang an Bewerbern aus dem Österreicher-Kontingent gegenüber jenen aus EU-Ländern. Heuer ist dieser sehr deutlich“, legte Vize-Rektor Wolfgang Prodinger anhand einer Schautafel dar. Auch bei der Zahnmedizin – wo die Quotenregelung gefallen ist – ist der Zustrom an Österreichern gewachsen.
Warum erstmals wieder deutlich mehr Österreicher als Deutsche an die Innsbrucker Med-Uni drängen, darüber darf spekuliert werden. Trägt dazu die Diskussion um fehlende Ärzte in Österreich bei? Sehen junge Menschen deshalb hier besonders gute Jobchancen? „Das kann man durchaus vermuten“, lautet die Antwort des Innsbrucker Vize-Rektors.
Bei uns hat sich das Aufnahmeverfahren mittels Testung bewährt. Heute haben wir deutlich weniger Studienabbrecher als früher.

Wolfgang Prodinger, Vize-Rektor der Medizin-Uni Innsbruck
Bild: Christof Birbaumer
Taugt Modell der Med-Uni für andere Hochschulen
Für den Universitätsstandort Innsbruck kann die Entwicklung durchaus über die Med-Uni hinaus bedeutend sein. Ist Tirol doch ein begehrter Studienplatz bei den deutschen Nachbarn. An der zweiten Universität in Innsbruck haben über alle Studienfächer hinweg nur noch knapp 48 Prozent aller Studierenden ein österreichisches Maturazeugnis. Der Ruf nach einer Quote und mehr Aufnahmetests wie beim Medizin-Studium wird laut.
Was würde Prodinger für die anderen Unis empfehlen? Empfehlen will der Vize-Rektor in dieser heiklen politischen Frage keinem was. „Aber bei uns hat sich das Aufnahmeverfahren mittels Testung bewährt“, verweist Prodinger auf geringe Abbrecher-Quoten: „85 bis 90 Prozent der ausgewählten Bewerber schließen das Medizin-Studium auch ab.“
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