Ruf nach Quotenregel

Deutsche Studenten überrennen Tiroler Unis

Tirol
19.03.2026 18:00

„Von der Piste in den Lehrsaal!“: Dieser Slogan übt besonders auf Studierende aus dem benachbarten Deutschland magische Anziehungskraft aus. Nun fordert die erste Partei offen eine Kurskorrektur – nachdem österreichische Studiosi offenbar schon in der Minderheit sind. 

Nicht einmal ein Drittel – konkret 29 Prozent – aller neu zugelassenen Studierenden im Sommersemester kommt aus Österreich. Im Wintersemester waren es laut Erhebungen der Liste Fritz im Landtag noch 38 Prozent.

Über alle Studienfächer hinweg haben nur noch knapp 48 Prozent aller Studierenden ein österreichisches Maturazeugnis. Innsbruck hat rund 31.900 Studierende und 132.166 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Jeder vierte Einwohner ist an einer der Universitäten oder Fachhochschulen tätig.

„Bitte nicht falsch verstehen“, schickte Liste-Fritz-LA Andrea Haselwanter-Schneider am Mittwoch voraus, „wir sind stolz auf unsere Hochschulen in Tirol, allerdings stimmt die Durchmischung nicht. Oft kommen Tirolerinnen und Tiroler zu kurz“, sagt die Fritz-Abgeordnete, die das Thema kommende Woche in den Landtag bringen will.

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Aufnahmetests bringen nicht die gewünschte Wirkung. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt in Innsbruck ist zu hoch. 

Andrea Haselwanter- Schneider, Liste Fritz

Fächer mit besonderer Anziehungskraft
Es gebe einige Studienrichtungen, die von deutschen Studierenden regelrecht überrannt würden. Dazu zählten beispielsweise die Wirtschaftswissenschaften, das Sportstudium, die Psychologie oder die Architektur. Dort hat die Fakultätsleitung zuletzt die Reißleine gezogen und einen Aufnahmetest eingeführt: „Dieser ist aber leider nur beschränkt ein Mittel, um mehr Studienplätze für Österreicher zu lukrieren“, sagt LA Haselwanter-Schneider.

Familien müssen raus aus der Stadt
„Eine der sinnvollsten Maßnahmen ist die Quote. Wir fordern eine solche für alle Gesundheitsberufe. Also auch für die Psychologie und wieder für die Zahnmedizin.“ Rechtlich wäre das umzusetzen. LH Anton Mattle in seiner derzeitigen Funktion als Vorsitzender der LH-Konferenz solle Druck beim Bund machen. Andere Universitäten in Österreich werden bei weitem nicht so von internationalen Studenten überrannt. Der Druck am Innsbrucker Wohnungsmarkt sei enorm, berichtet Ersatz-GR Patrizia Nothegger: „Das trifft besonders junge Familien, die größere Wohnungen bräuchten, sie aber nicht bekommen, weil Wohnungen oft als Studenten-WG vermietet werden.“ 

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Die räumlichen, personellen und infrastrukturellen Kapazitäten der Universitäten müssen zu einer Regulierung führen.

Tiroler FP-Chef Markus Abwerzger

FPÖ verweist auf Berufsausübungspflicht
Bezüglich der Forderung der Liste Fritz hinsichtlich einer Quotenregelung nach Vorbild des Studiums der Humanmedizin für beliebte Studienfächer wie etwa Psychologie etc. Wirtschaftswissenschaften usw. zeigt sich der Tiroler FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger in einer Aussendung zustimmend.

Nach dem Studium wieder zurück ins Ausland
„Die räumlichen, personellen und infrastrukturellen Kapazitäten der Universitäten in Innsbruck müssen zu einer Regulierung führen“, stellte Abwerzger in Hinblick auf die Medizinuniversität und die Hauptuniversität in Innsbruck fest und erinnert daran, dass die freiheitliche Forderung nach einer Berufsausübungspflicht für ausländische Absolventen des Medizinstudiums in Tirol nie umgesetzt wurde. Dies habe man schon vor der Landtagswahl 2022 gefordert. „Der Engpass in der medizinischen Versorgung in Tirol steigt ja jährlich, wenn man allein Anzahl der unbesetzten Kassenstellen für Allgemeinmediziner und Fachärzte in Tirol heranzieht.“

ÖVP für Hochschulstandort, der Tirol priorisiert
Universitätssprecher Dominik Mainusch und Wissenschaftssprecher Peter Seiwald begrüßen die Unterstützung der Liste Fritz für einen Hochschulstandort, der Tirol priorisiert. Gleichzeitig warnen die beiden VP-Abgeordneten davor, die schnelle Schlagzeile statt eines Gesprächs zu suchen. „Es ist richtig und wichtig, dass die Liste Fritz die Bemühungen von Landesrätin Hagele unterstützt, Tiroler an Tiroler Hochschulen zu priorisieren.“   

Die Landesregierung zeige am Beispiel Medizinstudium den Tiroler Weg: Tragfähige Regelungen, die den Tirolerinnen und Tirolern priorisieren und jenen, die mit ihrem Studium in Tirol beitragen wollen. „Da wir uns im EU-Recht bewegen, gilt es überlegt vorzugehen, auch weil jede Regelung Südtirol gut mitdenken muss. Die schnelle Schlagzeile darf hier nicht das große Ziel sein“, stellt Peter Seiwald fest.

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