Tiefengeothermie

Heiz-Revolution für Graz nimmt weiter Fahrt auf

Steiermark
01.07.2026 18:29

Mega-Projekt von OMV und Energie Steiermark nimmt Form an: Läuft alles nach Plan, soll bis 2037 die Hälfte des Grazer Fernwärmebedarfs aus nachhaltiger Geothermie kommen.

Weg von der Gas-Abhängigkeit samt unkalkulierbaren Preissprüngen und negativen Umwelteffekten, hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung aus regionalen Quellen: Das Projekt „Tiefenkraft“ von OMV und Energie Steiermark soll die Fernwärmeversorgung für Graz revolutionieren. Und zwar mittels Tiefengeothermie, wobei natürlich vorkommende Heißwasservorräte einige Kilometer unter der Erde angezapft, ins Fernwärmenetz übertragen und dann wieder in die Tiefe zurückgeführt werden – also ein geschlossener Kreislauf.

Messungen entlang Strecke von 900 Kilometern
So manche Steirer im Großraum Graz sind in den letzten Monaten wohl Zeugen der spektakulären Vorboten des Mega-Projekts geworden: Wie berichtet, waren Spezialfahrzeuge unterwegs, um mit seismischen Messungen den Untergrund und das Tiefenwasser-Potenzial zu erkunden. Zwischen Februar und April wurden 900 Kilometer in sieben Bezirken abgeklappert.

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Der Großraum Graz sitzt auf einem sehr wertvollen Wärmeschatz, der seit Millionen von Jahren besteht. 

Berislav Gašo, Vorstandsdirektor OMV/ Geschäftsbereich Energie

Mit dem Abschluss dieser Messungen und der nun laufenden Datenauswertung sei ein erster Meilenstein geschafft, sagten die Projektverantwortlichen von OMV und Energie Steiermark am Mittwoch bei einer gemeinsamen Präsentation des Projekts „Tiefenkraft“ in Graz. „Als nächster Schritt folgt nun eine Erkundungsbohrung in St. Marein bei Graz“, so Florian Sieber von der OMV. Die Vorbereitungen sollen im September starten, Ende des Jahres die Bohrungen beginnen – vorbehaltlich der Erteilung der nötigen Genehmigungen.

Wenn man dann tatsächlich auf das erhoffte Wasservorkommen stößt, soll der Startschuss für den Bau der endgültigen Anlage mit einer Entnahme- und einer Rückführungsleitung bis in eine Tiefe von fast 4,5 Kilometern erfolgen.

„Wasser marsch“ im besten Fall im Jahr 2030
Parallel dazu würde auch die Planung der rund 20 Kilometer langen Transportleitung nach Graz beginnen, für die der Landesenergieversorger verantwortlich ist. Die Pipeline würde durchgehend unterirdisch verlaufen.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte frühestens 2030 Warmwasser Richtung Graz fließen. Ab 2037 sieht man das Potenzial bei bis zu 670 Gigawattstunden Wärmeenergie jährlich – etwa die Hälfte des Grazer Fernwärmebedarfs.

Gesamtkosten des historischen Vorhabens: 500 Millionen Euro. Für die Energie Steiermark ist ihr Anteil „das größte Einzelinvestment der Geschichte“, so Vorstand Martin Graf. „Dekarbonisierung gibt’s nicht zum Nulltarif und ist nicht frei von Risiken“, ergänzt Kollege Werner Ressi.

Chronologie
Wieso das Projekt schon auf der Kippe stand

Die Grazer Fernwärme ist noch immer stark von importiertem Erdgas abhängig – trotz einiger Schritte in die richtige Richtung (z.B. Nutzung der Abwärme von Industriebetrieben wie Sappi oder Marienhütte) und geplanter Projekte wie der Müllverbrennungsanlage in Graz oder dem Solarthermie-Wärmespeicher in Wildon.

Mit der Tiefengeothermie würde die Landeshauptstadt ihrem gesetzten Ziel, bis 2040 die komplette Heizwärme aus erneuerbaren Energien zu schöpfen, einen Riesenschritt näherkommen.

Doch im Herbst letzten Jahres stand das Vorhaben plötzlich auf der Kippe: Wie berichtet, stoppte die OMV das Projekt Anfang November plötzlich mit der Begründung, dass seitens der Stadt Graz nötige Beschlüsse fehlen würden. Dabei ging es angesichts des Investitionsvolumens von rund 500 Millionen Euro um beträchtliche Haftungen, die Graz nicht bereit war einzugehen.

Kaufangebot als Kalkül?
Die Nachricht sorgte für großen Wirbel – und unmittelbar danach zündete die Energie Steiermark die nächste Bombe: Der Landesenergieversorger legte der Stadt ein Übernahmeangebot für die Fernwärmesparte der Energie Graz vor. Die Stadt lehnte einen Verkauf kategorisch ab und ortete ein abgestimmtes Vorgehen, um die Übernahme des Grazer Energieversorgers zu erzwingen.

Damit herrschte erst einmal Funkstille und das Projekt lag auf Eis. Während dann doch wieder langsam Gespräche aufgenommen wurden, ging die Energie Steiermark Anfang des Jahres quasi in Vorleistung und startete die seismischen Messungen. Im Frühjahr folgte dann aber doch noch die Einigung: Im Wesentlichen geht es darum, dass die Stadt Graz nur mehr eine Art „Risikoprämie“ – 35 Millionen Euro über zehn Jahre – zahlt und sich zur Abnahme der produzierten Wärme verpflichtet. 

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