„Leoparden“ besiegt

Kane-Doppelpack! England dreht Partie gegen Kongo

Gut gebrüllt, „Löwen“ – England hat bei der Fußball-WM nach zuletzt nicht gerade in die Annalen der Geschichte eingegangenen Vorrunden-Partien gegen das Team der DR Kongo wenn schon kein hochklassiges, so doch ein hochdramatisches Spiel abgeliefert! Die „Three Lions“ setzten sich dank eines Doppelpacks von Harry Kane gegen die „Leoparden“ nach 0:1-Rückstand noch mit 2:1 durch und machten dadurch „fette Beute“ – indem sie das Ticket für den Einzug ins WM-Achtelfinale eroberten. In diesem treffen sie nun auf WM-Co-Gastgeber Mexiko, gegen den man seit über 67 (!) Jahren nicht mehr verloren hat ...

60 Prozent Luftfeuchtigkeit bei 34 Grad Celsius im Freien unter der mittäglich-gleißenden Sonne Georgias gegenüber den 22 Grad Celsius im wohltemperierten (Hallen-)Inneren des Mercedes-Benz-Stadiums von Atlanta – nicht, dass es etwas geholfen hätte, aber Protest dagegen, dass das Dach der WM-Arena während der 8. Sechzehntelfinal-Partie geschlossen blieb und man das Wirken der kühlenden Klimaanlage an den eigenen Leibern zu spüren bekam, gab es natürlich weder von den Spielern noch von den Fans.

Das Team von England
Das Team von England(Bild: AFP/ROBERTO SCHMIDT)
Das Team der Demokratischen Republik Kongo
Das Team der Demokratischen Republik Kongo(Bild: AFP/ODD ANDERSEN)

DR Kongo geht nach 6:27 Minuten in Führung
Einer weiteren Abkühlung hätte es dann gerade aus Sicht der von ihrem Teamchef Thomas Tuchel klassisch in einem 4-2-3-1 aufgestellten „Three Lions“ kaum bedurft, eine zusätzliche „kalte Dusche“ wurde ihnen dann doch sehr früh spendiert. Gerade einmal 6:27 Minuten waren seit dem Anpfiff von Schiedsrichter Adham Makhadmeh vergangen, da gingen die sich bei Ballbesitz in einem 4-3-3 formierenden „Leoparden“ aus Zentralafrika mit 1:0 in Führung.

Nach einer weiten Flanke von Team-Captain Chancel Mbemba kamen weder der eingerückte Außenverteidiger Djed Spence noch Stürmer Noah Sadiki an den Ball – im Gegensatz zum von der verwaisten rechten Abwehrseite nach innen ziehenden Brian Cipenga, der England-Keeper Jordan Pickford mit einem Schuss ins kurze Eck düpierte. Bei allem Respekt vor dem Schlussmann der „Three Lions“: Trotz der Schärfe hätte er den Ball durchaus abwehren können – ja, wohl müssen …

Jordan Pickford
Jordan Pickford(Bild: AFP/MICHAEL REAVES)

Lauf- und kampfstarke „Leoparden“ 
So oder so: Bereits vor dem Treffer hatte die von Tuchel gegenüber dem Vorrunden-Finale gegen Panama an drei Stellen veränderte Startformation – Declan Rice, Spence und Noni Madueke kamen für Jarell Quansah, Morgan Rogers und Bukayo Saka – recht pomadig agiert, das Team der DR Kongo relativ ungestört in die Partie kommen lassen. Ohne ein Geheimnis verraten zu wollen: Besser wurde es fürs Erste nicht, was die Engländer auf den Rasen „zauberten“ – die Ballbesitz-Quote konnte man zwar bald einmal in die Höhe schrauben, auch nur ansatzweise Gefahr ausstrahlende Aktionen schauten allerdings gegen die lauf- und kampfstarken „Leoparden“ nicht heraus.

„Hydration Break“ entfaltet wieder einmal magische Wirkung
Und so kam es, wie es kommen musste, wieder einmal entfaltete die „Hydration Break“ ihre magische Wirkung, wieder einmal konnte ein Trainer die Pause für einen kompletten Neustart nutzen, in diesem Fall Tuchel. Auch ohne erkennbare formale Umstellung agierten die Engländer nun zielstrebiger, aggressiver und geradliniger – zumindest über weite Strecken. Plötzlich gab es auch Chancen für das Team, das sich heute vor 21.887 Tagen zum Weltmeister gekürt hatte, allein zwischen der 30. und 35. Minute hatten die England-Fans dreimal einen Tor-Schrei auf den Lippen.

  • Erst schoss der am Fünfer freistehende Ezri Konsa rechts daneben, nachdem ein Rice-Freistoß von der rechten Seite etwas überraschend bis zu ihm durchgedrungen war (30.).
  • Dann kam Jude Bellingham nach einer weiten Spence-Flanke aus dem Halbraum zum Kopfball, doch „Leoparden“-Goalie Lionel Mpasi konnte parieren (32.).
  • Der Abschluss der Chancen-Trilogie Englands gehörte schließlich Marcus Rashford, dessen Schuss aufs kurze linke Eck nach einer durchgerutschten Flanke eigentlich den Ausgleich hätte bedeuten müssen – doch weil Ex-ManUnited-Profi Aaron Wan-Bissaka genau dort stand, blieb Ex-ManUnited-Profi Rashford der Tor-Jubel im Halse stecken (35.).

Kurz vor der Pause ging es dann auf beiden Seiten noch einmal richtig rund: Erst waren es wieder einmal die Kongolesen, für die Yoane Wissa eine abgefälschte Flanke von Wan-Bissaka von sechs Meter vor dem Tor an die rechte Stange setzte (42.), und dann gab es nach einem Steilpass auf Kane und Mpasis Einschreiten Elfer-Alarm im Kongo-Strafraum (43.), aber keinen Elfer – mehr Infos dazu gibt’s HIER! Weil der Kongo-Keeper Mpasi im Anschluss noch zweimal gegen Bellingham (45.+2 und 45.+6) sowie einmal gegen Kane (45.+6) rettete, blieb es in der Folge beim 1:0 für den Außenseiter - was die Expected-Goals-Werte anbelangt, wäre die Partie zu diesem Zeitpunkt schon gedreht gewesen (1,26 vs. 0,69) …

(Bild: AP/Colin Hubbard)

England bleibt nach Wiederanpfiff am Drücker
‘Ohne personelle Wechsel, aber auch ohne Wechsel in Sachen Momentum ging es nach der Pause weiter – weltmeisterlich war es zwar weiterhin nicht, was die Engländer zeigten, Engagement und den Willen zum Offensiv-Spiel und zum Sieg konnte man den „Three Lions“ inzwischen aber zumindest seit der „Hydration Break“ nicht mehr absprechen. Anders als zu Beginn der ersten Spielhälfte stellte man sich nun auch gleich nach Wiederbeginn mit Chancen ein, Rashford (52./Außennetz), Bellingham (54./Mpasi und Mbemba klärten im Verbund) verpassten den Ausgleich zunächst aber.

Sébastien Desabre, Teamchef der DR Kongo, musste von der Coaching-Zone aus mitansehen, wie seine hellblau-gewandeten Mannen zwar aufopferungsvoll verteidigten, aber immer seltener gefährliche Nadelstiche in der Offensive setzen konnten. Immerhin: Ein abgefälschter Weitschuss von Nathanaël Mbuku ließ den Blutdruck von Tuchel kurz in lichte Höhe schnellen, ging aber drüber (63.).

Harry Kane
Harry Kane(Bild: AP/Colin Hubbard)

Tuchel nutzt „Hydration Break“ erneut perfekt aus
Der langsam, aber sicher etwas nachlassenden Druckphase wusste der frühere Dortmund- und Bayern-Trainer aber in der zweiten „Hydration Break“ neues Leben einzuhauchen. Wie bereits in Hälfte 1 legten die Engländer nach der Trinkpause wieder einen Gang zu – und bald war es dann auch so weit: Einer zunächst an Freund und Feind vorbeigesegelten Flanke von rechts ließ der eingewechselte Anthony Gordon eine Wiederbelebung angedeihen und die nun von links kommende Flanke verwertete Goalgetter Kane per Kopf aus sechs Metern ins linke Eck (75.) – England war nun wieder im Spiel.

Vielbeinige kongolesische Abwehr-Hydra
Und schien doch klar auf Kurs Verlängerung, weil Mbemba und Co. zwar nun zeitweise stehend k. o. wirkten, aber dennoch weiter einer vielbeinigen Hydra gleich wegverteidigten, was wegzuverteidigen war. Auch in Minute 86 schien der kongolesische Abwehr-Verbund zunächst erfolgreich eine Aktion der Engländer zunichtegemacht zu haben, als Mpasi aus spitzem Winkel gegen Bellingham erfolgreich blieb. Doch im Rückraum nahm sich Gordon des Abprallers an, dribbelte zur Strafraum-Grenze und passte dann genial zu Kane – der verschaffte sich mit zwei, drei schnellen Schritten nach rechts Raum und zog aus 14 Metern mit dem Zorn eines aus seiner Sicht früh um einen Elfer betrogenen Stürmers ab.

Das Spiel war nun gedreht, England stand auf einmal im Achtelfinale der WM – und sollte es auch bleiben, denn abgesehen von einem aus 24 Metern über das Gehäuse von Pickford gejagten Freistoßes hatten die Zentralafrikaner nichts mehr anzubieten – womit sie übrigens die Kräfteverhältnisse der Tier-Welt bestätigten: Denn auch in dieser gehen Leoparden normalerweise als Verlierer vom Platz, wenn sie sich mit einem Löwen einlassen …

Das Ergebnis:
England – DR Kongo 2:1 (0:1)
Atlanta, Mercedes-Benz Stadium, 68.239 Zuschauer, Schiedsrichter Adham Makhadmeh

Tore: 1:0 (7.) Cipenga, 1:1 (75.) Kane, 2:1 (86.) Kane

Gelbe Karten: Bellingham bzw. Sadiki

England: Pickford – Spence (70. Eze), Konsa, Guehi, O‘Reilly – Anderson, Rice (91. Stones) – Madueke (60. Saka), Bellingham, Rashford (60. Gordon) – Kane
DR Kongo: Mpasi – Wan-Bissaka, Mbemba, Tuanzebe, Masuaku (89. J. Kayembe) – Mukau (76. E. Kayembe), Moutoussamy (89. Mayele), Sadiki – Mbuku (64. Elia), Wissa, Cipenga (76. Bongonda)

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