Nach einem öffentlich ausgetragenen – und noch immer ungelösten – Streit um Finanzierung und Haftung erfolgt dieser Tage der Startschuss für das Geothermie-Großprojekt der OMV für Graz: Seismik-Lkw starten im Osten der Steiermark und sondieren bis April den Untergrund rund um die Landeshauptstadt, um das Potenzial für das Erdwärme-Projekt zu erkunden.
Die Spezialfahrzeuge erzeugen vorwiegend entlang der öffentlichen Straßen Schwingungen. Die Reflexionen der tiefen Gesteinsschichten werden dann mit sogenannten Geophonen aufgefangen und aufgezeichnet. Die erzeugte Vibration ist laut OMV mit natürlichen Bodenschwingungen vergleichbar und habe daher keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt.
Hoffnungsprojekt für Grazer Fernwärme
Mit dem Wissen über die Heißwasser-Standorte könne man das Projektrisiko senken, so die Energie Steiermark. Sollte sich das vermutete Potenzial bestätigen, könnte die OMV gemeinsam mit Energie Steiermark und Energie Graz die langfristige Gewinnung von Tiefen-Wärme für den Großraum Graz auf die Beine stellen. So lautete jedenfalls der ursprüngliche Plan, bis es um Haftungen ging, für die die Stadt Graz nicht aufkommen wollte.
Im Vorjahr kippte das Projekt, die Energie Steiermark will jedoch weiterhin das Potenzial erkunden und übernimmt daher nun die Vorfinanzierung für die seismischen Messungen in Höhe von rund fünf Millionen Euro. Insgesamt geht es um ein Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro, im Erfolgsfall soll der Grazer Fernwärmebedarf ab 2030 gut zur Hälfte abgedeckt sein.
Drei Seismik-Teams fahren ingesamt 900 Kilometer ab
Mit den Messungen soll der Untergrund in 700 bis 3500 Meter Tiefe untersucht werden. Begonnen wird im oststeirischen Becken, in Feldbach und Riegersburg starten die Messungen bereits dieser Tage. Auch die Bezirke Weiz, Südoststeiermark, Leibnitz, Graz-Umgebung, Graz, Voitsberg und Deutschlandsberg werden durchleuchtet. Die Messungen erstrecken sich über eine Gesamtlänge von rund 900 zu fahrenden Kilometern, drei Lkw-Teams sind parallel im Einsatz.
Der aktuelle Messfortschritt ist online auf einer Karte abrufbar. Dort werden alle Straßenabschnitte angezeigt, in denen Messungen geplant sind, innerhalb der nächsten 48 Stunden stattfinden oder bereits abgeschlossen wurden. In den Bereichen, in denen die Seismik-Lkw im Einsatz sind, ist laut OMV mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Haftungsfrage ungeklärt
Das Projekt war im November überraschend gestoppt worden, da Beschlüsse der Stadt Graz fehlten. Knackpunkt war die Haftungsaufteilung. Im Büro von Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) hieß es, dass Graz „die uneingeschränkte Haftung zu tragen gehabt hätte“. Ein Angebot der Energie Steiermark, die städtische Fernwärmesparte der Energie Graz zu kaufen, wurde abgelehnt. Es folgten weitere Gespräche zwischen Energie Steiermark und Stadt Graz, die nun zu den Messungen geführt haben. Die Haftungsfrage ist weiterhin ungeklärt.
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