Ohne Wasser und Essen

Ukrainische Soldaten senden Hilferuf von der Front

Ausland
13.08.2026 09:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die ukrainische Armee hat zuletzt im russischen Hinterland zahlreiche erfolgreiche Drohnenangriffe gegen strategisch wichtige Ziele durchführen können, doch an der Front wird es zunehmend schwieriger ausreichende Soldaten zu stellen bzw. Verwundete und erschöpfte Kameraden abzulösen. Nun verbreitet sich in der Ukraine ein Video in den sozialen Medien, in welchem Soldaten um Wasser, Nahrung und Hilfe flehen.

Konkret geht es um die 121. Territorialverteidigungsbrigade, die im Süden des Landes in der Region Saporischschja stationiert ist. Mehrere Soldaten der Einheit, die seit vier Monaten dort stationiert sind, richtet einen Hilferuf an die Armeeführung. Kommandant Anatolij Saitschuk beklagt in dem Video, dass seine Mannschaft viele Tage ohne Essen oder Wasser auskommen müssten. Die versprochene Ablöse sei auch nicht erfolgt.

Seinen Angaben zufolge hatten die Soldaten sogar einmal zwölf Tage lang kein Wasser und hätten angefangen, ihren eigenen Urin zu trinken. Der Unterschlupf, von dem Saitschuk das mittlerweile viral gewordene Video aufgenommen hat, haben er und seine Männer selbst gebaut – „weil alle Stellungen zerstört wurden“. Der sichtlich gezeichnete Kommandant wirft seinen Vorgesetzten vor, sowohl Soldaten als auch deren Familien angelogen zu haben. Die Versorgung mittels Drohnen funktioniere keineswegs.

Armeeführung versucht, Problem herunterzuspielen
Die Authentizität der Aufnahme ist von der 121. Territorialverteidigungsbrigade bestätigt worden. Die Einheit versucht aber, die Probleme herunterzuspielen. Es handle sich zwar um einen „schwierigen und dynamischen Teil der Front“, doch zeige das Video lediglich einen „isolierten Teil eines komplexen Umfeldes“.

Man unternehme zudem „alle notwendigen Schritte“, um die Soldaten zu versorgen und abzulösen, wird betont.

Der Nachschub lässt an der Front oft lange auf sich warten. Diese beiden Soldaten der ...
Der Nachschub lässt an der Front oft lange auf sich warten. Diese beiden Soldaten der Mechanisierten Brigade in Saporischschja haben ihre neue Ausrüstung erhalten.(Bild: AP/Andriy Andriyenko)

Drohnen und Raketen verhindern Bewegungen der Truppen
Während Kämpfe am Boden in der Sackgasse stecken, weil sich die Streitkräfte auflauern und auf jeden Versuch eines Vorstoßes des Gegners mit Drohnenattacken reagieren, werden Drohnen und Raketen immer wichtiger im Ukraine-Krieg. Und hier hat die Ukraine Russland zuletzt ziemlich unangenehme Nadelstiche verpasst.

Ukrainische Drohnen treffen nämlich seit Wochen immer wieder Ölraffinerien und Logistikzentren des größten russischen Online-Versandhandels Wildberries. Es gibt wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe, die Moskaus Kriegswirtschaft treffen. Russland verliert Einnahmen aus dem Ölexport, das Haushaltsdefizit wächst. Die Menschen klagen über Benzinknappheit. Der Rubel verliert an Wert – und ist aktuell so schwach wie seit Monaten nicht mehr.

Krieg ist schon längst auch bei Russen angekommen
Der Ukraine gelingt es, mit ihren Angriffen zusätzlich zu westlichen Sanktionen Russlands Kosten für seinen Krieg weiter in die Höhe zu treiben. Präsident Selenskyjs erklärtes Ziel ist es, den Krieg nach Russland zurückzutragen. Das wirkt vor allem psychologisch bei den Menschen – auch weil es in den sozialen Netzwerken und anderen Medien eindrucksvolle Bilder von Großbränden in Russland gibt. Stärkere Auswirkungen auf die Logistik des russischen Militärs wurden aber nicht bekannt.

Selenskyj will auch durch weiteren militärischen Druck Kremlchef Putin an den Verhandlungstisch zwingen. Bisher aber ist nicht in Sicht, dass die Strategie aufgeht. Vielmehr registrierte das unabhängige russische Meinungsforschungszentrum Lewada zuletzt wieder eine steigende Zahl derer, die eine Fortsetzung des Krieges befürworten. Zugleich will laut Lewada aber weiter mehr als die Hälfte der Russen Friedensverhandlungen.

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