Kaum Bewegung an Front

Russlands Heer könnte den Donbass 2027 erobern

Außenpolitik
14.08.2026 18:05
Porträt von krone.at
Von krone.at

An der Frontlinie im Ukraine-Krieg wird seit Monaten kaum Bewegung verzeichnet. Stattdessen haben beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensiviert, mit empfindlichen Treffern im Hinterland. Dennoch sei die Lage am Boden entscheidend, sagte der Militärexperte Dmitri Kusnez.

Beim aktuellen Tempo hält er die vom Kreml geplante Eroberung des Gebiets Donbass 2027 für möglich. Derzeit konzentriert sich das russische Militär vor allem auf die weiter unter ukrainischer Kontrolle stehenden Teile des Gebiets Donezk (gehört gemeinsam mit Luhansk zum Donbass, Anm.) um die Städte Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka. Die ukrainischen Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten verhindern dort große Frontdurchbrüche.

Insgesamt eroberte das russische Heer seit Jahresbeginn mehr als 700 Quadratkilometer, wie Militärbeobachterinnen und Militärbeobachter von DeepState angeben. Die Ukraine hat laut Präsident Wolodymyr Selenskyj aber etwa die gleiche Fläche zurückerobert. Die Frontlinie, an der kaum Bewegung verzeichnet wird, ist ungefähr 1200 Kilometer lang.

Das ukrainische Militär greift derzeit immer wieder den Online-Versandhandel Wildberries an.
Das ukrainische Militär greift derzeit immer wieder den Online-Versandhandel Wildberries an.(Bild: EPA/STRINGER)

Selenskyjs Strategie geht derzeit nicht auf
Ukrainische Drohnen treffen seit Wochen immer wieder Ölraffinerien und Logistikzentren des größten russischen Online-Versandhandels Wildberries. Der wirtschaftliche Schaden beträgt Milliarden. Der Kriegsgegner verliert damit Einnahmen aus dem Ölexport, das Haushaltsdefizit wächst, die Menschen klagen über Benzinknappheit. Selenskyjs erklärtes Ziel ist es, den Krieg nach Russland zurückzutragen. Zudem will er Kremlchef Wladimir Putin durch weiteren militärischen Druck an den Verhandlungstisch zwingen. Bisher ist nicht in Sicht, dass diese Strategie aufgeht.

Viele Russen wollen Friedensverhandlungen
Laut dem unabhängigen russischen Meinungsforschungszentrum Lewada will mehr als die Hälfte der Befragten Friedensverhandlungen mit der Ukraine. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl der Russinnen und Russen gestiegen, die eine Fortsetzung des Kriegs befürworten. „Druck bewirkt keine Änderung der Position Putins“, sagte die Politikexpertin Tatjana Stanowaja. In dessen Logik werde auf wachsenden Druck, auch vom Westen, nur noch radikaler reagiert. „Die neue Qualität führe zu „einer allgemeinen Eskalation, einer geringeren Vorhersehbarkeit und wachsenden Risiken einer noch größeren geografischen Ausdehnung des Konflikts“, warnte Stanowaja.

Laut mehreren Analystinnen und Analysten ist der Abnutzungskrieg weder für die Ukraine noch für Russland zu gewinnen.

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