Hoffnung auf Frieden?

Südkorea macht Kim ein überraschendes Angebot

Außenpolitik
15.08.2026 09:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es ist ein neuer Versuch, die festgefahrenen Beziehungen auf der koreanischen Halbinsel zu durchbrechen: Südkoreas Präsident Lee Jae Myung hat Nordkorea direkte Gespräche über einen Friedensvertrag angeboten. In einer Ansprache zum koreanischen Unabhängigkeitstag rief er Pjöngjang dazu auf, die gegenseitigen Drohungen zu beenden.

„Lasst uns unsere Absichten ablegen, einander zu bedrohen, und Gespräche aufnehmen, um diesen langen Krieg zu beenden“, sagte Lee am Samstag. Südkorea und Nordkorea befinden sich offiziell noch immer im Kriegszustand. Der Koreakrieg endete 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand.

Lee bekräftigte damit ein Angebot, das er bereits in den vergangenen Monaten gemacht hatte. Nordkorea hat darauf bisher nicht reagiert. Durch direkte Verhandlungen könnten nach Ansicht des südkoreanischen Präsidenten auch Maßnahmen besprochen werden, um die Entwicklung der nordkoreanischen Atomwaffenfähigkeiten zu stoppen.

Anders als sein Vorgänger setzt Lee seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr auf eine Annäherung an den nördlichen Nachbarn. Die Beziehungen zwischen Seoul und Pjöngjang bleiben allerdings angespannt. Nordkorea bezeichnet Südkorea als seinen ärgsten Feind und hat sich selbst zur „unumstößlichen“ Nuklearmacht erklärt.

Nordkorea rückt näher an Russland
Auch international hat sich die Lage verändert. Nordkorea ist in den vergangenen Jahren enger an Russland herangerückt. Beobachtern zufolge unterstützt Pjöngjang Moskau im Krieg gegen die Ukraine mit Truppen und Munition. Im Gegenzug erhält das international isolierte Land demnach Zugang zu Geld, Lebensmitteln, Energie und militärischer Technologie aus Russland. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un soll in den kommenden Monaten nach Moskau reisen, möglicherweise um weitere Waffenlieferungen zu besprechen.

Ein früherer Versuch, Nordkoreas Atomprogramm auf diplomatischem Weg zurückzudrängen, war 2019 gescheitert. Damals verhandelte US-Präsident Donald Trump mit Kim Jong Un über die Zerstörung der nordkoreanischen Atomwaffen. Im Gegenzug waren Lockerungen der strengen US-Sanktionen im Gespräch.

USA bleiben wichtigster Verbündeter
Für Südkorea sind die USA der wichtigste Verbündete. Rund 28.500 US-Soldaten sind in dem Land stationiert. In der kommenden Woche soll eine elftägige gemeinsame Militärübung beginnen, die offiziell der Vorbereitung auf eine mögliche Verteidigung gegen Nordkorea dient.

Parallel dazu verschärfte Nordkorea zuletzt auch den Ton gegenüber Japan. Das Land war von 1910 bis 1945 Kolonialmacht auf der koreanischen Halbinsel. Nach Angaben aus Tokio und Seoul feuerte das nordkoreanische Militär im August bereits zweimal eine ballistische Rakete über das Meer in Richtung Japan. Zuvor hatte die japanische Regierung angekündigt, ihre Streitkräfte aufzurüsten.

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