Marokko schrieb 2022 mit seinem Einzug ins WM-Semifinale gegen Frankreich afrikanische Fußball-Geschichte. Gegen die Niederlande wartet in der Nacht auf Dienstag das erste K. o.-Spiel bei dieser WM. Der Erfolg der Marokkaner kommt nicht von ungefähr – der afrikanische Kontinent hat sich fußballerisch gemausert, überzeugt auch beim Turnier in Amerika bislang voll. . .
Der ivorische Fußball sei „ein bisschen unorthodox“, „ein bisschen wild“ und „vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt.“ Bastian Schweinsteiger eckte mit seinen Aussagen im TV über den „afrikanischen Fußball“ zuletzt an, geriet heftig in die Kritik. Sogar Rassismus wurde dem deutschen ehemaligen Teamspieler vorgeworfen.
„Ich habe über Fußball gesprochen, nicht über Menschen. Das ist eine Fußballanalyse. Nicht mehr und nicht weniger“, versuchte er wenige Tage später die Wogen zu glätten.
Nur Tunesien tanzte aus der Reihe
Eines ist jedenfalls Fakt: Der afrikanische Kontinent liefert bisher bei der WM am Platz voll ab! Mit Marokko, Senegal, Elfenbeinküste, der Demokratischen Republik Kongo, Kap Verde, Ägypten, Algerien und Ghana haben noch acht (!) afrikanische Teams die Chance aufs Achtelfinale. Dazu schaffte ja auch Südafrika den Sprung in die K. o.-Phase, scheiterte am Sonntag dann mit 0:1 gegen Kanada.
Damit ist Afrika im Vergleich auch der zweitstärkste Kontinent: Neun von zehn Teams – nur Tunesien flog vorzeitig raus – haben die Gruppenphase überstanden. Stärker ist nur Europa mit 13 von 16 Mannschaften. Während von den nord- und südamerikanischen Teams nur vier den Sprung in die Top 32 versäumten, hat Asien viel größere Probleme: Mit Japan und Australien (zählt im ozeanischen Verband dazu) gibt‘s nur noch zwei Vertreter. Gleich acht mussten schon in der Gruppenphase die Segel streichen.
Rasanter Aufstieg in acht Jahren
Blickt man zurück, hat Afrika im Lauf der letzten Jahre stark zugelegt. Zum Vergleich gab‘s bei der WM 2018 in Russland lediglich fünf afrikanische Mannschaften (von damals nur 32), die dabei waren – keine einzige überstand die Gruppenphase. Von 15 Partien gab‘s lediglich drei afrikanische Siege.
Bis zur WM 2022 in Katar hatten es überhaupt erst drei afrikanische Teams in ein Viertelfinale geschafft: Kamerun 1990, Senegal 2002 und Ghana 2010. Marokko gelang schließlich das, was keinem afrikanisches Land je zuvor gelungen war – der Semifinaleinzug mit Siegen über Belgien, Spanien und Portugal. Patrice Motsepe, Chef des afrikanischen Verbandes (CAF) sieht die Gründe in der „harten Arbeit und den Investitionen in die Entwicklung des Nachwuchs-Fußballs, des Trainings und der Professionalisierung der Ligen.“
Marokko als Blaupause
Der ehemalige nigerianische Kapitän William Troost-Ekong hatte gegenüber BBC Sports Afrika gesagt: „Marokko hat eine Blaupause dafür geschaffen, wie es gemacht werden kann, und das bedeutet jahrelange Investitionen in den Breitenfußball und in Akademien. Marokko hat nicht nur Geld investiert, sondern auch Zeit und Mühe, mit einer klaren Vorstellung davon, wie sie vorankommen können. Die Einrichtungen, die sie haben, die Konstanz über alle Altersgruppen hinweg – ich denke, das ist die einzige Blaupause, der man folgen kann.“
Ob Marokko das Kunststück von 2018 wiederholen kann? Als Sechster (!) der FIFA-Weltrangliste liegen Achraf Hakimi und Co. sogar einen Platz über dem Sechzehntelfinalgegner Niederlande – einen klaren Favoriten gibt‘s zumindest am Papier nicht.
Asien mit Aufholbedarf
Auf der anderen Seite der Medaille ist Asien, das voll im tiefen Fall ist. Von fünf direkten Duellen mit afrikanischen Teams konnte kein einziges gewonnen werden. Von 27 Gruppenspielen mit asiatischer Beteiligung gab es nur drei (!), die auch mit einem asiatischen Sieg endeten. Lediglich Japan und Australien haben es aus der ozeanischen Konföderation ins Sechzehntelfinale geschafft.
„Bis auf Japan, Australien – und vielleicht den Iran – müssen sich alle steigern“, hatte Usbekistans Coach Fabio Cannavaro nach deren Ausscheiden durch die Niederlage gegen Kongo gemeint.
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