Ein Vierteljahrhundert gibt es das Museumsquartier in Wien nun. Bei der großen Jubiläumsausstellung und anderen Feiern zum 25er bleiben die einstigen Konflikte um das Projekt, das in seiner ursprünglichen Form zurecht den Zorn der Wiener auf sich zog, nicht ausgespart.
In den Jahren seit der Eröffnung am 29. Juni 2001 ist das Museumsquartier für Wiener zur Selbstverständlichkeit und zum fixen Anlaufpunkt für Kultur und Freizeitgestaltung in der Stadt geworden. Nur wenige der „Generation MQ“ wissen, dass das jetzige bunte Leben in den Höfen nur durch einen empörten Schulterschluss gegen die ursprünglichen Pläne möglich wurde: Für Enzis, Schanigärten und mehr wäre in den Entwürfen kein Platz gewesen.
Das „österreichische Centre Pompidou“
Die Idee für ein „österreichisches Centre Pompidou“ nach Pariser Vorbild in den ehemaligen Hofstallungen, die 1921 zum Messepalast wurden, verfestigte sich schon in den 1970ern. 1983 wurde ein Konzept dafür in Auftrag gegeben, und 1986 folgte ein Architekturwettbewerb, aus dem die österreichischen Architekten Laurids und Manfred Ortner als Sieger hervorgingen. Es war der Startschuss für eine jahrelange Kontroverse.
Es dauerte nicht lange, und das Missfallen über den Entwurf gewann an Fahrt: Eine Bürgerinitiative sammelte Tausende Unterschriften, auch Louvre-Pyramiden-Architekt Ieoh Ming Pei und Kunstgeschichte-Papst Ernst Gombrich zeigten sich entsetzt. Dabei ging es nicht nur um die Idee, vor einen Großteil der innen gelegenen Fassaden Glasfronten zu setzen, sondern außerdem einen Medienturm und – noch prominenter direkt rechts vom Haupteingang – einen 67 Meter hohen Leseturm in den Höfen.
Zwölf Jahre Streit und ein Machtwort
Der Leseturm wäre nicht nur hoch, sondern auch ein großteils sinnloses Gebäude geworden: Die kleine Grundfläche des gläsernen Turms hätte, wenn man Aufzüge, Treppen und Infrastruktur abzieht, in jedem Geschoß nur winzige “Salons“ übrig gelassen. Die „Krone“ verlieh den kritischen Stimmen damals das Podium, das sie für den Erfolg brauchten. Zuerst gab es kleine Zugeständnisse bei den Entwürfen, bis der damalige Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) das Projekt schließlich 1996 zurück bis fast an den Start schickte.
Der eigentliche Bau ging dann recht zügig vonstatten: 1998 wurde begonnen, drei Jahre später war das „MQ“ fertig, trotz nochmaliger Umplanungen: Das Konzept sah die noch heute sichtbaren großen Treppen vor, aber weit und breit keine Möglichkeit, innerhalb des Museumsquartiers mit einem Kinderwagen oder Rollstuhl von A nach B zu kommen. Auch die großflächigen gläsernen Geländer mussten immer wieder erneuert werden, weil sie unter der Sonneneinstrahlung zerbarsten.
Zeitreise und Geburtstagsfest
Die Ausstellung „Vision und Widerstand“ im MQ Freiraum lässt die konfliktträchtigen 25 Jahre noch bis Jänner mit Architekturmodellen und historischen Dokumenten Revue passieren, zum Eröffnungstag am 30.6. bei freiem Eintritt. Als Höhepunkt der Jubiläumsfeiern folgt am 2. Juli ein ebenfalls frei zugängliches „Hof Kunst Fest“ – angesichts der aktuellen Temperaturen umso mehr zum Glück ohne glühende Glasfassaden und mit genug Platz für alle im Hof.
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